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Obinutuzumab

Handelsname: Gazyvaro®

Anwendungsgebiet: in Kombination mit Bendamustin zur Behandlung des follikulären Lymphoms bei Erwachsenen, die auf eine Behandlung mit Rituximab nicht angesprochen haben oder während bzw. bis zu sechs Monate nach der Behandlung progredient wurden (Rituximab-refraktär)*

Pharmazeutischer Unternehmer: Roche Pharma

Beginn des Verfahrens: 01.07.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.12.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

in Kombination mit Bendamustin zur Behandlung des follikulären Lymphoms*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Obinutuzumab kann seit August 2014 in Kombination mit Chlorambucil zur Erstlinienbehandlung der chronisch lymphatischen Leukämie verordnet werden. Der Zusatznutzen wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss als nicht quantifizierbar eingestuft (Beschluss vom 05.02.2015).

Im Juni 2016 wurde die Zulassung erweitert: Obinutuzumab kann in Kombination mit Bendamustin auch zur Behandlung des follikulären Lymphoms bei Erwachsenen eingesetzt werden, die auf eine Behandlung mit Rituximab nicht angesprochen haben oder während bzw. bis zu sechs Monate nach der Behandlung progredient wurden (Rituximab-refraktär). Auch für das erweiterte Anwendungsgebiet erfolgte eine Nutzenbewertung.

Da es sich bei Obinutuzumab um ein Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) handelt, gilt der medizinische Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der in der Zulassungsstudie gewählten Vergleichstherapie.

Die Nutzenbewertung erfolgte auf Basis einer Teilstichprobe der randomisierten, offenen Phase-III-Zulassungsstudie GADOLIN bei 396 Patienten mit einem Rituximab-refraktären indolenten Non-Hodgkin-Lymphom. Die größte Subgruppe waren Patienten mit einem follikulären Lymphom. Obinutuzumab in Kombination mit Bendamustin wurde mit einer Bendamustin-Monotherapie verglichen, nicht progrediente Patienten im Kombinationsarm der Studie erhielten im Anschluss eine Obinutuzumab-Erhaltungstherapie. Zur Nutzenbewertung wurde im Wesentlichen der späteste verfügbare geplante Datenschnitt herangezogen.

Bei den Patienten mit follikulärem Lymphom zeigten sich unter Obinutuzumab und Bendamustin gegenüber der Bendamustin-Monotherapie Vorteile beim Gesamtüberleben und progressionsfreien Überleben. Weitere Vorteile gab es hinsichtlich der Verschlechterung des Gesundheitszustandes, gemessen mit der visuellen Analogskala des EQ-5D. Bezüglich Nebenwirkungen und Lebensqualität zeigten sich in der Gesamtschau keine Unterschiede. Die häufigsten Nebenwirkungen unter Obinutuzumab in Kombination mit Bendamustin waren Zytopenien und Infusions-assoziierte Reaktionen. Das Verzerrungspotential der Studie wurde außer für die Endpunkte Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben als hoch bewertet.

Der Gemeinsame Bundesausschuss kam in der Gesamtschau zu dem Ergebnis, das wegen der hohen Unsicherheit insbesondere aufgrund der geringen Zahl von Ereignissen beim Gesamtüberleben ein Zusatznutzen zwar vorliegt, dieser jedoch nicht quantifiziert werden kann. Da bisher nur ein Cross-Over-Anteil von 2 % vorliegt, hat der pharmazeutische Unternehmer die Möglichkeit, in frühestens einem Jahr reife Ergebnisse zum Gesamtüberleben und zur Sicherheit als neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorzulegen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Obinutuzumab muss durch in der Therapie von Patienten mit follikulärem Lymphom erfahrene Fachärzte erfolgen (Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie).

Obinutuzumab soll unter Bedingungen angewendet werden, unter denen eine vollständige Ausrüstung zur Wiederbelebung sofort verfügbar ist.

Laut Fachinformation sollen Maßnahmen zur Prophylaxe eines Tumorlyse-Syndroms und zur Reduzierung des Risikos für infusionsbedingte Reaktionen ergriffen werden.