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Ledipasvir/Sofosbuvir

Handelsname: Harvoni®

Anwendungsgebiet: Behandlung der chronischen Hepatitis C bei Jugendlichen im Alter von 12 bis < 18 Jahren*

Pharmazeutischer Unternehmer: Gilead Sciences

Beginn des Verfahrens: 15.08.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.02.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Therapienaive Jugendliche, Genotypen 1, 4, 5 oder 6
Ribavirin plus Peginterferon alfa Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen
b) Therapienaive Jugendliche mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 3
Ribavirin plus Peginterferon alfa Zusatznutzen ist nicht belegt
c) Vorbehandelte Jugendliche, Genotypen 1, 4, 5 oder 6
Best-Supportive-Care** Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen
d) Vorbehandelte Jugendliche, Genotyp 3
Best-Supportive-Care** Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.

Zusammenfassung:

Ledipasvir/Sofosbuvir ist seit Dezember 2014 zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Hepatitis C (CHC) in Verkehr. Seit August 2017 kann die Fixkombination auch bei Jugendlichen im Alter von 12 bis < 18 Jahren eingesetzt werden. Für das erweiterte Anwendungsgebiet wurde ebenfalls eine Nutzenbewertung durchgeführt.

Der pharmazeutische Unternehmer reichte hierzu Daten der noch laufenden einarmigen Studie G337-1116 ein, in der therapienaive und -erfahrene Jugendliche mit CHC vom Genotyp 1 im Alter von 12 bis < 18 Jahren untersucht wurden. Die meisten Patienten wurden über eine vertikale Infektionsübertragung infiziert. Unter den therapienaiven Jugendlichen gab es einen Patienten mit einer kompensierten Leberzirrhose. Bei 45 % der therapienaiven und bei 60 % der therapieerfahrenen Jugendlichen war der Zirrhosestatus unbekannt. Alle Patienten erhielten 12 Wochen lang einmal täglich die Fixkombination aus 90 mg Ledipasvir und 400 mg Sofosbuvir.

Bei den therapienaiven Jugendlichen mit CHC vom Genotyp 1 (Patientengruppe a) erreichten 97,5 % ein SVR12 bzw. SVR24. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse traten nicht auf. In Anbetracht der kurzen und interferonfreien Therapie stellte der G-BA für diese Jugendlichen einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Ledipasvir/Sofosbuvir fest. Zu demselben Ergebnis kam er bei therapienaiven Jugendlichen mit CHC vom Genotyp 4, 5 oder 6. Hintergrund hierfür war eine Übertragbarkeit der Evidenz aus Erwachsenenstudien unter anderem aufgrund einer vergleichbaren Wirksamkeit und Sicherheit von Ledipasvir/Sofosbuvir und einem vergleichbaren Verlauf der Erkrankung und Heilungsraten bei Erwachsenen und Jugendlichen mit CHC vom Genotyp 1, 4, 5 oder 6.

Für therapienaive Jugendliche vom Genotyp 3 (Patientengruppe b) mit kompensierter Zirrhose war ein Evidenztransfer nicht möglich, da die Fachinformation für diese Patienten eine Therapiedauer von 24 Wochen mit Zugabe von Ribavirin empfiehlt. Außerdem wurde Ledipasvir/Sofosbuvir in den Leitlinien nicht für die Behandlung der CHC mit Genotyp 3 empfohlen. Daher konnte der G-BA für diese Patientengruppe keinen Zusatznutzen ableiten. Für vorbehandelte Jugendliche mit CHC vom Genotyp 1 (Patientengruppe c) leitete der G-BA einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen ab. Dieses Ergebnis gilt auch für vorbehandelte Jugendliche mit CHC vom Genotyp 4 bis 6, nachdem der G-BA auch hier einen Evidenztransfer von Erwachsenen auf Jugendliche vorgenommen hat.

Für vorbehandelte Jugendliche mit Genotyp 3 (Patientengruppe d) wurde dagegen mangels geeigneter Daten kein Zusatznutzen gesehen. Für therapienaive Jugendliche mit Genotyp 3 ohne Zirrhose wird in der Fachinformation keine Dosierungsempfehlung gegeben. Der G-BA hat deshalb für diese Patientengruppe keinen Beschluss gefasst.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Behandlung mit Ledipasvir/Sofosbuvir soll nur von einem Arzt durchgeführt werden, der Erfahrung in der Behandlung der chronischen Hepatitis C hat.