Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Brodalumab

Handelsname: Kyntheum®

Anwendungsgebiet: Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen*

Pharmazeutischer Unternehmer: Leo Pharma

Beginn des Verfahrens: 01.09.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 01.03.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Patienten, die für eine systemische Therapie in Frage kommen
Fumarsäureester, Ciclosporin, Methotrexat, Phototherapie (NB1-UV-B, Photosoletherapie) oder Secukinumab Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Patienten, die auf andere systemische Therapien einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder orale PUVA2 nur unzureichend angesprochen haben oder bei denen eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegenüber solchen Therapien vorliegt
Adalimumab, Infliximab, Secukinumab oder Ustekinumab Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Für die Patientengruppe a) hatte der pharmazeutische Unternehmer keine direkt vergleichende Studie mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie identifiziert. Deshalb legte er einen adjustierten indirekten Vergleich anhand der Studien AMAGINE-1, AMAGINE-2 und AMAGINE-3 zu Brodalumab (über die Dauer von 12 Wochen) und einen anhand der Studie BRIDGE zu Fumarsäureester (über die Dauer von 16 Wochen) vor. Die Vergleiche waren aufgrund der zu kurzen Behandlungsdauer für die Nutzenbewertung jedoch nicht geeignet (als notwendig erachtet wird für Therapien zur Behandlung der Plaque Psoriasis eine Mindeststudiendauer von 24 Wochen). Vor diesem Hintergrund kam der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Brodalumab nicht belegt ist.

Für die Patientengruppe b) wurden die randomisierten, doppelblinden, multizentrischen Parallelgruppenstudien AMAGINE-2 und AMAGINE-3 vorgelegt. In die Studien wurden Erwachsene mit einer stabilen mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis eingeschlossen. Bei beiden Studien handelt es sich um mehrarmige Studien, in denen unterschiedliche Dosierungen von Brodalumab (Dosisfindung) und Ustekinumab und Placebo miteinander verglichen wurden. Als relevante Teilpopulationen wurden nur der Arm mit der zugelassenen Dosierung von 210 mg Brodalumab alle zwei Wochen (15 % der ursprünglich eingeschlossenen Patienten) sowie der Ustekinumab-Arm (51 % der ursprünglich eingeschlossenen Patienten) ausgewertet.

In der Meta-Analyse beider Studien zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Brodalumab hinsichtlich der Morbiditätsendpunkte PASI 100, PASI 90, PASI 75, PSI sowie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Bei den Nebenwirkungen zeigten sich weder Vor- noch Nachteile. Die Endpunkte sind als hochverzerrt zu betrachten. Hintergrund hierfür ist, dass der pharmazeutische Unternehmer einen großen Anteil an Patienten, die auf die Therapie nicht angesprochen haben, als Non-Responder gewertet hat (31 % der Patienten im Brodalumab-Arm und 51 % der Patienten im Ustekinumab-Arm). Vor diesem Hintergrund wurden Sensitivitätsanalysen durchgeführt. Diese ergaben nur noch für PASI 100 und PASI 90 statistisch signifikante Ergebnisse zugunsten von Brodalumab.

Für die Patientengruppe b) erkannte der G-BA einen Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Bei der Ersetzungsstrategie, die der pharmazeutische Unternehmer gewählt hat, ergab sich ein größtmöglicher Effekt, während die Sensitivitätsanalysen eine deutlich konservativere Abschätzung zur Folge hatten. Insgesamt lässt sich der Effekt damit nicht quantifizieren. Trotz Vorliegens zweier Studien wurde insgesamt nur ein Hinweis abgeleitet, da unter anderem die Zuordnung der Patienten zu den beiden Subgruppen nicht abschließend nachvollziehbar dargelegt wurde.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Bei Patienten, die nach 12 bis 16 Wochen auf die Behandlung nicht angesprochen haben, sollte ein Absetzen der Behandlung in Erwägung gezogen werden. Bei einigen Patienten mit anfänglich nur partiellem Ansprechen kann sich der Zustand Ihrer Erkrankung bei Fortsetzung der Behandlung über einen Zeitraum von 16 Wochen hinaus verbessern.