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Reslizumab

Handelsname: Cinqaero®

Anwendungsgebiet: Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma, das trotz hochdosierter inhalativer Corticosteroide plus einem anderen Arzneimittel zur Erhaltungstherapie nur unzureichend zu kontrollieren ist*

Pharmazeutischer Unternehmer: Teva

Beginn des Verfahrens: 15.01.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 06.07.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma, das trotz hochdosierter inhalativer Corticosteroide plus einem anderen Arzneimittel zur Erhaltungstherapie nur unzureichend zu kontrollieren ist*

patientenindividuelle Therapieeskalation:

  • der hochdosierten inhalativen Corticosteroide und der langwirksamen Bronchodilatatoren (LABA) mit Tiotropium und ggf. orale Corticosteroide** oder
  • bei IgE-vermittelter Pathogenese des Asthmas ggf. Omalizumab zusätzlich zu hochdosierten inhalativen Corticosteroiden und LABA und ggf. orale Corticosteroide** oder
  • ggf. der hochdosierten inhalativen Corticosteroide und der LABA mit oralen Corticosteroiden**

a) Patienten, die nicht oder nur im Rahmen von akuten Exazerbationen mit oralen Corticosteroiden behandelt werden:

Zusatznutzen ist nicht belegt

b) Patienten, die auch über die Behandlung akuter Exazerbationen hinaus regelmäßig mit oralen Corticosteroiden behandelt werden:

Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** Orale Corticosteroide sollten nur kurzzeitig und in der niedrigst wirksamen Dosis eingesetzt werden.


Zusammenfassung:

Reslizumab ist seit Januar 2017 in Verkehr und wie der Wirkstoff Mepolizumab ein Interleukin-5(IL-5)-Antikörper. Während Mepolizumab alle vier Wochen subkutan appliziert werden muss, wird Reslizumab alle vier Wochen intravenös verabreicht.

Zur Nutzenbewertung legte der pharmazeutische Unternehmer die doppelblinden, multizentrischen, randomisierten, Placebo-kontrollierten Studien 3082 und 3083 mit einer Studiendauer von 52 Wochen vor. Es wurden Patienten zwischen 12 und 75 Jahren eingeschlossen, die vor Studienbeginn eine Eosinophilenzahl von mindestens 400 Zellen/µl aufwiesen, deren Symptome nicht adäquat mit inhalativen Corticosteroiden (ICS) kontrolliert werden konnten und die im Vorjahr mindestens eine Exazerbation erlitten hatten. Für beide Studien wertete der pharmazeutische Unternehmer Teilpopulationen von insgesamt 284 Patienten aus, da auch Patienten eingeschlossen waren, für die Reslizumab in Deutschland nicht zugelassen ist.

Bei der Nutzenbewertung wurde zwischen zwei Patientengruppen unterschieden:

a) Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma, die nicht oder nur im Rahmen von akuten Exazerbationen mit OCS behandelt werden

Unter diese Gruppe werden solche Patienten subsumiert, die keine Initiierung einer Gabe mit oralen Corticosteroiden (OCS) zur präventiven Vermeidung von Exazerbationen erhalten haben. Es wäre zumindest notwendig gewesen, den Patienten eine entsprechende Therapie anzubieten. Dies war jedoch laut Studienprotokoll ausgeschlossen. Auch war eine Eskalation mit Tiotropium und Omalizumab in der Studie nicht möglich. Vor diesem Hintergrund konnte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für die Patientengruppe a) keinen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten, weshalb ein Zusatznutzen von Reslizumab nicht belegt ist.

b) Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma, die über die Behandlung akuter Exazerbationen hinaus regelmäßig mit OCS behandelt werden

Gemeint sind Patienten, die bereits vor Studienbeginn regelmäßig OCS erhielten und solche, bei denen OCS als Eskalation initiiert wurde. Es wurde angenommen, dass die Therapieoption OCS für diese Patienten weitgehend ausgeschöpft war, jedoch fehlte auch hier die Möglichkeit einer Therapieoptimierung mit Tiotropium und Omalizumab.

Trotz dieser Unsicherheiten wurde hieraus ein geringer Zusatznutzen abgeleitet. Dieser begründet sich insbesondere darauf, dass eine bereits bestehende OCS-Therapie in beiden Studien weniger häufig im Reslizumab-Arm erhöht wurde. Damit werden durch Reslizumab potenziell schwere Nebenwirkungen von OCS vermieden bzw. reduziert. Der statistisch signifikante Vorteil bei der mittleren Rate der Exazerbationen zugunsten von Reslizumab findet sich zwar nur in der Gesamtpopulation, stützt aber das Ergebnis zum Zusatznutzen für die Teilpopulation b).

Die Morbidität wurde des Weiteren anhand der Fragebögen Asthma Control Questionnaire (ACQ) und Asthma Symptom Utility Index (ASUI) erhoben. Sowohl diese beiden Fragebögen als auch ein Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität – Asthma Quality of Life Questionnaire (AQLQ) – sind zur Ableitung eines Zusatznutzens allerdings nicht geeignet. In die Auswertung dieser Fragebögen wurden Patienten explizit ausgeschlossen, die innerhalb der letzten sieben Tage vor Erhebung eine Therapieoptimierung erhalten haben.

Vor diesem Hintergrund konsentierte der G-BA für die Patientengruppe b) einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen. Der Beschluss ist bis Juli 2020 befristet. Dies wurde insbesondere mit der in den Studien fehlenden Therapieeskalation mit Tiotropium begründet.

Hinweise für die Praxis

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.