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Stand 08.12.2017

Reden

Bericht von Dr. Thomas Kriedel an die Vertreterversammlung

Rede des KBV-Vorstandsmitgliedes Dr. Thomas Kriedel am 8. Dezember 2017

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren,

durch die Reden zog sich das Thema Qualität als roter Faden. Manchmal explizit, manchmal implizit. Das zeigt, wie wichtig dieses Thema ist. Es wird der Schwerpunkt meines heutigen Berichtes sein. Außerdem werde ich auf den Stand des Rollouts der Telematikinfrastruktur und auf die Senkung der Bürokratiebelastung in den Praxen eingehen.

Mit der Diskussion um Qualität gehen politische Verteilungskämpfe einher, die existenzielle Themen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten betreffen. Wir befinden uns in einem Wettbewerb an der Schnittstelle zum stationären Sektor.

Die Kliniken drängen in den ambulanten Bereich und damit an die ambulanten Honorartöpfe. Die Politik wiederum fördert die Krankenhäuser auf eher unreflektierte Weise. Für viele Politiker ist die stationäre Versorgung häufig noch die Messlatte für eine gute Versorgung schlechthin. Das ist irrational, aber es ist so.

Ein besonders gern genutzter Hebel in diesem Verteilungskampf ist das Qualitätsargument. Denn es wird dem ambulanten Bereich nachgesagt, es gebe zu wenig Transparenz und es finde in ihm keine „richtige“ Qualitätssicherung statt. Dabei wird oft auf die Methode der externen stationären Qualitätssicherung verwiesen – mit ihrer vermeintlich exakten Messung der Ergebnisqualität.

Nun, wir alle wissen, dass das ein billiger Vorwurf ist. Schon allein deswegen, weil die Messung der Ergebnisqualität im ambulanten Bereich aus methodischen Gründen häufig nicht anwendbar ist. Und ganz ehrlich, ich bin es leid, ständig das Hohelied auf die stationäre Qualitätssicherung zu hören!

Die KBV hat im Januar 2016 das Positionspapier „Ambulante Versorgungsqualität“ vorgestellt. Es war eine Standortbestimmung und eine Analyse dessen, was in Sachen Qualität für den Vertragsarztbereich längst gängige Praxis war und ist – und er zeigte, worin wir uns vom stationären Bereich unterscheiden.

Dem folgte die Beauftragung eines Gutachtens an externe Experten, die mit dem IGES-Institut einen Blick von außen auf die Versorgungsqualität im KV-System geworfen haben. Dazu hatten wir ja schon einen ersten Workshop mit den KV-Vorständen. Das Gutachten wird im Januar veröffentlicht.

Seine Ergebnisse wollen wir dann im AK 5 beraten, also dem Arbeitskreis Qualitätssicherung und -förderung. Ich erwarte mir davon einige Handlungsempfehlungen für den künftigen Umgang mit dem Thema Qualität. Was aber ganz sicher nicht heißen kann, neue Bürokratie in die Welt zu setzen!

Die Rahmenbedingungen sind ja bekannt. Wir leben in Zeiten der demografischen Veränderung. Die Praxen versorgen immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen und es gibt mehr multimorbide Patienten bei gleichzeitig steigenden Gesundheitskosten. Die Vertragsärzte sind es, die die Patienten mit langen und komplizierten Verläufen betreuen und langjährige Kontakte zu ihnen und ihren Angehörigen haben. Das ist eine der Kernkompetenzen des ambulanten Bereiches!

Das KV-System hat Qualität immer als seine originäre Aufgabe verstanden. So wurde eine lange Reihe von Qualitätsinstrumenten in die Versorgung gebracht, manche auch auf freiwilliger Basis. Ich nenne nur Qualitätszirkel oder Peer Reviews. Die Qualitätssicherungsmaßnahmen werden nicht nur konsequent umgesetzt, sie ziehen auch Konsequenzen nach sind, wenn die Ergebnisse mal nicht so sind, wie sie sein sollten.

Wir brauchen auch den Sektorenvergleich nicht zu scheuen und haben nichts gegen eine vergleichbare sektorenübergreifende Qualitätssicherung.

So einleuchtend unsere Argumente sind, so wenig dringen wir bei Kassen und Politik damit durch. Im Gegenteil, die Politik verlagert immer mehr Aufgaben der QS in den G-BA. Man stellt die Objektivität und Wirksamkeit unserer QS infrage – obwohl doch die Kassen die vertragsärztlichen QS-Vereinbarungen gemeinsam mit uns beschließen!

Die entscheidenden Schlagworte sind deshalb für uns: Strukturqualität und Prozessqualität. Denn damit können die typischen Krankheitsbilder des ambulanten Bereiches sinnvoll abgebildet werden. Um all das zu zeigen, veröffentlichen wir unsere Qualitätsberichte – schon lange und sehr detailliert.

Und noch ein Fakt wird gerne übersehen: Ohne die nachgewiesene Kompetenz und Qualität darf ein Vertragsarzt gar nicht behandeln. Qualität ist dem KV-System inhärent!

Spielen wir also unsere Stärken aus! Ich freue mich auf die Diskussion zu dem Gutachten. Die konstruktiven Debatten bei dem eben erwähnten Workshop führen in genau die richtige Richtung.
Ich komme nun kurz zum Sachstand des Rollouts der Telematikinfrastruktur. Die KBV hatte noch auf die vollständigen Unterlagen der Bundesdruckerei warten müssen.

In dieser Woche lag nun alles vollständig vor und wir konnten die Sektorenzulassung der SMC-B-Karten, also des Praxisausweises, final vermelden. Damit liegt auch dieses Puzzleteil für die Ausstattung der Praxen mit den TI-Komponenten vor. Fast gleichzeitig hat die Fristverlängerung für die Einführung des Versichertenstammdatenmanagement den Bundesrat passiert. Wir haben nun bis Ende 2018 Zeit dafür.

Die Produktkette, die heute vorliegt, ist nur ein Angebot unter mehreren, wenn im kommenden Jahr weitere Anbieter auf den Markt treten. Deshalb wiederhole ich noch einmal unseren Hinweis: Die Mitglieder sollten einen kühlen Kopf bewahren und abwarten, wie sich der Markt entwickelt. Die Fristverlängerung gibt dafür Spielraum. Wir empfehlen, nur Verträge zu unterschreiben, die den Preis des jeweiligen Lieferquartals garantieren.

Ich bleibe noch kurz bei der Digitalisierung und weise auf die Vorarbeiten für ein E-Health-Gesetz II hin, die bereits unter der alten Regierung in Angriff genommen wurden. Das liegt in der Pipeline und ich bin mir sicher, dass es kommen wird, egal wie sich die neue Regierung zusammensetzt. Für uns wäre darin besonders wichtig, Eckpunkte für die elektronische Patientenakte festzulegen – und zwar mit einer einheitlichen technisch-semantischen Struktur für jede ePA.

Die TI sollte sinnvoll weiterentwickelt werden, wobei das KV-System bei Marktversagen auch als Anbieter von Lösungen im PVS-Bereich auftreten können sollte. Außerdem darf sich das Spiel mit den Fristen nicht wiederholen – schon gar nicht, wenn sie sanktionsbewehrt sind. Ein E-Health-Gesetz II wäre eine Chance, das Fernbehandlungsverbot zu lockern.

Das ist zwar der Zuständigkeitsbereich der Ärztekammern, aber klar ist, dass wir die Möglichkeiten der Telemedizin besser nutzen sollten – Herr Hofmeister hat eben in seinen Ausführungen zur Notfallversorgung darauf hingewiesen. Und schließlich sollte auch die Funktionalität der eGK um eine qualifizierte Signatur für die Versicherten erweitert werden.

Ich komme nun zum letzten Thema meines Berichtes, der Bürokratiebelastung in den Praxen. Die KBV hat im Oktober den neuen Bürokratieindex vorgestellt. Demnach sind die Belastungen durch bürokratische Vorgaben nach einem Rückgang um fünf Prozent im Jahr 2016, im Jahr 2017 wieder leicht angestiegen. Der Grund dafür sind steigende Fallzahlen, aber auch neue Vorgaben. Wir sehen daran, dass der Bürokratieabbau eben kein Selbstläufer ist.

Deshalb fordern wir weiterhin ein verbindliches Abbauziel für Bürokratieaufwände im Bereich der GKV und besonders der vertragsärztlichen Versorgung. Denkbar wären 25 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre, wie es die Bundesregierung schon einmal erfolgreich vorgemacht hat. Für den ambulanten Bereich würde das einen Gewinn von 13 Millionen Stunden pro Jahr bedeuten, die für die Patientenversorgung zur Verfügung stünden. Das entspricht etwa 5.000 Arztstellen!

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal meinen Satz sagen, den ich immer mal wieder bringe, den ich aber unverändert wichtig finde: Digitalisierung bedeutet nicht zwangsläufig Bürokratieabbau. Bürokratie ist unnütz, auch wenn sie digital ist!

Liebe Kollegen und Kolleginnen, Qualität und Digitalisierung sind Querschnittsthemen, die sich durch die gesamte Versorgung ziehen. Auf beide müssen wir unser Augenmerk richten. Wichtig dabei bleibt, dass die Qualitätsverantwortung bei den KVen und unseren Mitglieder liegt. Besinnen wir uns auf unsere Stärken und lassen wir uns nicht das Heft des Handelns aus der Hand nehmen!

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort.)