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Osimertinib

Dieser Beschluss ist nicht mehr gültig. Er wurde durch den Beschluss des G-BA vom 19.10.2017 ersetzt.

Handelsname: Tagrisso®

Anwendungsgebiet:

  • Behandlung von Erwachsenen mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom und einer positiven T790M-Mutation des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR)*

Pharmazeutischer Unternehmer: AstraZeneca

Beginn des Verfahrens: 15.03.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.09.2016

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
1. Patienten nach Vorbehandlung mit einem EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor
a) Patienten, für die eine zytotoxische Chemotherapie infrage kommt
  • Chemotherapie nach Maßgabe des Arztes

oder ggf.

  • Best-Supportive-Care** für Patienten, die bereits eine Chemotherapie erhalten haben
Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Patienten, für die eine zytotoxische Chemotherapie nicht infrage kommt
  • Best-Supportive-Care
Zusatznutzen ist nicht belegt
2. Nicht vorbehandelte Patienten mit einer de novo positiven T790M-Mutation
  • Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen: Gefitinib, Erlotinib oder Afatinib
  • Patienten mit ECOG-Performance-Status 0, 1 oder 2:
    • Cisplatin in Kombination mit Drittgenerationszytostatikum*** oder
    • Carboplatin in Kombination mit Drittgenerationszytostatikum (nur für Patienten mit erhöhtem Risiko für Cisplatin-induzierte Nebenwirkungen)
  • Patienten mit ECOG-Performance-Status 2, alternativ zur platinbasierten Kombinationsbehandlung: Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin
Zusatznutzen ist nicht belegt
3. Patienten nach Vorbehandlung mit einer Platin-basierten Chemotherapie und einer de novo positiven T790M-Mutation
a) Patienten, für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Gefitinib oder Erlotinib angezeigt ist
  • Docetaxel oder Pemetrexed

oder

  • Gefitinib oder Erlotinib (nur für Patienten mit EGFR-Mutationen, die noch nicht mit Gefitinib oder Erlotinib vorbehandelt sind)
Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Patienten, für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Gefitinib oder Erlotinib nicht angezeigt ist
  • Best-Supportive-Care
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet. *** Vinorelbin, Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel oder Pemetrexed

Zusammenfassung:

Osimertinib ist ein selektiver, irreversibler EGFR-Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) und ist seit März 2016 zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms und einer positiven T790M-Mutation des EGFR-Rezeptors in Verkehr.

Unter einer Therapie mit EGFR-TKI der ersten und zweiten Generation (Erlotinib, Gefitinib und Afatinib) entwickeln Patienten mit EGFR-aktivierenden Mutationen meist nach etwa einem Jahr Resistenzen. Bei 50 bis 60 Prozent dieser Patienten wird eine T790M-Mutation in Tumorbiopsien festgestellt. Eine T790M-Mutation ist als ein zugrunde liegender Mechanismus für im Verlauf der Therapie auftretende Resistenzen bekannt (erworbene Resistenz). Daneben kann eine T790M-Mutation bereits vor einer EGFR-TKI-Therapie vorliegen. Die Prävalenz für eine solche De-novo-T790M-Mutation bei EGFR-TKI-naiven Patienten scheint dabei niedrig zu sein (ca. 1 bis 2 Prozent).

Osimertinib wurde auf Grundlage von zwei einarmigen Studien (AURAex und AURA2) zugelassen. Die ersten Ergebnisse zum Gesamtüberleben und zu weiteren Endpunkten aus einer vergleichenden Phase-III-Studie (AURA3) gegen eine platinbasierte Chemotherapie werden erst im Herbst 2016 erwartet. Da die Ergebnisse aus der AURA3-Studie zum Anwendungsgebiet (1a) zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung noch nicht vorlagen, legte der pharmazeutische Unternehmer historische Vergleiche mit Daten aus den einarmigen Zulassungsstudien AURAex und AURA2, einer aggregierten Auswertung aus den beiden Studien (AURApool) sowie weiteren Studien gegen Chemotherapie und Best Supportive Care vor, die aus Sicht des G-BA jedoch nicht geeignet waren, einen Zusatznutzen zu belegen. Im Anwendungsgebiet (1b) wurden keine Daten vorgelegt. Im Anwendungsgebiet (2) und (3) wurden nur einzelne Fälle beschrieben, jedoch kein Vergleich vorgelegt.

In der Gesamtschau kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Osimertinib ein Zusatznutzen in keiner der Subgruppen belegt ist. Der Beschluss wurde unter Verweis auf die ab Herbst voraussichtlich verfügbaren Ergebnisse aus der direkt vergleichenden AURA3-Studie bis Ende Juni 2017 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Osimertinib sollte nur durch in der Therapie von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie oder Fachärzte für Lungenheilkunde und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Wird die Anwendung von Osimertinib in Betracht gezogen, muss zunächst der EGFR-T790M-Mutationsstatus bestimmt werden. Der EGFR-T790M-Mutationsstatus muss mittels eines validierten Testverfahrens bestimmt werden. Dafür muss ein validierter Test durchgeführt werden, entweder unter Verwendung von Tumor-DNA aus einer Gewebeprobe stammend oder von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA), die aus einer Plasmaprobe gewonnen wurde. Nur robuste, zuverlässige und sensitive Tests mit erwiesener Eignung für die Bestimmung des T790M-Mutationsstatus von Tumor-DNA (aus einer Gewebe- oder Plasmaprobe) dürfen verwendet werden.

Die positive Bestimmung des T790M-Mutationsstatus mittels eines Gewebebasierten oder Plasmabasierten Tests zeigt die Eignung für eine Behandlung mit Osimertinib an. Wenn ein Plasmabasierter ctDNA-Test verwendet wird und das Ergebnis negativ ist, empfiehlt es sich jedoch, nach Möglichkeit die Testung mit einem Gewebebasierten Test anzuschließen, da die Anwendung eines Plasmabasierten Tests möglicherweise falsch-negative Ergebnisse ergibt.