Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Elbasvir/Grazoprevir

Handelsname: Zepatier®

Anwendungsgebiet: Behandlung der chronischen Hepatitis C*

Pharmazeutischer Unternehmer: MSD Sharp & Dohme

Beginn des Verfahrens: 15.12.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.06.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung der chronischen Hepatitis C*

a) Erwachsene ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 1
  • Patienten ohne Zirrhose: Ledipasvir/Sofosbuvir oder Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir plus Dasabuvir (ggf. plus Ribavirin)
  • Patienten mit kompensierter Zirrhose: Ledipasvir/Sofosbuvir           

Zusatznutzen ist nicht belegt

b) Erwachsene ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 4
  • Patienten ohne Zirrhose: Ledipasvir/Sofosbuvir oder Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir plus Ribavirin
  • Patienten mit kompensierter Zirrhose: Ledipasvir/Sofosbuvir
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Die Fixkombination Elbasvir/Grazoprevir ist seit Dezember 2016 in Verkehr und zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Hepatitis C.

Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung legte der pharmazeutische Unternehmer für Patienten mit Genotyp 1 Ergebnisse der offenen randomisierten kontrollierten Studie (RCT) C-EDGE H2H vor. Für Patienten mit Genotyp 1 und 4 reichte er indirekte nicht adjustierte Vergleiche und für Patienten mit fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz (Genotyp 1 oder 4) Ergebnisse der doppelblinden RCT C-Surfer ein.

a) Patienten mit chronischer Hepatitis C vom Genotyp 1

Als Komparator wurde die Kombination aus Sofosbuvir mit pegyliertem Interferon plus Ribavirin gewählt. Dies entspricht jedoch nicht der zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT), die der Gemeinsame Bundesausschuss benannt hatte (siehe oben). Deshalb konnte die Studie zur Nutzenbewertung nicht herangezogen werden.

Die indirekten nicht adjustierten Vergleiche gegen die festgelegte zVT unter Verwendung einzelner Arme aus Studien mit Elbasvir/Grazoprevir bzw. mit der zVT zeigten keine dramatischen Effekte. So ergaben sich beispielsweise für den Endpunkt SVR12 (dauerhaftes virologisches Ansprechen 12 Wochen nach Therapieende) unter Elbasvir/Grazoprevir bei Patienten mit Genotyp 1a eine Rate von 92,2 % und bei Patienten mit Genotyp 1b 99 %, während mit der zVT behandelte Patienten SVR-Werte von 95,7 % (Genotyp 1a) und 97,8 % (Genotyp 1b) erreichten. Für Patienten mit chronischer Hepatitis C vom Genotyp 1 konnte daher für Elbasvir/Grazoprevir kein Zusatznutzen abgeleitet werden.

b) Patienten mit chronischer Hepatitis C vom Genotyp 4

In dem indirekten nicht adjustierten Vergleich gegen die festgelegte zVT unter Verwendung einzelner Arme aus Studien mit Elbasvir/Grazoprevir bzw. mit der zVT zeigten sich keine dramatischen Effekte. So ergaben sich für den Endpunkt SVR12 sowohl unter Elbasvir/Grazoprevir als auch unter der zVT mit Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir plus Ribavirin Raten von 100 %. Somit ließ sich auch für Patienten mit chronischer Hepatitis C vom Genotyp 4 kein Zusatznutzen von Elbasvir/Grazoprevir ableiten.

Ergänzend reichte der pharmazeutische Unternehmer für Patienten mit chronischer Hepatitis C vom Genotyp 1 oder 4 mit schwerer chronischer Niereninsuffizient (CKD-Stadium 4 und 5) Daten aus der doppelblinden RCT C-Surfer ein. In dieser Studie wurde die Therapie mit Elbasvir/Grazoprevir mit Best Supportive Care verglichen. Als „Best Supportive Care“ (BSC) wird jene Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.

Allerdings entspricht BSC auch für Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz nicht dem in den Leitlinien empfohlenen Therapiestandard. Für diese Patienten stellt die Kombination aus Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir ggf. plus Dasabuvir und/oder Ribavirin eine zugelassene und empfohlene Therapieoption dar. Aus diesem Grund hatte der Gemeinsame Bundesausschuss für diese Patienten auch keine separate Vergleichstherapie festgelegt. Vor diesem Hintergrund ließ sich kein Zusatznutzen von Elbasvir/Grazoprevir ableiten.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Elbasvir/Grazoprevir soll nur durch in der Therapie von Patienten mit chronischer Hepatitis C bei Erwachsenen erfahrene Ärzte erfolgen.

Bei HCV/HBV-koinfizierten Patienten wurden die Sicherheit und Wirksamkeit von Elbasvir/Grazoprevir nicht untersucht.