Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Vandetanib

Handelsname: Caprelsa®

Anwendungsgebiet: Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung*

Pharmazeutischer Unternehmer: AstraZeneca

Beginn des Verfahrens: 15.01.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 06.07.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation

zweckmäßige Vergleichstherapie

Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung*

Best-Supportive-Care**

Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

Vandetanib wurde 2012 zur Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarer, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung zugelassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) stellte einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen fest (Beschluss vom 05.09.2013). Zwischenzeitlich wurde das Anwendungsgebiet von Vandetanib zugunsten des fortgeschrittenen medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Kindern ab fünf Jahren und Jugendlichen erweitert. Dieses Krankheitsbild ist sehr selten: In Deutschland tritt es vermutlich bei nicht mehr als zwei bis acht Kindern pro Jahr auf. Diese Kinder leiden immer an einer hereditär bedingten Krankheitsform.

Die Zulassung des Wirkstoffs für Kinder und Jugendliche erfolgte nach Vorlage einer einarmigen „Kinder-Studie“ (Studie 98) mit nur 16 Probanden und mittels Evidenztransfer der bei Erwachsenen erhobenen Daten aufgrund einer von der Europäischen Zulassungsbehörde festgestellten grundsätzlichen Vergleichbarkeit. Von den eingeschlossenen jugendlichen Probanden verstarb ein Patient vor dem präspezifizierten Datenschnitt (6,3 %), wohingegen in der Erwachsenen-Studie 21 von 126 Patienten (16,7 %) verstorben sind.

Nach der EU-Kinderverordnung Nr. 1901/2006 kann trotz limitierender Umstände und im Bemühen, Kinder vor nicht zumutbaren Studien zu schützen, die vorhandene Evidenz von Erwachsenen auf Kinder und Jugendliche übertragen werden. Genetische Ursache, Wirkmechanismus (Pharmakokinetik, Pharmakodynamik), Erkrankungsbild und die klinischen Effekte bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit waren im vorliegenden Fall nach Auffassung der Zulassungsbehörde hinreichend ähnlich bzw. zeigten eine gleiche Effektrichtung, so dass darauf basierend die Zulassung erfolgte.

Nach Auffassung des G-BA kann die Studie 98 aufgrund der sehr limitierten Studienbedingungen die Feststellung eines Zusatznutzens allein nicht hinreichend belegen. Im Gegensatz zu der vorangegangenen Erwachsenen-Studie wurde der Endpunkt Zeit bis zur Schmerzprogression, mit dem der Anhaltspunkt auf einen geringen Zusatznutzen im Wesentlichen begründet wurde, in der Kinder-Studie nicht erhoben. Aus nachgereichten individuellen Behandlungsprotokollen geht lediglich hervor, dass die Schmerzbehandlung auch bei den jungen Patienten mit dieser Krankheit wichtig ist.

Insgesamt konsentierte der G-BA für Vandetanib bei der Anwendung bei Kindern ab fünf Jahren und Jugendlichen einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Vandetanib soll durch in der Therapie von Patienten mit medullärem Schilddrüsenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Entsprechend der Anforderungen an die Aktivitäten zur Risikominimierung im EPAR (European Public Assessment Report) muss der pharmazeutische Unternehmer folgendes Informationsmaterial zu Vandetanib zur Verfügung stellen:

  • Schulungs- und Informationsmaterial für den Arzt / medizinisches Fachpersonal
  • Schulungs- und Informationsmaterial für den Patienten bzw. dessen Eltern

Vandetanib wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden, insbesondere hinsichtlich eines Nutzens bei Patienten ohne Rearranged during Transfection-(RET)-Mutationsstatus. Es wird eine Studie durchgeführt (D4200C00104), um dies zu untersuchen.

Für Kinder unter 9 Jahren liegen darüber hinaus keine klinischen Daten zur Anwendung von Vandetanib vor. In die Kinderstudie (Studie 98) wurden 16 Patienten im Alter von 9 bis 17 Jahren eingeschlossen. Die EMA wird neue Informationen mindestens jährlich bewerten und, falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aktualisiert werden.