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Brentuximab Vedotin

Handelsname: Adcetris®

Anwendungsgebiet: Behandlung des CD30+ Hodgkin-Lymphoms mit erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko nach autologer Stammzelltransplantion*

Pharmazeutischer Unternehmer: Takeda Pharma

Beginn des Verfahrens: 01.08.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 19.01.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung des CD30+ Hodgkin-Lymphoms mit erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko nach autologer Stammzelltransplantion*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Brentuximab Vedotin ist seit Dezember 2012 zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären CD30+ Hodgkin-Lymphoms nach einer autologen Stammzelltransplantation (ASCT) oder nach mindestens zwei vorangegangenen Therapien, sowie zur Behandlung des systemischen anaplastischen großzelligen Lymphoms in Verkehr. Die Nutzenbewertung ergab, dass ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vorliegt (Beschluss vom 16.05.2013).

Im Juni 2016 erfolgte die Zulassungserweiterung für eine frühere Therapielinie zur Behandlung des CD30+ Hodgkin-Lymphoms mit erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko nach einer ASCT. Auch für das neue Anwendungsgebiet wurde die Nutzenbewertung durchgeführt.

Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) gilt der medizinische Zusatznutzen von Brentuximab Vedotin bereits durch die Zulassung als belegt. Das Ausmaß des Zusatznutzens bewertete der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daher anhand der Zulassungsstudie. Dabei handelte es sich um die pivotale Studie AETHERA – eine randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie mit 329 Patienten, in der Brentuximab Vedotin gegen Placebo jeweils add-on zu Best-Supportive-Care verglichen wurde.

Hierbei zeigte sich ein großer Vorteil für Brentuximab Vedotin: Der primäre Endpunkt „progressionsfreies Überleben (PFS)“ war um durchschnittlich 18,8 Monate größer als bei Placebo. Der Vorteil übersetzte sich jedoch nicht in einen entsprechenden Vorteil im Gesamtüberleben. Ein Großteil der Patienten der Placebogruppe wurde nach Progress mit Brentuximab Vedotin behandelt (Cross-over-Rate: 85 %), so dass keine valide Bewertung des Gesamtüberlebens möglich war.

Deutliche Nachteile gab es bei der Arzneimittelsicherheit, und zwar bei den unerwünschten Ereignissen CTCAE-Grad ≥ 3, bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und insbesondere beim Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse. Die häufigsten Nebenwirkungen waren periphere Neuropathien, die im Vergleich zu Placebo ungefähr dreimal häufiger auftraten, und nur teilweise reversibel waren. Zur Bewertung der Lebensqualität wurden keine geeigneten Daten vorgelegt.

Der G-BA hat entschieden, dass wegen der (aufgrund der hohen Cross-over-Rate) nicht bewertbaren Ergebnisse zum Gesamtüberleben und der fehlenden Daten zur Lebensqualität die Vorteile beim PFS nicht gegen die Safety-Nachteile abgewägt werden können. Wegen der daraus resultierenden hohen Unsicherheit ist der Zusatznutzen von Brentuximab Vedotin nicht quantifizierbar.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Brentuximab Vedotin darf nur durch in der Therapie von Patienten mit Hodgkin-Lymphom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.

Bei Patienten mit nur gering erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko soll eine Behandlung mit Brentuximab Vedotin besonders kritisch abgewogen werden.