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Nivolumab

Handelsname: Opdivo®

Anwendungsgebiet: Behandlung des rezidivierenden oder refraktären klassischen Hodgkin-Lymphoms bei Erwachsenen nach einer autologen Stammzelltransplantation und Behandlung mit Brentuximab Vedotin*

Pharmazeutischer Unternehmer: Bristol-Myers Squibb

Beginn des Verfahrens: 01.01.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.06.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung des rezidivierenden oder refraktären klassischen Hodgkin-Lymphoms nach Vortherapie*

Therapie nach Maßgabe des Arztes unter Berücksichtigung der Zulassung und der Vortherapien Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Nivolumab wurde im Juli 2015 zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms (Monotherapie) in den Verkehr gebracht. Im August 2015 wurde das Anwendungsgebiet um die Indikation Behandlung des plattenepithelialen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms erweitert. Weitere Anwendungserweiterungen folgten im Mai 2016 (nicht-plattenepitheliales nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom und Nierenzellkarzinom) sowie im Juni 2016 (Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms in Kombination mit Ipilimumab). Seit Januar 2017 darf Nivolumab darüber hinaus zur Behandlung des rezidivierenden oder refraktären klassischen Hodgkin-Lymphoms bei Erwachsenen nach einer autologen Stammzelltransplantation (ASCT) und Behandlung mit Brentuximab Vedotin verordnet werden.

Bei Nivolumab handelt es sich um einen immunmodulierenden Programmed-Cell-Death-1-Rezeptor-Antikörper. Die antitumorale Wirkung erfolgt indirekt über die Verstärkung der körpereigenen T-Zell-vermittelten Immunantwort. Primär basiert die Therapie des Hodgkin-Lymphoms auf einer Chemo- / Strahlentherapie, die Patienten haben eine gute Prognose. Im ersten Rezidiv stellt dann die Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von einer ASCT die Therapie der Wahl dar. Während eine ASCT für ca. die Hälfte der Patienten kurativ ist, zeigen insbesondere Patienten mit ungünstigen Risikofaktoren häufig einen Progress nach der Transplantation. Diese späte Therapielinie umfasst weniger als 100 Patienten jährlich, die eine nur schlechte Prognose haben.

Im Rahmen der Nutzenbewertung wurden die einarmigen Studien CA209-205 und CA209-039 vorgelegt. Für die zweckmäßige Vergleichstherapie (siehe oben) zog der pharmazeutische Unternehmer die retrospektive Beobachtungsstudie Cheah 2016 heran. Er verglich im Rahmen eines nicht adjustierten historischen Vergleichs einzelne Studienarme. Zu unerwünschten Ereignissen und zur Lebensqualität wurden keine vergleichenden Auswertungen vorgelegt. Ein relevanter Teil der Patienten hatte die laut Zulassung erforderliche Vorbehandlung nicht erhalten. Darüber hinaus wurden zahlreiche Patienten mit nicht zugelassenen Wirkstoffen behandelt. Auch wurden nicht für alle patientenrelevanten Endpunkte Auswertungen vorgelegt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss kam insgesamt zu dem Ergebnis, dass aufgrund der fehlenden validen vergleichenden Evidenz ein Zusatznutzen von Nivolumab zur Behandlung des Hodgkin-Lymphoms nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Nivolumab darf nur durch in der Therapie von Patienten mit klassischem Hodgkin-Lymphom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.