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Stand 27.04.2017

Psychotherapie

Strukturreform: Fragen und Antworten

Mit der neuen Psychotherapie-Richtlinie wurde nicht nur das Versorgungsangebot erweitert, auch das Antrags- und Genehmigungsverfahren wurde teilweise geändert. Die Neuerungen werfen Fragen auf. Die häufigsten Fragen und Antworten finden Sie hier. Die Liste wird nach und nach ergänzt.

Psychotherapeutische Sprechstunde

Wie häufig kann ich Psychotherapeutische Sprechstunden bei einem Patienten durchführen?

Ein erwachsener Patient hat Anspruch auf sechs Psychotherapeutische Sprechstunden mit je 25 Minuten Dauer pro Krankheitsfall – also im ersten Quartal der Inanspruchnahme der Psychotherapeutischen Sprechstunde und den drei darauf folgenden Quartalen in derselben Praxis und zulasten derselben Krankenkasse.

Nach Ablauf der vier Quartale beginnt ein neuer Krankheitsfall. Der Patient kann in dem Fall beim selben Therapeuten erneut bis zu sechs Psychotherapeutische Sprechstunden in Anspruch nehmen. Wechselt ein Patient die Krankenkasse oder sucht eine andere Praxis auf, hat er ebenfalls erneut Anspruch auf sechs Psychotherapeutische Sprechstunden.

Für Kinder und Jugendliche gilt: Pro Krankheitsfall können bis zu zehn Psychotherapeutische Sprechstunden mit je 25 Minuten Dauer durchgeführt werden, vier davon auch mit den relevanten Bezugspersonen, ohne dass das Kind beziehungsweise der Jugendliche anwesend sein muss.

Können die Erstgespräche im Rahmen der Psychotherapeutischen Sprechstunde auch 50 Minuten dauern?

Sie können festlegen, ob Sie 25-minütige oder 50-minütige Gespräche durchführen. Entscheidend ist die Gesamtzahl der Minuten: Bei Erwachsenen sind im Krankheitsfall (vier Quartale) bis zu 150 Minuten, bei Kindern und Jugendlichen bis zu 250 Minuten möglich. Bei 50-minütigen Gesprächen rechnen Sie die Gebührenordnungsposition 35151 zweimal ab.

Wann muss die Psychotherapeutische Sprechstunde vor einer weiteren Behandlung stattfinden?

Ab dem 1. April 2018 sind mindestens 50 Minuten Psychotherapeutische Sprechstunde vor einer weiteren Behandlung verpflichtend; nicht nur vor einer Akutbehandlung, sondern auch vor den probatorischen Sitzungen und der anschließenden Kurz- oder Langzeittherapie.

Die Psychotherapeutischen Sprechstunden müssen dann innerhalb der letzten vier Quartale vor Antragsstellung stattgefunden haben – ob bei dem Therapeuten, der die Akutbehandlung oder Psychotherapie durchführt, oder einem anderen Therapeuten, ist dabei egal.

Ohne vorherige Psychotherapeutische Sprechstunde können Akutbehandlung oder probatorische Sitzungen ab 1. April 2018 nur noch beginnen, wenn der Patient vorher in stationärer oder rehabilitativer Behandlung war und mit einer Diagnose entlassen wurde, die im Rahmen der ambulanten Psychotherapie behandelt werden kann.

Eine weitere Ausnahme besteht, wenn Patienten den Therapeuten in einer laufenden Therapie wechseln. Das nochmalige Aufsuchen einer Psychotherapeutischen Sprechstunde ist dann nicht erforderlich.

Akutbehandlung

Wann kann ich eine Akutbehandlung durchführen?

Die Akutbehandlung dient der Symptomreduktion bei akuten Krisen und soll Patienten auf eine anschließende Therapie oder andere Maßnahmen vorbereiten. Jedem Versicherten stehen dafür pro Krankheitsfall – also dem ersten Quartal der Akutbehandlung und den drei darauf folgenden in derselben Praxis und zulasten derselben Krankenkasse – 24 Behandlungseinheiten mit 25-minütiger Dauer zur Verfügung.

Der Beginn einer Akutbehandlung muss gegenüber der Krankenkasse lediglich auf dem Formblatt PTV 12 angezeigt werden, sie kann danach direkt beginnen.

Benötige ich vor der Akutbehandlung einen Konsiliarbericht?

Die Psychotherapie-Richtlinie sieht vor, dass der Konsiliarbericht vor einer Kurz- oder Langzeittherapie spätestens nach den probatorischen Sitzungen eingeholt wird. Soll nach der Akutbehandlung eine Kurz- oder Langzeittherapie eingeleitet werden, finden zunächst probatorische Sitzungen statt.

Dementsprechend kann eine Akutbehandlung auch begonnen werden, wenn im Einzelfall der Konsiliarbericht noch nicht vorliegt, aber zeitnah eingeholt wird. Patienten sollten zudem bereits im Rahmen der Psychotherapeutischen Sprechstunde an einen Konsiliararzt überwiesen werden, wenn eine weitere Behandlung geplant ist.

Antragsstellung

Was ist auf dem PTV 2 mit „Therapieeinheiten“ gemeint?

Auf dem Formblatt PTV 2 – den Angaben des Therapeuten zum Antrag des Versicherten –müssen Sie seit dem 1. April die Therapieeinheiten angeben, die Sie beantragen. In der Regel sind damit die Therapiestunden gemeint. Denn eine „Therapieeinheit“ entspricht in der Einzeltherapie 50 Minuten, in der Gruppentherapie 100 Minuten. Das ist so in der Psychotherapie-Vereinbarung geregelt.

Unabhängig von dieser Festlegung muss eine Sitzung nicht immer 50 oder 100 Minuten dauern. Bei einer Kurzzeittherapie (Einzeltherapie) in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie zum Beispiel sind auch 25-minütige Termine möglich. Eine Therapieeinheit wären in diesem Fall zwei Sitzungen à 25 Minuten. Dennoch würden Sie 12 Therapieeinheiten beantragen, könnten den Patienten aber bis zu 24 Mal in die Praxis bestellen.

Wichtig beim Ausfüllen des Antragsformulars ist, dass Sie maximal so viel Therapieeinheiten beantragen, wie die Psychotherapie-Richtlinie vorsieht, zum Beispiel für eine Verhaltenstherapie bei einem Erwachsenen bei einem Erstantrag maximal 60, bei einer Verlängerung maximal 20 zusätzliche Therapieeinheiten.

Welche Therapieeinheiten gebe ich bei einer Kombinationstherapie an?

Auch bei der Beantragung einer Kombinationstherapie geben Sie auf dem PTV 2 die Anzahl der Therapieeinheiten an, die Sie insgesamt beantragen (bei einer Kurzzeittherapie z.B. maximal 12). Eine Aufteilung der Therapieeinheiten in Gruppentherapie und Einzeltherapie (z.B. 7 Therapieeinheiten à 100 Minuten und 5 Therapieeinheiten à 50 Minuten) ist nicht erforderlich.

Eine Besonderheit gibt es noch, wenn die Therapiekontingente für Einzel- und Gruppentherapie unterschiedlich sind. In dem Fall ist bei der Angabe der Therapieeinheiten das Setting maßgebend, das Sie überwiegend einsetzen wollen.

Beispiel 1: Sie beantragen eine Kurzzeittherapie für Erwachsene (KZT1), die Sie überwiegend im Einzelsetting durchführen wollen. Dann tragen Sie in die Felder unter „Für die KZT1, KZT2 oder LZT in diesem Bewilligungsschritt werden beantragt“ die Zahl der Therapieeinheiten (in dem Falle 12) sowie die GOP für die Einzeltherapie und die GOP für die Gruppentherapie ein.

Beispiel 2: Wird ein Erstantrag auf eine tiefenpsychologisch fundierte Langzeittherapie für Kinder gestellt, stehen in einer Kombinationsbehandlung mit überwiegend Einzeltherapie 70 Therapieeinheiten oder in einer Kombinationsbehandlung mit überwiegend Gruppentherapie 60 Therapieeinheiten zur Verfügung. Wollen Sie die Therapie überwiegend in einer Gruppe durchführen, können sie maximal 60 Therapieeinheiten beantragen.

Wie beantrage ich eine Kurzzeittherapie 1?

Sie können den Antrag auf eine Kurzzeittherapie 1 (KZT 1, bis zu 12 Therapieeinheiten) bereits während der Probatorik stellen und zwar, sobald der Termin für die zweite probatorische Sitzung feststeht. Der Patient füllt dann das Formular PTV 1 aus. Sie leiten den Antrag zusammen mit Ihren Angaben (PTV 2) weiter an die Krankenkasse des Versicherten.

Diese prüft den Antrag und schickt dem Patienten eine Mitteilung über die Bewilligung. Bleibt eine Mitteilung der Krankenkasse aus, gilt die Therapie drei Wochen nach Eingang des Antrags bei der Krankenkasse als bewilligt.

Was ist, wenn die Kurzzeittherapie nicht ausreicht?

In diesem Fall können Sie ein weiteres Kurzzeittherapiekontingent (KZT 2, nochmals bis zu 12 Therapieeinheiten) beantragen. Möglich ist das bereits nach sieben Kurzzeittherapieeinheiten. Wie bei der KZT 1 füllt der Patient das PTV 1 aus, und Sie reichen den Antrag zusammen mit Ihren Angaben (PTV 2) bei der Krankenkasse des Patienten ein.

Diese prüft den Antrag und schickt dem Patienten eine Mitteilung über die Bewilligung. Bleibt eine Mitteilung der Krankenkasse aus, gilt die Therapie drei Wochen nach Eingang des Antrags bei der Kasse als bewilligt.

Alternativ kann nach der KZT 1 auch ein Antrag auf Langzeittherapie gestellt werden.

Wie wird eine Langzeittherapie beantragt?

Eine Langzeittherapie kann während der probatorischen Sitzungen als Erstantrag beantragt werden. Möglich ist auch die Umwandlung einer Kurzzeittherapie in eine Langzeittherapie. Der Erst- und der Umwandlungsantrag auf eine Langzeittherapie sind gutachterpflichtig.

In beiden Fällen schicken Sie an die Krankenkasse des Patienten folgende Unterlagen:

  • das vom Patienten ausgefüllte Muster PTV 1
  • Ihre Angaben auf Muster PTV 2
  • einen verschlossenen Umschlag (PTV 8) mit dem Bericht an den Gutachter nach Leitfaden PTV 3, einer Durchschrift des PTV 2 und gegebenenfalls ergänzenden Befundberichten; Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten fügen außerdem eine Kopie des ärztlichen Konsiliarberichts bei

Die Krankenkasse teilt dem Versicherten und Ihnen die Entscheidung formlos mit.

Mit dem Erstantrag auf Langzeittherapie im Einzelsetting können in der Verhaltenstherapie und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie bis zu 60 Therapieeinheiten beantragt werden, bei analytischer Psychotherapie bis zu 160. Bei einer Umwandlung von Kurz- in Langzeittherapie werden die Therapieeinheiten der Kurzzeittherapie auf das Kontingent angerechnet, das gleiche gilt für eine vorher durchgeführte Akutbehandlung.

Was muss ich tun, wenn die Krankenkasse bei einem Fortführungsantrag für eine Langzeittherapie einen Bericht an den Gutachter verlangt?

Wird die Verlängerung einer Langzeittherapie beantragt, kann die Krankenkasse einen Gutachter beauftragen oder den Antrag ohne Gutachterverfahren bewilligen. Wird ein Gutachter eingeschaltet, informiert Sie die Krankenkasse umgehend und fordert einen Bericht an.

Für Sie heißt das: Sie verfassen den Bericht an den Gutachter nach dem Leitfaden PTV 3. Den Bericht legen Sie in einen verschlossenen Briefumschlag (PTV 8) für den Gutachter – zusammen mit der Durchschrift des PTV 2 sowie gegebenenfalls ergänzenden Befundberichten und der Durchschrift des Konsiliarberichts. Anschließend senden Sie den verschlossenen Umschlag mit einer Kopie des PTV 2 (außerhalb des Umschlags, damit die Krankenkasse den Bericht dem ursprünglichen Antrag zuordnen kann) an die Krankenkasse des Patienten.

Muss ich eine Rezidivprophylaxe extra beantragen?

Eine Rezidivprophylaxe kann nicht isoliert beantragt werden. Die Beantragung erfolgt mit dem Erst-, Umwandlungs- oder Fortführungsantrag für eine Langzeittherapie. Dafür ist es wichtig, dass Sie bei der Frage „Soll nach Abschluss der Behandlung eine Rezidivprophylaxe durchgeführt werden“ auf dem PTV 2 beim letzten Antrag einer Langzeittherapie „ja“ oder „noch nicht absehbar“ ankreuzen. Nur dann ist eine Rezidivprophylaxe nach Therapieende möglich.

Was ist bei der Beantragung einer Kombinationsbehandlung zu beachten?

Eine Kombinationsbehandlung wird wie eine reine Einzel- oder Gruppenbehandlung mit dem PTV 1 beantragt. Der Patient kreuzt das Feld „Kombinationsbehandlung aus Einzel- und Gruppentherapie“ an. Sie geben dazu auf dem PTV 2 an, ob im Rahmen der Kombinationsbehandlung überwiegend Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt wird.

Das zur Verfügung stehende Therapiekontingent richtet sich nach dem überwiegend durchgeführten Setting. Wird beispielsweise ein Erstantrag auf eine tiefenpsychologisch fundierte Langzeittherapie für Kinder gestellt, stehen in einer Kombinationsbehandlung mit überwiegend Einzeltherapie 70 Therapieeinheiten oder in einer Kombinationsbehandlung mit überwiegend Gruppentherapie 60 Therapieeinheiten zur Verfügung.

Kann ich Therapieeinheiten von einer Einzel- in eine Gruppentherapie überführen und umgekehrt?

Im Rahmen einer Kombinationsbehandlung können Therapieeinheiten in das jeweils andere Setting überführt werden, sofern sich das überwiegende Setting nicht ändert. Dabei gilt eine Therapieeinheit in der Einzeltherapie als 50-minütige, in der Gruppentherapie als 100-minütige Behandlung.

Ändert sich das Setting, müssen Sie bei einer Kurzzeittherapie die Krankenkasse formlos über die Änderung informieren: Bei einer Langzeittherapie müssen Sie einen Änderungsantrag (mit Bericht an einen Gutachter) stellen.

Hinweis: Sind zwei Therapeuten an der Kombinationsbehandlung beteiligt, dann können Therapieeinheiten nur dann in das jeweils andere Setting übertragen werden, wenn beide Therapeuten der Krankenkasse gemeinsam die geplante Änderung formlos anzeigen.

Dürfen mehrere Therapeuten eine Kombinationsbehandlung beantragen?

Sie können zusammen mit einem anderen Therapeuten bei einem Patienten eine Kombinationsbehandlung durchführen, wobei ein Therapeut die Einzeltherapie und der andere Therapeut die gruppentherapeutische Behandlung übernimmt.

Dazu beantragt der Patient über das PTV 1 eine Kombinationsbehandlung. Sie und Ihr Kollege füllen jeweils ein PTV 2 aus und geben das insgesamt durchgeführte Setting und die Antragsart an – diese Angaben müssen in beiden PTV 2 gleich sein. Bei der Angabe der Therapieeinheiten gibt jeder Therapeut die Therapieeinheiten an, die er durchführt.

Ist alles ausgefüllt, übermittelt einer von Ihnen beide PTV 2 und das PTV 1 des Patienten zusammen an die Krankenkasse, um die Zuordnung zu erleichtern.

Hinweis: Auch eine Übertragung von Therapieeinheiten von einem Setting in das andere und somit zwischen beiden Therapeuten ist möglich – hierzu müssen Sie gemeinsam die Krankenkasse formlos über die Änderung informieren.

Wann kann ich eine Akutbehandlung beginnen?

Eine Akutbehandlung ist nur anzeigepflichtig, sie muss nicht von der Krankenkasse genehmigt werden. Dazu füllen Sie bei Beginn der Akutbehandlung mit dem Patienten das Anzeigeformular PTV 12 aus und schicken es an die Krankenkasse. Die Behandlung kann ohne vorherige Bewilligung durch die Krankenkasse sofort beginnen.

Der Patient hat bereits eine Akutbehandlung erhalten. Wie läuft das Antragsverfahren für eine Kurz- oder Langzeittherapie ab?

Beim Antragsverfahren gibt es eine Besonderheit: Auf dem PTV 2 geben Sie die bereits durchgeführten Therapieeinheiten (vollendete 50 Minuten) der Akutbehandlung an. Der Grund ist, dass die Stunden der Akutbehandlung mit den Stunden der Kurz- oder Langzeittherapie zu verrechnen sind. Ansonsten läuft das Antragsverfahren genauso ab.

Auch hier sind zunächst mindestens zwei probatorische Sitzungen nötig. Im Rahmen der probatorischen Sitzungen kann der Antrag auf Kurz- oder Langzeittherapie gestellt werden, sobald der Termin für die zweite Sitzung feststeht.

Kann ein Versicherter innerhalb von zwei Jahren nach Ende der letzten Therapie einen neuen Antrag stellen?

Ein Patient kann jederzeit einen Antrag auf Psychotherapie bei seiner Krankenkasse stellen. Die Entscheidung über die Bewilligung trifft allein die Krankenkasse.

Innerhalb von zwei Jahren nach Ende der letzten Psychotherapie ist vorgesehen, dass der Antrag des Patienten auf eine Lang- oder Kurzzeittherapie mit einem Bericht des Therapeuten an einen Gutachter zur Prüfung übermittelt wird.

Krankheitsspektrum

Welche Erkrankungen können im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie behandelt werden?

Mit der neuen Psychotherapie-Richtlinie hat sich am Krankheitsspektrum nichts geändert. Nach wie vor ist bei folgenden psychischen Erkrankungen eine ambulante Psychotherapie möglich:

  • Affektive Störungen (depressive Episoden, rezidivierende depressive Störungen, Dysthymie),
  • Angststörungen und Zwangsstörungen,
  • somatoforme Störungen und dissoziative Störungen,
  • Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen,
  • Essstörungen,
  • nichtorganische Schlafstörungen,
  • sexuelle Funktionsstörungen,
  • Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen,
  • Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend sowie
  • seelische Krankheit aufgrund:
    • frühkindlicher emotionaler Mangelzustände,
    • tiefgreifender Entwicklungsstörungen oder chronischer Erkrankungen,
    • schizophrener und affektiver psychotischer Störungen,
    • psychischer Störungen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen oder Opioide (bei Abstinenz)

Die Kosten für eine Psychotherapie allein zur Erziehungs-, Ehe-, Lebens-, oder Sexualberatung werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die vollständigen Kriterien sind in Paragraf 26 der Psychotherapie-Richtlinie aufgeführt.

Gutachterverfahren

Wann gibt es Gutachter für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Die Ausschreibung für Gutachter für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie soll noch im Jahr 2017 stattfinden. Sie erfolgt durch eine Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt und in der PP-Ausgabe.

Was muss dem Bericht an den Gutachter beigefügt werden?

Sie schicken der Krankenkasse den Bericht an den Gutachter in einem verschlossenen Umschlag (PTV 8), der folgende Unterlagen enthalten soll:

  • Bericht an den Gutachter nach dem Leitfaden PTV 3
  • Durchschrift des PTV 2
  • Gegebenenfalls der Konsiliarbericht und ergänzende Befundberichte

Den geschlossenen Umschlag schicken Sie zusammen mit einer Kopie des PTV 2 an die Krankenkasse des Versicherten. Die Kopie des PTV 2 benötigt die Kasse, um dem Bericht dem ursprünglichen Antrag zuordnen kann. Die Krankenkasse wählt einen geeigneten Gutachter aus und leitet den Umschlag an ihn weiter.

Gibt es unterschiedliche Berichte an den Gutachter für Kurz- und Langzeittherapien?

Nach den neuen Regelungen sind Berichte an einen Gutachter grundsätzlich nur noch für Langzeittherapien vorgesehen, Kurzzeittherapien können nun in der Regel ohne Gutachterverfahren beantragt werden. Zur Erstellung des Berichts an den Gutachter gibt es nur noch einen Leitfaden, der sowohl für Kurzzeittherapie als auch für Langzeittherapie gilt (PTV 3).

Übergangsregelung

Gibt es eine Übergangsregelung für Therapien, die vor Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April 2017 beantragt wurden?

Bei Anträgen, die vor dem 1. April gestellt wurden, gelten die Regelungen der alten Psychotherapie-Richtlinie. Ausschlaggebend ist das Datum auf dem Antrag des Patienten (PTV 1). Nach dem 1. April gelten die neuen Bestimmungen; auch für Fortführungs- oder Umwandlungsanträge von Therapien, die vorher beantragt wurden.

Beispiel 1: Möchten Sie eine Kurzzeittherapie, mit der Sie vor dem 1. April begonnen haben, nach dem 1. April in eine Langzeittherapie umwandeln, gelten die neuen Kontingente. In der Verhaltenstherapie wären zum Beispiel mit dem ersten Langzeitantrag 60 Therapieeinheiten möglich.

Beispiel 2: Möchten Sie eine vor dem 1. April begonnene Langzeittherapie nach dem 1. April fortführen, können Sie direkt das Höchstkontingent für das jeweilige Verfahren beantragen. Ob ein Gutachterverfahren eingeleitet wird, entscheidet die Krankenkasse.

Können begonnene probatorische Sitzungen nach dem 1. April fortgesetzt werden?

Probatorische Sitzungen, mit denen Sie vor dem 1. April begonnen haben, können Sie nach den alten Regeln fortführen und auch abrechnen: In der Verhaltenstherapie und in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sind danach bis zu fünf probatorische Sitzungen möglich, in der analytischen Psychotherapie bis zu acht.

Beispiel: Haben Sie im März bereits vier probatorische Sitzungen mit ihrem Patienten durchgeführt, können im April weitere probatorische Sitzungen bis zur jeweiligen Höchstgrenze erfolgen.

Nach der neuen Psychotherapie-Richtlinie sind – unabhängig vom Therapieverfahren – bei Erwachsenen bis zu vier probatorische Sitzungen möglich, bei Kindern und Jugendlichen bis zu sechs. Zwei probatorische Sitzungen sind vor einer Kurz- oder Langzeittherapie verpflichtend.

Wie erfolgt die Abrechnung „alter“ Leistungen?

Die Abrechnung erfolgt wie gehabt auf Basis des aktuell gültigen EBM. Eine Besonderheit gibt es bei Kurzzeittherapien und probatorischen Sitzung. Hier ist eine Kennzeichnung erforderlich:

  • Wurde vor dem 1. April 2017 eine Kurzzeittherapie beantragt, so können aus dem Therapiekontingent auch danach bis zu 25 Sitzungen abgerechnet werden. In diesen Fällen ist die 25. Sitzung hinter der Abrechnungsposition mit einem „L“ zu kennzeichnen.
  • Probatoriken, die vor dem 1. April 2017 begonnen wurden, können in Summe bis zu 5-mal für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie und bis zu 8-mal für analytische Psychotherapie durchgeführt und abgerechnet werden. In allen diesen Fällen sind die Leistungen hinter der Abrechnungsposition mit einem „L“ zu kennzeichnen.
  • Gruppentherapien mit nur zwei Teilnehmern, die vor dem 1. April beantragt wurden, werden bis zum 30. Juni 2017 über die Gebührenordnungspositionen für kleine Gruppen abgerechnet. Ab 1. Juli 2017 erfolgt die Abrechnung mittels bundeseinheitlichen Pseudo-GOP:

Pseudo-GOP Bezeichnung
80502 Tiefenpsychologische Psychotherapie (KZT), 2 Teilnehmer
80512 Tiefenpsychologische Psychotherapie (LZT), 2 Teilnehmer
80522 Analytische Psychotherapie (KZT), 2 Teilnehmer
80532 Analytische Psychotherapie (LZT), 2 Teilnehmer
80542 Verhaltenstherapie (KZT), 2 Teilnehmer
80552 Verhaltenstherapie (LZT), 2 Teilnehmer

Weitere Informationen zur Vergütung in der Psychotherapie finden Sie hier.