Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Veranstaltungen

KBV kontrovers - Dr. Algorithmus: Arzt unseres Vertrauens?

Kontroverse Mittagspause am 21. November 2017 in der KBV

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen stand im Mittelpunkt eines politischen Streitgesprächs unter dem Titel „Dr. Algorithmus: Arzt unseres Vertrauens?“, zu dem die KBV am Dienstag in Berlin eingeladen hatte.

Unter der Moderation von Philipp Grätzel von Grätz (E-Health-Journalist) beschrieben in der bereits traditionellen „kontroversen Mittagspause“

  • Dr. Thomas Kriedel, KBV-Vorstandsmitglied und
  • Prof. Dr. Klaus Juffernbruch, Vorsitzende der Expertengruppe „Intelligente Gesundheitsnetze“ des Digital-Gipfels der Bundesregierung

gemeinsame und kontroverse Ansichten zur Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Dabei ging es vor allem um Möglichkeiten, aber auch um Grenzen der Digitalisierung sowie um die Bedeutung des Arzt-Patienten-Kontakts in diesem Zusammenhang.

  • Dr. Thomas Kriedel: Ärzte sind nicht innovationsfeindlich - es geht letztlich darum, dass Patienten sichere Behandlungen und Medikamente erhalten. Foto: Kahl/KBV

    Dr. Thomas Kriedel: Ärzte sind nicht innovationsfeindlich - es geht letztlich darum, dass Patienten sichere Behandlungen und Medikamente erhalten. Foto: Kahl/KBV

  • Prof. Dr. Klaus Juffernbruch: "Ärzte sollen digitale Kriterien festlegen - damit nicht die Industrie Algorithmen einseitig definiert." Foto: Kahl/KBV

    Prof. Dr. Klaus Juffernbruch: "Ärzte sollen digitale Kriterien festlegen - damit nicht die Industrie Algorithmen einseitig definiert." Foto: Kahl/KBV

  • "Es gibt kaum jemanden, der sich nicht vom Thema KI faszinieren lässt“, so Moderator Philipp Grätzel von Grätz. Foto: Kahl/KBV

    "Es gibt kaum jemanden, der sich nicht vom Thema KI faszinieren lässt“, so Moderator Philipp Grätzel von Grätz. Foto: Kahl/KBV

  • Dr. Thomas Kriedel: "KI und Apps unterstützen den Arzt höchstens, ersetzen ihn aber nicht." Foto: Kahl/KBV

    Dr. Thomas Kriedel: "KI und Apps unterstützen den Arzt höchstens, ersetzen ihn aber nicht." Foto: Kahl/KBV

  • Gut besucht: die Kontroverse Mittagspause bei der KBV. Foto: Kahl/KBV

    Gut besucht: die Kontroverse Mittagspause bei der KBV. Foto: Kahl/KBV

  • Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, sprach das Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung. Foto: Kahl/KBV

    Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, sprach das Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung. Foto: Kahl/KBV

Grundsätzlich einig waren sich die Gesprächspartner, dass Apps und Algorithmen unterstützen und helfen, aber den Arzt-Patienten-Kontakt nicht ersetzen können. Zudem müssten die digitalen Techniken qualitätsgesichert sein.

Unterschiedliche Ansichten gab es hinsichtlich des Zeitfensters, in dem digitale Techniken etabliert werden sollen. In Deutschland neige man dazu, „erstmal zu verhindern“, kritisierte Juffernbruch.

Angesichts der herrschenden Ärzteknappheit wäre es positiv, wenn durch den Einsatz von intelligenten Algorithmen Zeit eingespart werde, betonte der Mediziner und Informatiker. Diese könne der Arzt dann „für die Behandlung von mehr Patienten oder auch für mehr menschliche Zuneigung verwenden“.

Als Unterstützung und Hilfe sieht auch Kriedel digitale Techniken. Für ihn steht aber die Verlässlichkeit im Vordergrund. „Wir sind verpflichtet, uns an gewisse Normen zu halten“, betonte er. Der Nutzennachweis sei notwendig. Zudem stellten sich Haftungsfragen.

Die Ärzte seien nicht innovationsfeindlich, aber digitale Techniken können immer nur unterstützen und beschleunigen, fügte der KBV-Vorstand hinzu. Die Endverantwortung müsse immer der Arzt haben.

Grußwort Dr. Andreas Gassen

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen in der KBV zur Kontroversen Mittagspause, einem schon gar nicht mehr so neuen Format, mit dem wir Reizthemen der Gesundheitspolitik pointiert diskutieren wollen. Heute steht die Digitalisierung des Gesundheitswesens im Fokus unseres Interesses.

„Digitalisierung“… bei diesem Schlagwort bekommen die einen ein Leuchten in den Augen, das an den kalifornischen Goldrausch von 1850 erinnern lässt. Bei anderen erscheinen Zornesfalten auf der Stirn, die einen Weltuntergang vermuten lassen.

Weiterhin geht es manchen zu langsam voran, den anderen zu schnell. Es werden enorme Sparpotentiale in die Waagschale geworfen und genauso zu erwartende hohe Kosten und Aufwände.

Man könnte denken, dass alles sei dem üblichen Anpassungsprozess geschuldet, der mit der Einführung neuer Technologien einhergehe. Ich erinnere nur an das Aufkommen der Mobiltelefone – vor dreißig Jahren war kaum jemandem klar, dass sie einmal völlig selbstverständlich zum Alltag gehören werden.

Doch mit der Digitalisierung, sehr verehrte Damen und Herren, verhält es sich anders.

Wir haben es nicht nur mit einer neuen Technologie zu tun, die man mehr oder weniger kritisch beäugen kann, sondern mit einer… Zeitenwende.

So sagen es jedenfalls die bekannten Protagonisten, also all die Internetgurus, Technologie-Trendsetter und milliardenschweren High-Tech-Unternehmer. Die Digitalisierung ist in normalen Kategorien nicht zu beschreiben. Wenn überhaupt, dann müssten wir die Erfindung des Buchdrucks oder der Dampfmaschine als Vergleich heranziehen.

Ob dem wirklich so ist, wird sich vermutlich erst retrospektiv klären lassen. Sicher aber ist, dass wir eine aufregende technische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung erleben, die sich auch in erheblichem Maße auf die Gesundheitsversorgung erstreckt. Wie sehr, das wollen wir heute diskutieren.

Nur eine Bemerkung möchte ich noch kurz vorausschicken:

Wir Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind neugierig und interessiert, was neue Technologien betrifft. In nicht wenigen Dingen gehören wir zu den berühmten early adopters. Und dennoch haben wir bei der Digitalisierung im Gesundheitsbereich und beim postulierten Dr. Algorithmus einige Fragezeichen.

Diese aufzulösen hilft uns hoffentlich diese kontroverse Mittagspause, für die wir den Kollegen und E-Health-Journalisten Philipp Grätzel von Grätz als Moderator gewinnen konnten. Lieber Herr Grätzel, Sie haben das Wort…

Die „Kontroverse Mittagspause“ ist eine Veranstaltungsreihe, zu der die KBV zweimal im Jahr Politiker und Vertreter der Gesundheitsbranche einlädt.