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Selexipag

Handelsname: Uptravi®

Anwendungsgebiet: Langzeitbehandlung der pulmonal arteriellen Hypertonie bei Erwachsenen der WHO-Funktionsklasse II bis III entweder als Kombinationstherapie bei Patienten, deren Erkrankung mit einem Endothelin-Rezeptor-Antagonisten und/oder einem Phosphodiesterase-5-Inhibitor unzureichend kontrolliert ist oder als Monotherapie bei Patienten, die für diese Therapien nicht infrage kommen*

Pharmazeutischer Unternehmer: Actelion Pharmaceuticals Deutschland

Beginn des Verfahrens: 15.06.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.12.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Langzeitbehandlung der pulmonal arteriellen Hypertonie*

patientenindividuell optimierte medikamentöse Therapie nach Maßgabe des Arztes unter Berücksichtigung des jeweiligen Zulassungsstatus

Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Selexipag, seit Juni 2016 verfügbar, ist ein selektiver Agonist des Prostacyclin-Rezeptors, der im Lungenkreislauf zur Vasodilatation führt und im Gegensatz zu den Prostacyclinen Epoprostenol, Treprostinil und Iloprost oral (zweimal täglich) appliziert werden kann.

Für die Nutzenbewertung bestimmte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als zweckmäßige Vergleichstherapie eine patientenindividuell optimierte medikamentöse Therapie nach Maßgabe des Arztes. Als solche sah der pharmazeutische Unternehmer einzig den Wirkstoff Iloprost an. Dabei unterschied er zwischen Patienten, für die eine Therapie mit Iloprost nicht infrage kommt und für die nur beobachtendes Abwarten bis zur Verschlechterung der pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH) zur Verfügung steht, sowie Patienten, für die Iloprost infrage kommt.

Für die Patienten, für die eine Behandlung mit Iloprost nicht infrage kommt, wurde die randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde und ereignisgetriebene Zulassungsstudie GRIPHON mit insgesamt 1.156 Erwachsenen zwischen 18 und 75 Jahren mit symptomatischer PAH und einer 6-Minuten-Gehstrecke von 50 bis einschließlich 450 Metern eingereicht. Der überwiegende Anteil der Patienten war den WHO-Funktionsklassen II oder III zuzuordnen und entsprach damit dem Anwendungsgebiet von Selexipag.

Der G-BA sah die Studie als nicht geeignet an, um Aussagen zum Zusatznutzen von Selexipag abzuleiten. Eine seit mindestens drei Monaten vor Studienbeginn vorbestehende Therapie mit einem Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA) und/oder einem Phosphodiesterase-5-Inhibitor (PDE-5-I) in stabiler Dosierung konnte beibehalten werden, durfte jedoch nicht angepasst werden. Das Studiendesign erlaubte zwar bei Verschlechterung der PAH eine individuelle Anpassung der PAH-spezifischen Therapie. Dies war jedoch als primäres Endpunktereignis definiert und beendete die verblindete und randomisierte Behandlungsphase für den Patienten.

Laut dem Anwendungsgebiet ist Selexipag für Patienten, deren Erkrankung mit einem ERA und/oder einem PDE-5-I unzureichend kontrolliert ist, vorgesehen, so dass der G-BA durch die Festlegung einer patientenindividuell optimierten Therapie als Vergleichstherapie von der Notwendigkeit einer Therapieeskalation ausging. Von den Studienteilnehmern waren 20 % therapienaiv, 13 % bzw. 33 % erhielten Monotherapien mit ERA bzw. PDE-5-I. Es war nicht nachvollziehbar, warum diese Patienten nicht für die Behandlung mit ERA- oder PDE5-I-Mono- bzw. Kombinationstherapien infrage gekommen wären. Des Weiteren wurde nicht klar, warum bei den Patienten im WHO-Stadium III nicht eine Behandlung mit Iloprost, das für dieses Krankheitsstadium zugelassen ist, möglich gewesen wäre. Somit erfolgte lediglich im Interventionsarm durch die Gabe von Selexipag eine Therapieeskalation.

Vor diesem Hintergrund kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass der Zusatznutzen von Selexipag nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Selexipag sollte nur durch in der Therapie von Patienten mit pulmonal arterieller Hypertonie erfahrene Fachärzte erfolgen.

Zusätzliche Maßnahmen zur Risikominimierung im EPAR umfassen die Versorgung der verschreibenden Ärzte mit einem Verschreiber-Kit, welches neben der Fachinformation von Selexipag ein Begleitschreiben an die Verschreiber, einen Titrationsleitfaden für Verschreiber auf einer laminierten DIN-A4-Karte, einen Titrationsleitfaden für Patienten sowie die Gebrauchsinformation enthalten soll.