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Olaratumab

Handelsname: Lartruvo™

Anwendungsgebiet: Kombinationstherapie mit Doxorubicin beim fortgeschrittenen Weichgewebesarkom, wenn Patienten nicht für eine kurative Behandlung (Operation oder Strahlentherapie) geeignet sind, und wenn sie zuvor nicht mit Doxorubicin behandelt wurden*

Pharmazeutischer Unternehmer: Lilly Deutschland

Beginn des Verfahrens: 01.12.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 18.05.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Kombinationstherapie mit Doxorubicin beim fortgeschrittenen Weichgewebesarkom*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

beträchtlicher Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) galt der Zusatznutzen von Olaratumab bereits durch die Zulassung als belegt. Das Ausmaß des Zusatznutzens wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss anhand der Zulassungsstudie bewertet.

Bei der Zulassungsstudie handelt es sich um die Studie JGDG – eine nationale, multizentrische, verblindete, randomisierte kontrollierte Studie der Phase 1b/II. Da sie einen sehr großen Überlebensvorteil für die Kombination aus Olaratumab und Doxorubicin gegenüber Doxorubicin mono ergab, befürwortete die Zulassungsbehörde ein beschleunigtes Zulassungsverfahren. Die Phase-III-Studie war zum Zeitpunkt der Zulassung noch nicht abgeschlossen.

In der JGDG-Studie wurde Doxorubicin mono (Kontrollarm) in einer etablierten Dosierung mit Olaratumab und Doxorubicin (Interventionsarm) verglichen. Die Studienmedikation wurde bis zum Krankheitsprogress fortgeführt, jedoch nur für maximal acht Therapiezyklen. Patienten der Interventionsgruppe ohne Progress konnten danach zu einer Olaratumab-Monotherapie wechseln. Für Patienten der Kontrollgruppe bestand die Möglichkeit, nach der Krankheitsprogression und dem Abbruch der Doxorubicin-Monotherapie ebenfalls eine Olaratumab-Monotherapie zu erhalten.

Das mediane Überleben verbesserte sich im Interventionsarm um 11,8 Monate. Zur Morbidität lagen nur Daten zum progressionsfreien Überleben vor. Dieses war unter Olaratumab etwas, aber nicht signifikant verlängert. Bei den unerwünschten Ereignissen (UE) waren die längere Behandlungsdauer in der Interventionsgruppe und die mögliche Erfassung von UE wegen Postprogressions-Therapien in der 30 Tage-Nachbeobachtungszeit nach Doxorubicin-Abbruch in der Kontrollgruppe zu berücksichtigen. Keines der Ergebnisse zeigte einen statistisch signifikanten Unterschied. Lediglich die konsolidierte Kategorie „Neutropenie CTCAE-Grad ≥ 3“ war im Interventionsarm signifikant erhöht. Infusionsbedingte Reaktionen traten im Interventionsarm in acht Fällen auf, im Kontrollarm nicht. Zudem kam es in der Kontrollgruppe zu UE mit Todesfolge, in der Interventionsgruppe dagegen nicht.

Insgesamt standen dem ausgeprägten Vorteil beim Gesamtüberleben weniger gewichtige Nachteile bei den UE gegenüber, statistisch eindeutig nur bei den klinisch gut beherrschbaren Neutropenien Grad 3 und 4. Deshalb hat der Gemeinsame Bundesausschuss Olaratumab einen beträchtlichen Zusatznutzen zuerkannt. Der Beschluss ist bis Mai 2020 befristet, da dann voraussichtlich die Daten der Phase-III-Studie vorliegen werden.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Olaratumab darf nur durch in der Therapie von Patienten mit Weichgewebesarkomen erfahrene Fachärzte (Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie) erfolgen.

Olaratumab wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die EMA wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und die Fachinformation, falls erforderlich, aktualisieren.