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Lenvatinib

Handelsname: Lenvima®

Anwendungsgebiet: Kombinationstherapie mit Everolimus beim fortgeschrittene Nierenzellkarzinom nach einer vorhergehenden, gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor gerichteten Behandlung*

Pharmazeutischer Unternehmer: Eisai

Beginn des Verfahrens: 01.10.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 16.03.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Kombinationstherapie mit Everolimus beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom nach einer vorhergehenden, gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor gerichteten Behandlung*

Nivolumab oder Everolimus

Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Lenvatinib ist seit Juli 2015 als Monotherapie zur Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms zugelassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für betroffene Patienten einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen festgestellt (Beschluss vom 17.12.2015). Seit Oktober 2016 ist Lenvatinib auch in Kombination mit Everolimus beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom nach einer vorhergehenden gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor gerichteten Behandlung zugelassen.

Grundlage der Nutzenbewertung war die offene, multizentrische, dreiarmige Phase-II-Studie 205 mit Everolimus im Vergleichsarm. Einschlusskriterium war, dass die Erkrankung innerhalb der letzten neun Monate nach der letzten Behandlung eine Progression gezeigt hat. In drei Armen wurden die Patienten entweder mit Lenvatinib 18 mg + Everolimus 5 mg, mit Everolimus mono 10 mg oder mit Lenvatinib mono 24 mg behandelt. Die Behandlung wurde maximal bis zum Krankheitsprogress oder Auftreten inakzeptabler Toxizität fortgeführt. Alle Patienten befanden sich in einem guten Allgemeinzustand (PS 0 oder 1). Das Verzerrungspotenzial war auf Studienebene und beim Endpunkt Gesamtüberleben niedrig, bei allen anderen Endpunkten dagegen hoch.

Bei der Mortalität ergab sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Lenvatinib + Everolimus: Die mediane Überlebenszeit lag bei 25,5 Monaten im Vergleich zu 15,4 Monaten unter Everolimus mono. Bei den Endpunkten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, Abbruch wegen unerwünschten Ereignissen (UE), schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und den meisten spezifischen UE (Anämie, Hypertonie, Infektionen, Pneumonitis, Blutungen) war kein statistisch signifikanter Unterschied auszumachen. Lediglich für den Endpunkt Diarrhö (CTCAE-Grad 3 oder 4) zeigte sich statistisch signifikant ein Unterschied zuungunsten von Lenvatinib + Everolimus.

Der G-BA kam zu dem Ergebnis, dass für Lenvatinib in Kombination mit Everolimus ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vorliegt. Die Einschätzung beruht auf Unsicherheiten bei der Bewertung in den Endpunktkategorien Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen bei einer sehr schmalen Beurteilungsbasis. Der Zusatznutzen selbst wurde angesichts des deutlichen Mortalitätsvorteils nicht gänzlich in Frage gestellt.

Der G-BA hat den Beschluss bis Ende Dezember 2020 befristet. Dem pharmazeutischen Unternehmer wird dadurch die Gelegenheit gegeben, relevante Studiendaten zu erheben und nachzureichen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die Europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Lenvatinib soll nur durch in der Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Innere Medizin und Nephrologie und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

In der Studie 205 wurden keine Patienten mit einem ECOG-Performance Status größer als 1 untersucht.

Patienten mit Hirnmetastasen wurden in der Studie 205 nicht untersucht. Insbesondere bei diesen Patienten muss vor Therapiebeginn eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden.