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Inotuzumab Ozogamicin

Handelsname: Besponsa®

Anwendungsgebiet:

  • Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Vorläufer-ALL (akuter lymphatischer Leukämie)*
  • Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer-ALL sollten eine vorhergehende erfolglose Behandlung mit mindestens einem Tyrosinkinase-Inhibitor aufweisen*

Pharmazeutischer Unternehmer: Pfizer Pharma

Beginn des Verfahrens: 15.07.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 18.01.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien geringer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Inotuzumab Ozogamicin ist zur Behandlung der ALL zugelassen und gehört damit zu den Arzneimitteln zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug). Der Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens anhand der Zulassungsstudien.

Inotuzumab Ozogamicin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und besteht aus einem gegen CD22 gerichteten monoklonalen IgG-Antikörper, der kovalent an das zytotoxische Antibiotikum Calicheamicin gebunden ist. Der Verlauf einer ALL ist rapide und die Sterblichkeit sehr hoch: Das mediane Gesamtüberleben nach Rezidiv beträgt nur ca. 3-5 Monate. Das Behandlungsziel ist eine komplette Remission mit einer anschließenden Stammzelltransplantation.

Die frühe Nutzenbewertung erfolgte anhand der offenen Phase-III-Studie B1931022 (INO-VATE ALL), in der bei für eine Salvage-Chemotherapie geeigneten Patienten Inotuzumab Ozagamicin mit einer vom Prüfarzt vor der Randomisierung gewählten Chemotherapie verglichen wurde. Patienten mit ausreichendem Ansprechen durften sich bei einer Spenderverfügbarkeit einer allogenen Stammzelltransplantation unterziehen.

Es zeigte sich ein signifikanter Überlebensvorteil für Inotuzumab Ozagamicin: Das mediane Überleben betrug 7,7 Monate gegenüber 6,2 Monate bei einer Chemotherapie. Weitere Vorteile gab es bei den schweren unerwünschten Ereignissen ≥ CTCAE-Grad 3 sowie bei der febrilen Neutropenie und bei Hospitalisierungen. Ein deutlicher Nachteil zeigte sich bei der venösen okklusiven Leberkrankheit (VOD) bzw. beim sinusoidalen Obstruktionssyndrom (SOS). Die Ergebnisse zur Morbidität und Lebensqualität wurden aufgrund der geringen und zwischen den Therapiearmen deutlich unterschiedlichen Rücklaufquoten nicht herangezogen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss kam zu dem Ergebnis, dass aufgrund des moderaten Überlebensvorteils und den trotz des Nachteils bei Lebererkrankungen überwiegenden Vorteilen bei der Arzneimittelsicherheit in der Gesamtschau ein geringer Zusatznutzen vorliegt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an die qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin darf nur durch in der Therapie von Patienten mit ALL erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.

Es sind die Hinweise zum klinischen Management einer Lebertoxizität einschließlich VOD/SOS zu beachten. Inotuzumab Ozogamicin erhöhte das Risiko für VOD/SOS bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer ALL im Vergleich zu Standard-Chemotherapeutika signifikant. Das höchste Risiko bestand bei Patienten unter einer anschließenden hämatopoetischen Stammzelltransplantation.

Vor Beginn einer Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin muss mithilfe einer validierten und sensitiven Untersuchung eine CD22-Positivität der ALL-Zellen > 0 % festgestellt werden.