Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Nusinersen

Handelsname: Spinraza®

Anwendungsgebiet: Behandlung der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie*

Pharmazeutischer Unternehmer: Biogen

Beginn des Verfahrens: 01.07.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21.12.2017

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Patienten mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie Typ 1
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Erheblicher Zusatznutzen
b) Patienten mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie Typ 2
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Beträchtlicher Zusatznutzen
c) Patienten mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie Typ 3
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Nicht quantifizierbarer Zusatznutzen
d) Patienten mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie Typ 4
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Nicht quantifizierbarer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Nusinersen ist zur Behandlung der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie zugelassen. Beim Typ I manifestieren sich bereits bei Säuglingen im Alter von < 6 Monaten Symptome; die Lebenserwartung ist deutlich eingeschränkt. Typ 2 tritt im Alter von > 6 Monaten auf; diese Kinder erreichen nie eine Gehfähigkeit. Typ 3 manifestiert sich zwischen einem Lebensalter von 1,5 und 10 Jahren bei Kindern, die zunächst das Gehen erlernen. Typ 4 tritt erst im Erwachsenenalter auf und hat insgesamt einen milden Verlauf. Je früher die Krankheit auftritt, desto beeinträchtigender ist ihr klinischer Verlauf.

Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) gilt der Zusatznutzen von Nusinersen bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens. Die Nutzenbewertung erfolgte anhand der pivotalen Studien ENDEAR und CHERISH. Bei ihnen handelt es sich um randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Phase-III-Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Nusinersen im Vergleich zu Best-Supportive-Care.

In die ENDEAR-Studie wurden 121 Säuglinge im Alter ≤ 7 Monaten eingeschlossen. Die Studie wurde nach der Interimsauswertung wegen sehr guter Ergebnisse nach 13 Monaten frühzeitig beendet. In der Nusinersen-Gruppe waren 16 % und in der Vergleichsgruppe 39 % der Patienten zum Zeitpunkt der Datenanalyse verstorben, was einer Verringerung des Risikos zu versterben um 63,3 % entspricht. Auch für den kombinierten Endpunkt Zeit bis zum Tod oder zur dauerhaften Beatmung zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Nusinersen. Im Bereich der Morbidität gab es einen Vorteil, der jedoch aufgrund einer nicht abgeschlossenen Validierung des Erhebungsinstruments in seiner Aussagekraft deutlich eingeschränkt war. Die Vorteile bezüglich der Nebenwirkungen waren ebenfalls mit Unsicherheiten behaftet.

In der CHERISH-Studie waren die Kinder im Durchschnitt ca. 3,5 Jahre alt. Es traten keine Todesfälle auf. Im Bereich der Morbidität wurden die motorischen Fähigkeiten mit Hilfe der validierten Hammersmith Functional Motor Scale Expanded gemessen. Hierbei zeigte sich ein statistisch signifikantes Ergebnis zugunsten von Nusinersen. Die Responderanalysen konnten bei fehlender Minimal important Difference zwar nicht herangezogen werden, da aber das Hedges’ g für die Veränderungen der Motorik im Vergleich zu Baseline vollständig oberhalb der Irrelevanzschwelle von 0,5 lag – was auf eine hohe Effektstärke hinweist – lässt sich ein relevanter Effekt ableiten. Darüber hinaus zeigte sich bei der Häufigkeit von krankheitsbedingten Hospitalisierungen ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Nusinersen. In der Kategorie unerwünschte Ereignisse traten keine statistisch signifikanten Unterschiede auf.

Für die spinale Muskelatrophie Typ I hat der G-BA einen erheblichen Zusatznutzen festgestellt und dies insbesondere mit dem Mortalitätsvorteil in der ENDEAR-Studie begründet. Für den Typ 2 wurde wegen des Vorteils bei der Morbidität in der CHERISH-Studie ein beträchtlicher Zusatznutzen konsentiert. Da im Rahmen der Studie keine separaten Auswertungen für Patienten mit dem Typ 3 durchgeführt wurden, wurde ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen festgelegt. Für Patienten mit dem Typ 4 lagen keine Daten vor, weshalb der Zusatznutzen ebenfalls nicht quantifizierbar ist.

Der Beschluss wurde bis Januar 2020 befristet, da die Ergebnisse einer weiteren, derzeit noch laufenden kontrollierten Studie erwartet werden.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Behandlung mit Nusinersen sollte nur von einem Arzt eingeleitet werden, der Erfahrung in der Behandlung der spinalen Muskelatrophie hat. Da Nusinersen zur intrathekalen Anwendung bestimmt ist, sollte die Behandlung nur durch Ärzte erfolgen, die Erfahrung in der Durchführung von Lumbalpunktionen haben.