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Freiberuflichkeit und Selbstständigkeit - tragende Säulen der Gesundheitsversorgung

Was bedeutet Ihnen als Arzt die Freiberuflichkeit?

Ja, die Freiberuflichkeit ist natürlich die unabdingbare Grundlage unseres Berufs. Denn sie heißt, dass ich in meinem Beruf dem Wesen nach frei bin, das heißt ich treffe alle Entscheidungen, die ich beruflich treffe ausschließlich nach bestem Wissen und Gewissen und nach meiner Fachkenntnis. Frei von Beeinflussung Dritter im Idealzustand und auch frei von Beeinflussung durch äußere Umstände und das ist natürlich ein Ziel der Arzt-Patient-Interaktion, die ein hohes Gut ist.

Wie sieht diese Beeinflussung aus?
Das kann Druck durch den Patienten sein, das kann Druck durch das Sozialversicherungssystem sein, das kann geldlicher Druck sein, das kann Beeinflussung durch Lobbyisten sein. Also es gibt mannigfaltige Versuche natürlich einzuwirken und der Arzt soll und muss idealerweise eben immer sagen können: Ich kann mich davon frei machen. Ich bin nur meinem Wissen und meinem Gewissen verpflichtet.

Gilt das allein für Ärzte mit eigener Praxis?
Nein, die Freiberuflichkeit für die Ärzte gilt für alle Ärzte: für Ärzte, die niedergelassen sind, die selbstständig niedergelassen sind, und für Ärzte, die im Krankenhaus arbeiten. Gilt aber auch für zum Beispiel Juristen oder Architekten. Es gibt also weitere freie Berufe, die auch ein solches System hinterlegt haben, die also eigentlich auch nur ihrem Gewissen und ihrer Fachkenntnis verpflichtet sind. Diesen Berufen ist gemein, dass sie eine Kammer haben, also eine eigene Gerichtsbarkeit, eine eigene Weiterbildungssystematik und dass sie Gebührenordnungen haben, die staatlich kontrolliert werden.

Was haben Patientinnen und Patienten vor?
Dadurch kann sich ein Patient oder eine Patientin darauf verlassen, dass der Arzt eben tatsächlich nach bestem Wissen und Gewissen sich um das Anliegen des Betroffenen kümmert und mit diesem gemeinsam auf Grundlage der ärztlichen Kunst eben Lösungen findet.

Ist die Freiberuflichkeit in Gefahr?
Also die Freiberuflichkeit hängt zum einen sehr stark davon ab, dass der Arzt tatsächlich wirtschaftlich frei arbeiten kann, das heißt also losgelöst von wirtschaftlichen Prozessen, wie zum Beispiel Regressforderungen oder Bedrohungen gegenüber seinem ärztlichen Tun. Er sollte auch weitgehend frei sein von Lobbyismusbeeinflussungen. Er muss eigentlich selbst organisiert sein, etwas was wir in Deutschland haben, die Selbstverwaltung. Auch die ist ein stückweit staatsfern, ganz bewusst so gewählt worden. All das sind Parameter, an denen zurzeit an der einen oder anderen Stelle gerüttelt wird und die eine deutliche Veränderung oder auch Verschlechterung bringen könnten.
Das Rütteln an der Selbstverwaltung als eine tatsächlich tragende Säule für unser System, für unser Gesundheitswesen, aber auch für die freiberuflich Arbeitenden und überwiegend ja auch nach wie vor selbstständig tätigen Ärzte, verändert natürlich die Parameter und wir haben im Sozialgesetzbuch, welches Regularien aufgibt, nach denen wir uns richten müssen, das ist auch richtig in einem solidarischen Versicherungswesen, dass es diese Kriterien der Wirtschaftlichkeit, der Angemessenheit gibt. Das hat der Arzt zu beachten bei der Behandlung des Patienten. Gleichzeitig ist er aber frei in seinem Beruf und muss und darf und soll frei medizinisch für den Patient eben idealtypisch entscheiden können.

Inwieweit könnte sich die Regierungsbildung hierauf auswirken?
Das ist noch sehr schwer abzuschätzen. Generell gab es in den letzten Jahren eine starke Tendenz der Politik dirigistisch einzugreifen und sozusagen durchzuregieren, Mikromanagement zu betreiben. Das wäre ein Zurücknehmen oder Zurückfordern der abgegebenen Aufgaben, der delegierten Aufgaben in die staatliche Hoheit, das heißt, dass geht in Richtung Staatsmedizin und das ist ein Weg den wir sehr kritisch sehen und für auf jeden Fall schlechter halten, als das, was wir derzeit haben.

Was kann die KBV dem entgegensetzen?
Wir haben glaube ich in letzter Zeit sehr deutlich bewiesen, dass wir zu einer konstruktiven Mitarbeit und Zuarbeit für die Politik fähig sind. Wir haben viele Angebote gemacht, wir sind es ja letztendlich, die Ärztinnen und Ärzte da draußen und die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die die Arbeit ja auch machen und die in der Regel auch am besten wissen, wie es zu machen ist, und wir sind bereit, wir sind zum Dialog bereit, wir haben Angebote gemacht, wir erwarten nun auch, dass man uns zuhört, mit uns spricht und uns auch machen lässt.

Zur Wahrung der Freiberuflichkeit - und auch der Selbstständigkeit?
Das ist entscheidend. Die Freiberuflichkeit gilt für alle approbierten Ärzte. Die Selbstständigkeit wiederum ist doch die tragende Säule unseres Gesundheitswesens, weil der selbstständige Arzt mit seinem persönlichen Vermögen, mit all seinem Wirken haftet und vor Ort ist und persönlich involviert ist in einer so engen und eindrucksvollen Weise, wie das in einer anderen Form nicht möglich ist und damit haben wir einen ganz, ganz starken Rückhalt für unsere ambulante Gesundheitsversorgung. Und auch das ist eine wesentliche Komponente, die Freiberuflichkeit ebenso auch wie die Selbstständigkeit, als tragende Säule.

Doch die Selbstständigkeit wirkt auf den Nachwuchs oft abschreckend...
Das ist auch ein Stück weit nachvollziehbar, das ist ein großer Schritt, allerdings ein Schritt in eine gute Zukunft, denn nachgewiesenermaßen sind selbstständige Ärzte durchaus erfolgreich und es ist ja auch nicht schlimm angestellt zu sein, das ist eine wertvolle Komponente unseres Systems, da kann man das auch erstmal kennenlernen, kann reinschnuppern und es ist wunderbar, dass es diese Wahlmöglichkeit gibt, aber ich betrachte einen Angestellten als zukünftigen Selbstständigen. Und insofern geht beides wunderbar nebeneinander aber die Selbstständigkeit an sich ist eben ein sehr, sehr hohes Gut sowohl, was die Verantwortlichkeit, als auch eben den Leistungsumfang angeht.

Die Freiberuflichkeit ist eine der tragenden Säulen des deutschen Gesundheitswesens. Neben der Selbstständigkeit. So jedenfalls sieht es Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Was das Besondere daran ist und warum beides unbedingt erhalten bleiben soll, erklärt er im Interview mit KV-on.

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