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Reden

KBV-Versichertenbefragung: Präsentation der Ergebnisse

Statements des KBV-Vorstands

Statement Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Ergebnisse der diesjährigen Versichertenbefragung und der Fokusgruppen weisen auf ein Thema hin, das für uns seit geraumer Zeit im Fokus steht: die Inanspruchnahme des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes und der Notfallambulanzen an den Krankenhäusern.

Die Zahlen sind natürlich nicht befriedigend. Wenn fast die Hälfte der Befragten zu sprechstundenfreien Zeiten automatisch in die Krankenhausambulanzen strömt und knapp 70 Prozent die bundesweite Rufnummer 116117 nicht kennen oder nicht richtig memorieren, dann weist das auf ein strukturelles Problem hin.

Dieser Herausforderung widmen wir uns als KV-System seit Jahren. Es kommt uns darauf an, die Systeme so aufeinander abzustimmen, dass wir keine unnötigen Doppel- oder Dreifachstrukturen unterhalten. Denn das können wir uns auf Dauer nicht leisten. Ich stelle in diesem Zusammenhang fest, dass die Diskussion über dieses Phänomen sowohl in der Politik als auch in den Medien mittlerweile differenzierter geführt wird. Denn das Thema ist komplex und lässt sich nicht mit Hauruck-Methoden lösen.

Für uns als KBV bedeutet das, den eingeschlagenen Weg stringent weiterzuverfolgen. Das heißt, die 116117 weiter bekannt zu machen und zu bewerben. Und die Patienten soweit aufzufangen, dass ihnen klar kommuniziert wird, welche die richtigen Wege zur Versorgung in ihrer spezifischen Situation sind. Und schließlich in Kooperation mit den Kliniken geeignete Wege zu finden, wie der vertragsärztliche Bereitschaftsdienst und das Notfallsystem besser zusammenarbeiten können.

Die Versichertenbefragung und die Fokusgruppen liefern auch wichtige Erkenntnisse über die Nutzung des Internets bei Gesundheitsfragen. Der Weg über eine Suchmaschine ist für viele Menschen heute selbstverständlich.

Deshalb wollen wir hier ansetzen und die Website der 116117 deutlich ausbauen und dort über die Möglichkeiten informieren, außerhalb der Sprechstundenzeiten Hilfe zu bekommen.

Abschließend möchte ich herausheben, das in punkto Wartezeiten die Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten deutlich abgenommen haben. Von einem Gerechtigkeitsproblem kann also keine Rede sein.

Generell zeigen die beiden Befragungen auch in diesem Jahr, dass die Versicherten mit der Gesundheitsversorgung in Deutschland sehr zufrieden sind und ihren Ärzten und Psychotherapeuten ein großes Vertrauen entgegenbringen. Das ist eine Anerkennung, die uns freut und anspornt.

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort.)

 

Statement Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Stephan Hofmeister

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte an die Bemerkung von Dr. Gassen zur Internetnutzung anschließen. Denn in den beiden Befragungen wird deutlich, dass die Versicherten es durchaus gewohnt sind, sich über das Internet zu Gesundheitsfragen zu informieren.

Das ist auf der einen Seite eine gute Entwicklung, denn ein informierter Patient kann häufig schneller genesen als ein nichtinformierter. Problematisch wird es, wenn aus einer Informiertheit eine Scheingewissheit wird. Denn dann kann schnell eine falsche Erwartung an den Arzt entstehen, die nicht mit der Realität korrespondiert.

Die Realität ist aber im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung eine, die durch das SGB V definiert wird. Danach sind die vertragsärztlichen Leistungen zwingend nach dem Prinzip wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig anzulegen. Oder – um es deutlicher zusagen: Nicht alles, was es gibt, ist auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlbar. Deshalb warnen wir Ärzte davor, wahllos im Internet nach Symptomen oder Therapien zu suchen. Dann haben Sie nämlich alles – oder nichts.

Informationen aus dem Netz sind gut, aber es müssen seriöse sein. Die KBV beteiligt sich deswegen auch an der Allianz für Gesundheitskompetenz, die vom Bundesministerium für Gesundheit kürzlich ins Leben gerufen wurde.

Darüber hinaus planen wir, eigene und gut aufbereitete Informationen im Internet bereitzustellen, die beispielsweise auch über die KBV-Themen-Website der 116117 abrufbar sein könnten.
In diesem Zusammenhang sind auch die Ergebnisse der Befragungen interessant, die die Arzt-Patienten-Kommunikation in den Fokus nehmen.

Der Anteil derjenigen Patienten, die vom Arzt keine oder nur ungenügende Erklärungen bekommen, ist verschwindend gering. Hieran wird noch einmal besonders die Bedeutung der sprechenden Medizin deutlich. Dazu gehören auch Empfehlungen, wie der Patient selbst an seinem Heilungsprozess mitwirken kann und wie er einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs vorbeugen kann.

Aus diesen beiden Phänomenen lässt sich folgendes schließen: Ja, es ist gut, wenn sich die Patienten im Internet über ihre Krankheit informieren. Diese Informationen sollten sie dann – bezogen auf ihren speziellen Fall – gemeinsam mit ihrem Arzt einordnen und vertiefen.

Vielen Dank.
(Es gilt das gesprochene Wort.)

 

Statement Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte noch einige Worte zur Nutzung von Apps sagen. Die Ergebnisse sowohl der Versichertenbefragung als auch der Fokusgruppen zeigen einen klaren Trend hin zur Nutzung von Gesundheitsapps beziehungsweise von Apps zur Verlaufskontrolle von chronischen Krankheiten.

Zwar nutzen durchschnittlich nur 18 Prozent derjenigen, die ein Smartphone nutzen, auch Gesundheitsapps, aber in der jüngeren Generation tun dies deutlich mehr. Genauso Personen mit eher schlechtem Gesundheitszustand oder chronischen Krankheiten.

Auch wird deutlich, dass Chroniker den Möglichkeiten von Apps und Vernetzung weitaus aufgeschlossener gegenüberstehen als andere. Das weist daraufhin, dass diese Anwendungen einen gewissen Mehrwert haben, der über ein bloßes Lifestyle-Moment hinausgeht.

Die Verlässlichkeit von Informationen und Ratschlägen per Internet und Apps haben meine Kollegen schon kommentiert. In diesem Zusammenhang ist die verbreitete Zustimmung der Befragten zu Gütesiegeln für Apps bemerkenswert. 60 Prozent halten sie für sinnvoll.

Das korrespondiert mit der Forderung der KBV, dass Gesundheitsapps und Apps zur Überwachung von Vitaldaten einer geregelten Prüfung unterliegen und mit entsprechenden Bewertungen versehen sein sollten. Wir finden, dass dabei die Sicherheit der Patientendaten eine große Rolle spielen muss.

Einmal ganz davon abgesehen, dass die meisten kostenlosen Apps im Hintergrund auch Daten über den Nutzer sammeln und an Server weiterleiten, die mit dem eigentlichen Zweck der App oft nichts zu tun haben. Entscheidend ist aber auch die Zuverlässigkeit von per Apps gegebenen Handlungsempfehlungen. Wenn ein Patient jede Woche bei seinem Hausarzt aufschlägt, weil eine App ihn dazu auffordert, dann wird es schnell kontraproduktiv.

Insofern halten wir die Digitalisierung im Gesundheitsbereich für eine Chance zu einer verbesserten Versorgung, sehen aber auch die Notwenigkeit, die Patienten für die Nutzung dieser Anwendungen zu sensibilisieren. Das sollte auch die Aufgabe der KVen und der KBV sein.

Wir gehen das an, indem wir unsere eigenen Apps – wie die Bundesarztsuche – weiterentwickeln und an die Patientenbedürfnisse anpassen. Wir werden aber auch unsere Bemühungen verstärken, eine Notfall-App auf den Weg zu bringen. Die soll später mit der 116117 verbunden werden und ein zentraler Wegweiser für die Patienten sein, um die richtige Versorgungsebene ansteuern zu können.

Seriöse Informationen und Hilfe aus erster Hand sind die besten Mittel, den Bedürfnissen der Patienten entgegenzukommen.

Vielen Dank.
(Es gilt das gesprochene Wort.)