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Ibrutinib

Handelsname: Imbruvica®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie, die nicht vorbehandelt sind und keine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen*

Pharmazeutischer Unternehmer: Janssen-Cilag

Beginn des Verfahrens: 01.07.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.12.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Chronische lymphatische Leukämie bei nicht vorbehandelten Patienten* a) Patienten, für die eine Therapie mit Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab geeignet ist
Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab Zusatznutzen nicht belegt
b) Patienten, für die eine Therapie mit Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab NICHT geeignet ist
Chemoimmuntherapie nach Maßgabe des Arztes Zusatznutzen nicht belegt
c) Patienten, für die eine Chemoimmuntherapie NICHT geeignet ist und die keine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen
Best-Supportive-Care** Zusatznutzen nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.

Zusammenfassung:

Ibrutinib ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die vorbehandelt oder nicht vorbehandelt sind und eine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen. Des Weiteren kann Ibrutinib beim Mantelzell-Lymphom und Morbus Waldenström eingesetzt werden. Über einen Zusatznutzen in diesen Anwendungsgebieten hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits entschieden (Beschluss vom 21.07.2016).

Gegenstand der neuen Nutzenbewertung war die Erweiterung des Anwendungsgebiets auf nicht vorbehandelte Patienten mit CLL ohne 17p-Deletion oder TP53-Mutation. Zur Bewertung der Erstlinientherapie legte der pharmazeutische Unternehmer die Zulassungsstudie RESONATE-2 vor. Hier wurde Ibrutinib bei Patienten ab 65 Jahren, die nicht für eine Therapie mit Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab (FCR-Therapie) infrage kommen, mit einer Chlorambucil-Monotherapie verglichen. Die Zulassung wurde jedoch unabhängig vom Alter für alle therapienaiven Patienten mit CLL erteilt.

Für Patienten, die für eine FCR-Therapie infrage kommen (1a), wurden im Dossier keine Daten vorgelegt. Für Patienten, die für eine FCR-Therapie nicht infrage kommen (1b), legte der pharmazeutische Unternehmer Ergebnisse aus drei indirekten Vergleichen zwischen Ibrutinib und verschiedenen Chemoimmuntherapien jeweils mit Chlorambucil als Chemotherapiekomponente vor. Die Vergleiche waren jedoch nach Ansicht des G-BA insbesondere wegen der geringen Ähnlichkeit bei der Dosierung des Brückenkomparators Chlorambucil für die Nutzenbewertung nicht geeignet.

Für Patienten ohne 17p-Deletion oder TP53-Mutation, die für eine Chemoimmuntherapie nicht geeignet sind (1c), wurde die Zulassungsstudie RESONATE-2 vorgelegt. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse unter Ibrutinib waren Neutropenie, Anämie, Diarrhoe, Hypertonie, Fatigue, Pneumonie und Exanthem. Die Studie ist aus Sicht des G-BA für die Bewertung eines Zusatznutzens gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie allerdings nicht geeignet. Sie schließt Patienten ein, die nicht für eine FCR-Therapie infrage kommen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass diese Patienten nicht für eine alternative Chemoimmuntherapie infrage kommen würden. Auch eine vom pharmazeutischen Unternehmer mit der Stellungnahme vorgelegte „neue Teilpopulation“ mit höherer Komorbidität bildet nach Auffassung des G-BA die relevante Subgruppe nicht ausreichend sicher ab. Insbesondere wurden schwerkranke Patienten, die jünger als 75 Jahre sind und ebenfalls nicht für eine Chemoimmuntherapie geeignet wären, nicht eingeschlossen.

In der Gesamtschau kam der G-BA zu dem Ergebnis, das der Zusatznutzen von Ibrutinib für alle drei Patientengruppen nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ibrutinib soll durch in der Therapie von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie erfahrene Fachärzte (Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie) erfolgen.