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E-Health für alle: die elektronische Patientenakte

Diskussionsforum der KBV: „Die elektronische Patientenakte ist das Herzstück der Digitalisierung.“

Das E-Health-Gesetz sieht die Einführung der elektronischen Patientenakte vor. Wie könnte solch eine Akte aussehen? Welchen Nutzen wird sie für das Gesundheitswesen bringen? Diese und andere Fragen wurden am 4. Oktober im Zuge des von der KBV veranstalteten „Diskussionsforums Digitalisierung“ diskutiert. Das Thema „E-Health für alle: die elektronische Patientenakte“ lockte über 140 interessierte Besucher an.

In einer kurzen Begrüßungsrede ging Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, auf die elektronische Patientenakte (ePA) ein. Sie könne seines Erachtens mit einem „sektorenübergreifenden, sicheren Austausch von Gesundheitsdaten das Herzstück der Digitalisierung“ sein. Allerdings warnte Gassen im selben Atemzug: „Das Gebaren am Markt lässt die Kriterien der Marktwirtschaft in ganz neuem Licht erschienen. Digitale Produkte müssen interoperabel, aufwandsneutral und für die Versorgung nutzbar sein.“

Programm

Programm

14:00 Uhr Begrüssung
Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)

14:15 Uhr Grußwort des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)
Oliver Schenk, Leiter Abt. G, Grundsatzfragen, Gesundheitspolitik, Telematik

14:30 Uhr Impulsreferat
Dr. Thomas Kriedel, KBV

15:00 Uhr Vortrag der Techniker Krankenkasse (TK); ePA-Beispiel
Klaus Rupp, Leiter Fachbereich Versorgungsmanagement

15:30 Uhr Vortrag der AOK Nordost; ePA-Beispiel
Christian Klose, Chief Digital Officer

16:00 Uhr Diskussionsrunde
Dr. Stefan Bales (Ministerialrat Referat G T2, BMG), Dr. med. Hans-Jürgen Beck-mann (niedergelassener Chirurg), Dr. Thomas Kriedel (KBV), Klaus Rupp (TK) und Christian Klose (AOK Nordost)

17:00 Uhr Schlusswort
Dr. Thomas Kriedel, KBV

Moderation: Gerhard Schröder, Deutschlandfunk

ePA: Knackpunkt sichere Datenübertragung


Oliver Schenk, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen, Gesundheitspolitik und Telematik des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) stellte klar, dass die künftige neue Regierung großes Interesse an der Einführung der elektronischen Patientenakte habe. Schließlich stehe diese seit über zehn Jahren im Sozialgesetzbuch. Grund dafür, dass das Vorhaben bisher noch nicht vorangekommen ist, sei lediglich die fehlende Möglichkeit der sicheren Datenübertragung im Gesundheitswesen. Das E-Health-Gesetz habe diesem Thema seit Dezember 2015 eine neue Dynamik verliehen. „Dass wir nicht vorangekommen sind, liegt weniger an der Selbstverwaltung als an der beteiligten Industrie“, betonte Schenk. Besonders wichtig für die ePA sei fer-ner, dass der Patient selbst entscheidet, welche Daten darin eingesehen werden können. „Fortschreitungsbedarf“ sieht Schenk nicht nur beim Datenschutz, sondern auch bei den Anforderungen der Versicherten und in Finanzierungsfragen.

″Dass wir nicht vorangekommen sind, liegt weniger an der Selbstverwaltung als an der beteiligten Industrie.″ Oliver Schenk (BMG)
  • Zum Diskussionsforum Digitalisierung hatte sich eine Vielzahl interessierter Besucher eingefunden. (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

    Zum Diskussionsforum Digitalisierung hatte sich eine Vielzahl interessierter Besucher eingefunden. (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

  • Oliver Schenk, Leiter Abt. Telematik des BMG: "Die ePA ist die Königsdisziplin im E-Health-Bereich." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

    Oliver Schenk, Leiter Abt. Telematik des BMG: "Die ePA ist die Königsdisziplin im E-Health-Bereich." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

  • KBV-Chef Gassen: "Die elektronische Patientenakte kann das Herzstück der Digitalisierung sein." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

    KBV-Chef Gassen: "Die elektronische Patientenakte kann das Herzstück der Digitalisierung sein." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

  • Kriedel beendete die Diskussion mit den Worten: "Versorgungsrelevanz ist das Mantra von heute." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

    Kriedel beendete die Diskussion mit den Worten: "Versorgungsrelevanz ist das Mantra von heute." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

  • Diskussionsteilnehmer von Links nach Rechts: niedergelassener Chirurg Dr. Hans-Jürgen Beckmann, Dr. Stefan Bales (BMG), Moderator Gerhard Schröder, Dr. Thomas Kriedel (KBV), Klaus Rupp (TK) und Christian Klose (AOK Nordost) (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

    Diskussionsteilnehmer von Links nach Rechts: niedergelassener Chirurg Dr. Hans-Jürgen Beckmann, Dr. Stefan Bales (BMG), Moderator Gerhard Schröder, Dr. Thomas Kriedel (KBV), Klaus Rupp (TK) und Christian Klose (AOK Nordost) (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

  • KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel zur elektronischen Patientenakte: "Die KBV begrüßt die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wir werden dieses Mammutprojekt nicht alleine stemmen können." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

    KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel zur elektronischen Patientenakte: "Die KBV begrüßt die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wir werden dieses Mammutprojekt nicht alleine stemmen können." (Bild: Nicolas Ebert / KBV)

KBV will eine "nutzbringende Digitalisierung"


KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel knüpfte mit einem Impulsreferat zur elektronischen Patientenakte an diese Rede an und bemerkte: „Wir bekommen vom Gesetzgeber Vorschläge, die die Versorgung verbessern sollen. Nicht immer waren diese Vorschläge realistisch umsetzbar, aber das hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert.“ Kriedel räumte mit Vorurteilen auf, die besagen, dass die KBV die Digitalisierung in den vergangen Jahren ausgebremst hätte. „Wir waren nie gegen die Digitalisierung an sich, sondern nur gegen eine Digitalisierung, die niemandem etwas nützt. Die KBV bekennt sich zu einer sicheren, aufwandsarmen und nutzbringenden Digitalisierung.“ Dazu gehören der Ausbau der TI und die Einbringung zahlreicher medizinischer Anwendungen in die TI. Es dürfe jedoch für Ärzte kein weiterer bürokratischer Aufwand entstehen. „Ärzte stöhnen unter der Last der Bürokratie. Wir wollen sie entlasten!“, betonte Kriedel.

An die Politik richtete er die klare Ansage: „Wenn uns durch das E-Health-Gesetz Sanktionen drohen, muss der Gesetzesgeber uns entsprechende Mittel an die Hand geben, damit wir unsere Aufgaben umsetzen können." Ziel der KBV sei es, die elektronische Patientenakte bis Ende des Jahres 2018 einzuführen.

″Wenn uns durch das E-Health-Gesetz Sanktionen drohen, muss der Gesetzesgeber uns entsprechende Mittel an die Hand geben, damit wir unsere Aufgaben umsetzen können.″ Dr. Thomas Kriedel (KBV)

Anregungen von der Kassenseite


Im Folgenden stellten zwei Vertreter verschiedener Krankenkassenarten ihre Version einer elektronischen Gesundheitsakte vor. Die elektronische Gesundheitsakte ist im Gegensatz zur ePA nicht gesetzlich vorgeschrieben und ist somit ein freiwilliges „Konkurrenzprojekt“ der Kassen, das jedoch interessante Ansätze enthält. Klaus Rupp von der Techniker Krankenkasse und Christian Klose von der AOK Nordost stellten zunächst ihre jeweilige Variante einer eGA vor. Im Anschluss zeigte René Waschau, Leiter der Abteilung Entwicklung im Dezernat 6 der KBV, an einem Beispiel die Anforderungen an die Interoperabilität der elektronischen Patientenakte.

Alle Lösungen hatten eines gemeinsam: Die Forderung, dass der Patient Herr seiner Daten bleiben soll. „Es soll einen sicheren Hafen für Gesundheitsdaten geben. Transparenz macht möglich, dass man eine einheitliche Patientenhistorie aufnehmen kann“, so Rupp. Bestehende E-Health Lösungen aus der Schweiz und Österreich (wie zum Beispiel Medgate und ELGA) seien nicht auf Deutschland übertragbar, weil hierzulande strengere Datenschutzgesetze gelten.

″Es soll einen sicheren Hafen für Gesundheitsdaten geben.″ Klaus Rupp (TK)

Fragen bei Datenschutz und Honorar


Die Datenschutz-Problematik war auch ein zentraler Punkt der anschließenden Diskussionsrunde. Aus dem Publikum äußerten Ärzte Bedenken. Ein Arzt könne sich nicht sicher sein, dass die medizinischen Daten, die der Patient ihm zur Verfügung stellt, vollständig sind. Schließlich hätte der Patient die Freiheit, bestimmte Vorerkrankungen zu verschweigen. Die Diskussionsteilnehmer waren sich darüber einig, dass es für die Telematik-Infrastruktur und die elektronische Patientenakte zunächst einheitliche technische Standards geben müsse und dass man sich anschließend auf einheitliche medizinische Standards für die dort gespeicherten Information zu verständigen habe. Dr. Stefan Bales, Ministerialrat im Gesundheitsministerium, erinnerte: „Es ist unsere Aufgabe, die Rahmenbedingungen für einheitliche Standards zu setzen. Das haben wir mit dem E-Health-Gesetz gemacht, seine Umsetzung beginnt in diesem Jahr.“

Auch die Frage nach der Vergütung digitaler Anwendungen wurde in den Raum gestellt. Darauf antwortete Dr. Kriedel: „Das Honorar muss aufwandsgerecht ausgezahlt werden. Wir wollen natürlich nicht, dass Honorar gezahlt wird für Dinge, die niemandem etwas nützen.“ Im Schlusswort ergänzte Kriedel: „Versorgungsrelevanz ist das Mantra von heute, das muss nun umgesetzt werden.“