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Palbociclib

Handelsname: Ibrance®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Hormonrezeptor-positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2-negativen lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs

  • in Kombination mit einem Aromatasehemmer
  • in Kombination mit Fulvestrant bei Frauen, die zuvor eine endokrine Therapie erhalten haben1

Pharmazeutischer Unternehmer: Pfizer Pharma

Beginn des Verfahrens: 01.12.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 18.05.2017

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung von Hormonrezeptor-positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2-negativen lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs

  • in Kombination mit einem Aromatasehemmer
  • in Kombination mit Fulvestrant bei Frauen, die zuvor eine endokrine Therapie erhalten haben1
a1) Postmenopausale Frauen in Erstlinientherapie          
  • Anastrozol oder
  • Letrozol oder
  • ggf. Tamoxifen, wenn Aromatasehemmer nicht geeignet sind
Zusatznutzen ist nicht belegt
a2) Prä-/ perimenopausale Frauen in Erstlinientherapie
  • Tamoxifen in Kombination mit einer Ausschaltung der Ovarialfunktion
Zusatznutzen ist nicht belegt
b1) Postmenopausale Frauen mit Progression nach einer vorangegangenen endokrinen Therapie
  • Tamoxifen oder
  • Anastrozol oder
  • Fulvestrant2 oder
  • Letrozol2 oder
  • Exemestan3 oder
  • Everolimus in Kombination mit Exemestan4
Zusatznutzen ist nicht belegt
b2) Prä-/ perimenopausale Frauen mit Progression nach einer vorangegangenen endokrinen Therapie
  • endokrine Therapie nach Maßgabe des Arztes
Zusatznutzen ist nicht belegt

1 Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.  2 Nur für Frauen mit Rezidiv oder Progress nach einer Antiöstrogen-Behandlung.  3 Nur für Frauen mit Progress nach einer Antiöstrogen-Behandlung.  4 Nur für Frauen ohne symptomatische viszerale Metastasierung, nachdem es zu einer Progression nach einem nicht steroidalen Aromataseinhibitor gekommen ist.  


Zusammenfassung:

Die Nutzenbewertung von Palbociclib basierte im Wesentlichen auf den zwei noch laufenden, randomisierten multizentrischen Studien PALOMA-2 und PALOMA-3. Ergänzend wurde die Studie PALOMA-1 herangezogen.

PALOMA-1 ist eine offene Phase-I/II-Studie von Palbociclib + Letrozol gegen Placebo + Letrozol bei 165 Frauen ohne systemische Vortherapie. Beim progressionsfreien Überleben (PFS) zeigte sich ein großer Vorteil für Palbociclib + Letrozol im Vergleich zur Letrozol-Monotherapie: 20,2 vs. 10,2 Monate. Beim Gesamtüberleben gab es keine Unterschiede, bei der Arzneimittelsicherheit jedoch deutliche Nachteile. Da der Gemeinsame Bundesausschuss das Verzerrungspotential auf Studienebene hoch einschätzt, hat er zur Bewertung im Anwendungsgebiet a1 primär die PALOMA-2-Studie herangezogen.

PALOMA-2 ist eine doppelblinde Phase-III-Studie zum Vergleich von Palbociclib + Letrozol gegen Placebo + Letrozol bei 666 Frauen ohne systemische Vortherapie. Prämenopausale Frauen waren nicht eingeschlossen. Beim PFS zeigte sich auch hier ein großer Vorteil für Palbociclib + Letrozol im Vergleich zur Letrozol-Monotherapie: 24,8 vs. 14,5 Monate. Beim Gesamtüberleben und bei der Lebensqualität gab es keine Unterschiede. Hinsichtlich schwerwiegender und schwerer unerwünschter Ereignisse CTCAE-Grad 3/4 zeigte sich ein Nachteil von Palbociclib + Letrozol unter anderem in Form von Neutropenie, Infektion, Leukopenie, Fatigue, Übelkeit, Stomatitis, Anämie, Alopezie und Diarrhö.

Für die Anwendungsgebiete b1 und b2 wurde die PALOMA-3-Studie herangezogen. Sie ist eine doppelblinde Phase-III-Studie zum Vergleich von Palbociclib + Fulvestrant (+/- Goserelin) gegen Placebo + Fulvestrant (+/- Goserelin) bei 521 vorbehandelten Frauen mit Progress unter oder nach einer endokrinen Therapie. In die Studie waren auch prämenopausale Frauen eingeschlossen. In einer Interimsanalyse zeigte sich ein großer PFS-Vorteil für Palbociclib + Fulvestrant: 9,2 vs. 3,8 Monate. Wegen dieses großen Vorteils wurde die Studie vorzeitig gestoppt. Beim Gesamtüberleben zeigten sich keine Unterschiede. Bei der Lebensqualität und Morbidität gab es Vor- und Nachteile. Bei der Arzneimittelsicherheit zeigten sich auch hier Nachteile. Da Fulvestrant bei vorbehandelten Frauen in der Praxis unabhängig von der Vortherapie (Zulassung nach einer antiöstrogenen Therapie) und dem Menopausenstatus vor der Standardtherapie mit GnRH-Analoga oder anderweitiger ovarieller Ablation empfohlen und eingesetzt wird, hat der Gemeinsame Bundesausschuss Fulvestrant als Komparator berücksichtigt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss kam zu dem Ergebnis, dass der Zusatznutzen in den Anwendungsgebieten a1, b1 und b2 nicht belegt ist. Gründe hierfür sind die verbliebenen Unsicherheiten insbesondere zur Auswirkung der Vorteile beim PFS sowie der Nachteile bei der Arzneimittelsicherheit auf das Gesamtüberleben, wodurch eine Abwägung zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung erschwert war. Es wäre potentiell sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil möglich. Für das Anwendungsgebiet a2 wurden keine geeigneten Daten vorgelegt, weshalb der Zusatznutzen nicht belegt ist.

Der Beschluss ist bezogen auf das Anwendungsgebiet a1 bis März 2019 und bezogen auf das Anwendungsgebiet b bis Oktober 2018 befristet. Bis dahin sollen bewertbare Daten aus den Studien PALOMA-2 und PALOMA-3 zum Gesamtüberleben vorliegen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Palbociclib soll durch in der Therapie von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.