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Cerliponase alfa

Handelsname: Brineura®

Anwendungsgebiet:

  • Behandlung der neuronalen Ceroid-Lipofuszinose Typ 2 (auch als Tripeptidyl-Peptidase-1-Mangel bezeichnet)*

Pharmazeutischer Unternehmer: BioMarin Deutschland

Beginn des Verfahrens: 01.07.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21.12.2017

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien  Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar 

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Die neuronale Ceroid-Lipofuszinose vom Typ 2 tritt im Alter zwischen zwei und vier Jahren auf und führt zu Krampfanfällen, zum Verlust der Sprache, der motorischen und kognitiven Funktionen und im weiteren Verlauf zum Verlust der Sehfähigkeit. Die Krankheit schreitet nach Auftreten der ersten Symptome rapide fort und führt zu einem vollständigen psychomotorischen Funktionsverlust im Alter von ca. sechs Jahren. Die Lebenserwartung beträgt 10 bis 15 Jahre. In Deutschland sind ca. 20 bis 40 Patienten betroffen.

Cerliponase alfa wird als erste zur Verfügung stehende Enzymersatztherapie alle zwei Wochen mittels einer intrazerebro-ventrikulären Infusion appliziert. Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) gilt der Zusatznutzen bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens.

Die Nutzenbewertung basierte auf der Studie 190-201 sowie auf Ergebnissen der supportiven Studien 190-202 und 190-901. Bei der Studie 190-201 handelt es sich um eine multizentrische, offene, einarmige Phase-I/II-Studie. Die Studie 190-202 ist die noch laufende Extensionsstudie der Studie 190-201, die voraussichtlich im Dezember 2020 enden wird. Der pharmazeutische Unternehmer hat die Ergebnisse der Zulassungsstudien 190-201/190-202 mit einer historischen Kontrolle unbehandelter Patienten aus dem DEM-CHILD-Register verglichen. Neben dem primären Endpunkt (Summenscore der adaptierten Hamburger-Skala „ML-Skala“) zur Erfassung der Wirksamkeit von Cerliponase alfa nach 12 Monaten wurden auch Daten zur Lebensqualität und Sicherheit erhoben. Vergleichende Registerdaten lagen nicht vor.

Gegenüber der historischen Kontrolle zeigte sich bei den mit Cerliponase alfa behandelten Patienten eine deutliche Verlangsamung der Krankheitsprogression. Die Lebensqualität hat sich unter der Behandlung mit Cerliponase alfa allerdings nicht verbessert. Bei einem Therapieerfolg, der sich über das Ausbleiben oder die Verlangsamung einer Krankheitsprogression definiert, ist dies jedoch auch kaum zu erwarten. Das Nebenwirkungsprofil erscheint im Hinblick auf die Schwere der Erkrankung akzeptabel.

Trotz des ausgeprägten Effekts bei der Morbidität hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Zusatznutzen von Cerliponase alfa als nicht quantifizierbar eingestuft. Hintergrund sind insbesondere die mit einer historischen Kontrolle einhergehenden methodischen Probleme, beispielsweise die retrospektive Erfassung von Baselinecharakteristika, die fehlende Randomisierung und die Nichtvergleichbarkeit der erhobenen Endpunkte.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Cerliponase alfa sowie die Verabreichung darf nur durch Ärzte erfolgen, die Erfahrung in der intrazerebroventrikulären Anwendung von Arzneimitteln haben.

Cerliponase alfa wurde unter „besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die EMA wird neue Informationen mindestens jährlich bewerten und die Fachinformation, falls erforderlich, aktualisieren.