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Reden

Statement von Dr. Stephan Hofmeister zum Start des Projektes RESIST - Antibiotika bewusst anwenden, Resistenzen vermeiden

Gemeinsame Pressekonferenz von KBV und vdek am 4. Juli 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Projekt RESIST steht beispielhaft dafür, dass Vertragsärzte und Krankenkassen – bei all den Konflikten des Alltagsgeschäfts – auch konstruktiv und innovativ zusammenarbeiten können. Besonders begrüße ich es, dass das Projekt nicht nur auf die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen zielt, indem wir Ärzte unser Verordnungsverhalten überdenken und parallel die Patienten sensibilisieren, sondern dass wir mit RESIST auch das ausführliche Arzt-Patienten-Gespräch fördern. Dementsprechend setzt RESIST eine Behandlungssituation voraus, in der eine ausführliche Beratung nötig ist. Dieser Ansatz ist richtig und sollte zielstrebig verfolgt werden.

Die Erfahrung zeigt, dass immer noch zu viele Antibiotika verordnet werden. Mehr noch: Patienten fragen selbst danach. Unser Ziel muss es daher sein, indikationsge-recht und nach gemeinsamem Abwägen der Chancen und Risiken zu verordnen. Die Bedeutung des Themas der Resistenzvermeidung zeigt sich auch darin, dass der G-20-Gipfel, der in Kürze in Hamburg beginnt, die Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen auf seiner Agenda hat.

Die Erwartung mancher Patienten, von einem Antibiotikum schneller wieder gesund zu werden oder schneller wieder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können, darf nicht das handlungsleitende Motiv des Arztes sein. Allerdings sind die Diskussionen darum, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist oder nicht, oft komplex und schwierig und in jedem Fall kosten sie Zeit. Nicht alle Patienten akzeptieren die Botschaft „weniger ist mehr“. Richtigerweise setzt hier die Online-Schulung von RESIST an, mit der Erwartungshaltungen von Patienten angesprochen und dem Arzt Tipps gegeben werden, wie ein Aneinander-Vorbeireden vermieden werden kann.

Wir haben eine niedrigschwellige, innovative Schulung entwickelt, die sich gut in den Praxisalltag einfügt. Sie steht für die Vertragsärzte im Fortbildungsportal der KBV über das Sichere Netz der KVen zur Verfügung. Die Schulung besteht aus drei Modulen. Das erste Modul zielt auf die Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation, im zweiten und dritten Modul werden auch Hinweise zur leitliniengerechten Arzneimitteltherapie der Erkrankungen der unteren und oberen Atemwege gegeben. Diese Inhalte orientieren sich an der Publikation „Wirkstoff aktuell“ der KBV, die von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ) erstellt wird.

Wie wir aus den Regionen hören, trifft die Schulung bei den Kollegen auf gute Akzeptanz. Wir haben von den geplanten 3.000 teilnehmenden Ärzten bereits 2.500 akquirieren können. Sie durchlaufen derzeit die Schulungen. An dieser Stelle mein herzliches Dankeschön an die beteiligten KVen, ohne die das Programm nicht so schnell auf den Weg gebracht worden wäre.

Die Materialien zur Durchführung von RESIST werden derzeit an die Praxen versendet. Dies sind vor allem Poster und Flyer, mit denen bereits im Wartezimmer für das Thema Antibiotikaresistenzen sensibilisiert wird. Ein Plakat beispielsweise preist das „Wundermittel Bettruhe“ an. Wir müssen den Patienten wieder begreiflich machen, dass der Körper Ruhe braucht, damit Heilung eintreten kann. Eine alte Erkenntnis, die in unserer schnelllebigen Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Wenn aber doch der Einsatz eines Antibiotikums nötig ist, dann ist die korrekte Einnahme besonders wichtig. Hierfür haben wir das Infozept entwickelt, das den Patienten über die Medikation aufklärt und Verständnis für die Einnahmeregeln wecken soll.

Zufrieden bin ich auch damit, dass es uns gelungen ist, bei RESIST eine neue Form der Vergütung einzuführen. Sie ist zweitgeteilt: Zum einen werden die Aufwände vergütet, die für Arzt und Praxis durch die Online-Schulung und die Anpassung der Praxisorganisation entstehen. Zum anderen wird mit der Programmpauschale die sprechende Medizin gefördert. Man hört in letzter Zeit immer wieder von der Wunderwelt der Arzt-Automaten, durch die angeblich in absehbarer Zukunft Ärzte überflüssig werden. Das Projekt RESIST zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist für den Heilungsprozess und die Vermeidung neuer Krankheiten gerade in der Zeit des Informationsüberflusses und der „Fake News“ wichtiger als je zuvor.


Vielen Dank.
(Es gilt das gesprochene Wort.)

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