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Obeticholsäure

Handelsname: Ocaliva®

Anwendungsgebiet: Behandlung der primären biliären Cholangitis in Verbindung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) bei Erwachsenen, die unzureichend auf UDCA ansprechen, oder als Monotherapie bei Erwachsenen, die UDCA nicht tolerieren können*

Pharmazeutischer Unternehmer: Intercept Pharma Deutschland

Beginn des Verfahrens: 15.01.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 06.07.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zwecksmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung der primären biliären Cholangitis in Verbindung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) bei Erwachsenen, die unzureichend auf UDCA ansprechen, oder als Monotherapie bei Erwachsenen, die UDCA nicht tolerieren können*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Obeticholsäure ist ein Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug). Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens anhand der Zulassungsstudie.

Bei dieser handelt es sich um die POISE-Studie, eine doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie mit 12-monatiger Behandlungsdauer und anschließender Langzeitsicherheitsstudie, die die langfristige Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit untersucht. Der primäre Endpunkt ist ein kombinierter Endpunkt, bewertet als Responderanalyse im Vergleich zu Baseline: Anteil von Patienten mit Alkalischer Phosphatase (ALP) < 1,67 x obere Normgrenze und Gesamt-Bilirubin ≤ obere Normgrenze und ALP-Reduktion ≥ 15 %. Diese biochemischen Kenngrößen wurden als Morbiditätsparameter herangezogen, da die patientenrelevanten Endpunkte Gesamtüberleben und Lebertransplantation in klinischen Studien bei primärer biliärer Cholangitis aufgrund des eher langsamen Krankheitsverlaufes nur schwer zu erheben sind. Der pharmazeutische Unternehmer konnte jedoch nicht überzeugend darlegen, dass die biochemischen Parameter valide Surrogatparameter sowohl auf Individualebene als auch in Kombination (als kombinierter Endpunkt) sind.

Zu weiteren Morbiditätsendpunkten und zur Lebensqualität wurden keine validen Daten vorgelegt. Die am häufigsten aufgetretene Nebenwirkung unter Obeticholsäure war Juckreiz. Anhand der Studiendaten ließ sich ein erhöhtes Risiko für einen schweren Juckreiz im Vergleich zu Placebo ableiten. Da die berichteten unerwünschten Ereignisse häufig auch als Symptome der Erkrankung auftreten oder als Komorbiditäten bekannt sind, war die Bewertung insgesamt schwierig.

Auf Basis dieser Erkenntnisse hat der Gemeinsame Bundesausschuss für Obeticholsäure einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen konsentiert. Der Beschluss ist bis Oktober 2023 befristet. Bis dahin sollen die patientenrelevanten Ergebnisse der von der Zulassungsbehörde geforderten und bereits begonnenen Langzeitstudie COBALT vorliegen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Obeticholsäure soll nur durch in der Therapie von Patienten mit primärer biliärer Cholangitis erfahrene Fachärzte erfolgen.