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Axitinib

Der Beschluss zur frühen Nutzenbewertung von Axitinib wurde aufgehoben und durch den Beschluss vom 21.09.2017 ersetzt.

Handelsname: Inlyta®

Anwendungsgebiet: Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms bei erwachsenen Patienten nach Versagen von vorangegangener Therapie mit Sunitinib oder einem Zytokin*

Pharmazeutischer Unternehmer: Pfizer Pharma

Beginn des Verfahrens: 01.10.2012

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21.03.2013

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
a) nach vorangegangener Therapie mit Sunitinib
Everolimus Zusatznutzen ist nicht belegt
b) nach vorangegangener Therapie mit einem Zytokin
Sorafenib Hinweis für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Die Festlegung der zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT) durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erfolgte differenziert nach den in der Zulassung von Axitinib genannten Vortherapien. Dabei war unter anderem zu berücksichtigen, dass der Wirkstoff Sorafenib nur als Zweitlinientherapie nach Zytokin, jedoch nicht nach Sunitinib zugelassen ist.

Die Zulassung von Axitinib basierte auf der Phase-III-Studie AXIS, einer noch nicht abgeschlossenen unverblindeten, randomisierten Studie, in der – unabhängig von der Vortherapie – Sorafenib als Komparator eingesetzt wurde. Für den Vergleich gegen Everolimus nach einer Sunitinib-Vortherapie lagen daher keine direkten Vergleichsstudien vor. Den hierfür vom pharmazeutischen Unternehmer durchgeführte nicht-adjustierte indirekte Vergleich sah der G-BA als für die Bewertung nicht geeignet an. Ein Zusatznutzen von Axitinib gegenüber Everolimus ist somit nicht belegt.

Für die Bewertung gegenüber Sorafenib nach einer Zytokin-Vortherapie konnte eine Teilpopulation der AXIS-Studie herangezogen werden. Beim Endpunkt Gesamtüberleben ergab sich zwischen den beiden Therapiearmen kein statistisch signifikanter Unterschied. Für die Bewertung des G-BA auschlaggebend waren letztendlich die in den beiden Therapiearmen unterschiedlichen Raten an unerwünschten Ereignissen. Bezüglich der unerwünschten Ereignisse Hand-Fuß-Syndrom, Ausschlag und Alopezie zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Axitinib. Für Fatigue, Dysphonie sowie Übelkeit hingegen waren die Ergebnisse statistisch signifikant zuungunsten von Axitinib. In der Gesamtschau kam der G-BA zu der Auffassung, dass der Zusatznutzen von Axitinib gegenüber Sorafenib daher als gering einzuschätzen ist. Die Aussagesicherheit wurde – auf Basis einer Studie mit hinreichend sicheren Ergebnissen – in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.

Der Beschluss wurde auf vier Jahre befristet. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass der Zusatznutzen von Axitinib auf Patienten begrenzt ist, die eine vorangegangene Therapie mit einem Zytokin erhalten haben. Eine Zytokintherapie wird jedoch nur noch selten als Erstlinientherapie eingesetzt. Es ist zu erwarten, dass die therapeutische Relevanz der Zytokine in der Erstlinientherapie insbesondere aufgrund des Nebenwirkungsprofils weiter abnehmen wird.

Für die Gruppe der mit Sunitinib vorbehandelten Patienten (ca. 99 Prozent der aktuellen Zielpopulation) fehlten zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung geeignete Daten für eine Bewertung gegenüber Everolimus.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation zu Axitinib auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die EMA beschreibt im Europäischen Öffentlichen Beurteilungsbericht (EPAR) für Axitinib die folgenden Nebenwirkungen als von besonderem Interesse:

Hypertonie, Schilddrüsenfunktionsstörungen, arterielle embolische und thrombotische Ereignisse, Anstieg von Hämoglobin und Hämatokrit, Blutungen, gastrointestinale Perforation, Wundheilungsstörungen, posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom, Proteinurie, Leberassoziierte unerwünschte Ereignisse, Leberfunktionsstörung, Asthenie, Ausschlag, Hand-Fuß-Syndrom, Diarrhoe. Die Patienten sind über die genannten Risiken zu informieren und sorgfältig auf entsprechende Anzeichen hin zu beobachten.

Die Behandlung mit Axitinib soll durch einen in der Anwendung onkologischer Arzneimittel erfahrenen Arzt durchgeführt werden.

In der AXIS-Studie wurden ausschließlich Patienten mit einem Nierenzellkarzinom mit klarzelliger Histologie untersucht. Für Patienten mit nicht-klarzelligem Nierenzellkarzinom liegen bislang nur unzureichend Daten vor. Des Weiteren wurden in der AXIS-Studie gemäß den Einschlusskriterien nur Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom untersucht. Patienten mit lokal fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom ohne (Fern-)Metastasenbildung wurden nicht untersucht.

Die genannten Patientengruppen sind vom zugelassenen Anwendungsgebiet umfasst. Da diese Patientengruppen jedoch in der AXIS-Studie nicht bzw. nur unzureichend untersucht wurden, liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung von Axitinib für diese Patienten vor.