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Carfilzomib

Handelsname: Kyprolis®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit multiplem Myelom, die mindestens eine Vortherapie erhalten haben, in Kombination mit Dexamethason allein*

Pharmazeutischer Unternehmer: Amgen

Beginn des Verfahrens: 01.08.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 19.01.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zwecksmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung von Erwachsenen mit multiplem Myelom, die mindestens eine Vortherapie erhalten haben, in Kombination mit Dexamethason allein*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

geringer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Carfilzomib ist seit Dezember 2015 zusammen mit Lenalidomid und Dexamethason zur Behandlung des multiplen Myeloms verfügbar. Aufgrund einer Zulassungserweiterung darf Carfilzomib seit August 2016 auch nur mit Dexamethason eingesetzt werden. In der Dreifachkombination mit Lenalidomid und Dexamethason weist Carfilzomib einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen auf (Beschluss vom 02.06.2016). Für die Kombination mit Dexamethason allein erfolgte ebenfalls eine Nutzenbewertung.

Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) gilt der medizinische Zusatznutzen von Carfilzomib bereits durch die Zulassung als belegt. Das Ausmaß des Zusatznutzens bewertete der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daher anhand der Zulassungsstudie. Dabei handelte es sich um die offene, randomisierte, kontrollierte multizentrische Phase-III-Studie ENDEAVOR, in der insgesamt 929 Patienten 1:1 zu Carfilzomib und Dexamethason und im Kontrollarm zu Bortezomib und Dexamethason randomisiert wurden.

Bei der Gesamtmortalität zeigte sich kein statistisch signifikanter Vorteil von Carfilzomib. Die mediane progressionsfreie Zeit betrug im Interventionsarm 18,7 Monate und im Kontrollarm 9,4 Monate. Zur Morbidität legte der pharmazeutische Unternehmer Ergebnisse der EORTC QLQ-C30 vor. Hierbei zeigte sich für die Subskala „Übelkeit/Erbrechen“ ein statistisch signifikanter Vorteil von Carfilzomib im Vergleich zu Bortezomib. Zur gesundheitsbedingten Lebensqualität und zur Erfassung der Neurotoxizität lagen Ergebnisse aus ausgewählten Skalen vor. Die Responderanalysen zeigten Vorteile von Carfilzomib mit dem EORTC QLQ-C30 bei den Skalen „Gesundheitszustand/Lebensqualität“ und „Physis“ sowie mit dem EORTC QLQ-MY20 bei der Subskala „Nebenwirkungen“.

Die mediane Behandlungsdauer betrug im Carfilzomib-Arm 40 Wochen und im Bortezomib-Arm 27 Wochen. Das zeitadjustierte relative Risiko für Therapieabbrüche wegen unerwünschten Ereignissen war unter Carfilzomib um 30 % niedriger als unter Bortezomib. Periphere Neuropathien der Schweregrade ≥ 2 oder ≥ 3 traten im Vergleichsarm mit insgesamt 40,1 % statistisch signifikant deutlich häufiger als unter Carfilzomib (8,2 %) auf. Dagegen wurde bei der Darstellung der vom Hersteller beschriebenen unerwünschten Ereignisse von besonderem Interesse keine Zeitadjustierung vorgenommen. Es zeigten sich Nachteile von Carfilzomib für Herzversagen, kardiale Arrhythmien, Dyspnoe, embolische und thrombotische Ereignisse sowie Hypertonus.

Der G-BA hat aufgrund der Vorteile bei der Lebensqualität und Morbidität, den Therapieabbrüchen wegen unerwünschten Ereignissen und den peripheren Neuropathien einen geringen Zusatznutzen von Carfilzomib im Vergleich zu Bortezomib konsentiert. Da für die unter Carfilzomib häufiger auftretenden kardiovaskulären Nebenwirkungen (arterieller Hypertonus, Herzinsuffizienz und thromboembolische Ereignisse) keine zeitadjustierte Berechnungen von Effektschätzern vorlagen, erfolgte keine Aufrechnung gegen die deutlichen Vorteile von Carfilzomib bei den peripheren Neuropathien vom Schweregrad 2 und 3. Diese Befunde wurden jedoch als Signal für mögliche kardiovaskuläre Risiken der Therapie mit Carfilzomib angesehen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die Europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Carfilzomib muss durch einen auf dem Gebiet der Onkologie und in der Therapie von Patienten mit Multiplen Myelom erfahrenen Facharzt erfolgen (Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie).