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Niraparib

Handelsname: Zejula®

Anwendungsgebiet:

  • Monotherapie zur Erhaltungstherapie bei Frauen mit Rezidiv eines Platin-sensiblen, gering differenzierten serösen Karzinoms der Ovarien, der Tuben oder mit primärer Peritonealkarzinose, die sich nach einer Platinbasierten Chemotherapie in Remission (komplett oder partiell) befinden*

Pharmazeutischer Unternehmer: Tesaro Bio Germany

Beginn des Verfahrens: 15.12.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 07.06.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

In Deutschland erkranken jährlich ca. 7.500 Frauen an einem Ovarialkarzinom. Die Prognose ist schlecht: Nach fünf Jahren sind ca. 60 % aller Patientinnen verstorben. Niraparib ist nach Olaparib der zweite zugelassene orale Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP)-Inhibitor. PARP-Inhibitoren nutzen Defekte im DNA-Reparaturmechanismus, die u. a. aufgrund von BRCA1- und BRCA2-Mutationen entstehen können, als Angriffspunkt. Sie verhindern, dass u. a. durch Zytostatika induzierte DNS-Schäden durch PARP repariert werden, was in der Folge zum Zelltod führen soll.

Die Nutzenbewertung von Niraparib erfolgte auf Basis der Studie NOVA, einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie. Die Wirksamkeit und Sicherheit wurden in zwei unabhängigen Kohorten untersucht: gBRCAmut (germline breast cancer gene mutation = Keimbahnmutation) und non-gBRCAmut. Die Ergebnisse der NOVA-Studie wurden auch getrennt nach gBRCAmut-Kohorte (n = 201) und non-gBRCAmut-Kohorte (n = 345) ausgewertet; die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur erfolgte jedoch im Unterschied zu Olaparib auch für Patientinnen ohne BRCA-Keimbahnmutation. Die Studie war zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung noch nicht beendet.

Sehr große Vorteile unter Niraparib zeigten sich beim progressionsfreien Überleben: gBRCAmut-Kohorte 21 vs. 5,5 Monate, non-gBRCAmut-Kohorte 9,3 vs. 3,9 Monate. Dieser Endpunkt wurde jedoch nicht zur Bewertung herangezogen, da im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur Relevanz unterschiedliche Auffassungen bestanden. Beim Gesamtüberleben gab es keine signifikanten Unterschiede, allerdings waren die Daten unreif (je nach Kohorte sind nur ca. 10-20 % der Patientinnen verstorben). Zur Lebensqualität lagen keine geeigneten Daten vor.

Bei den Sicherheitsdaten zeigten sich deutliche Nachteile von Niraparib gegenüber Placebo bei Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse (gBRCAmut-Kohorte Niraparib im Vergleich zu Placebo 13,2 % vs. 1,5 % und non-gBRCAmut-Kohorte 15,6 % vs. 2,6 %), bei schweren unerwünschten Ereignissen CTCAE ≥ 3 (gBRCAmut-Kohorte 79,4 % vs. 21,5 % und non-gBRCAmut-Kohorte 71,0 % vs. 23,7 % sowie bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (gBRCAmut-Kohorte 30,9 % vs. 10,8 % und non-gBRCAmut-Kohorte 29,4 % vs. 17,4 %). Nachteile zeigten sich insbesondere bei den Nebenwirkungen Zytopenien und Fatigue. Diese Ergebnisse sind jedoch vor dem Hintergrund der fast doppelt so langen Therapiedauer unter Niraparib im Vergleich zu Placebo ebenfalls unsicher. Geeignete zeitadjustierte Auswertungen hatte der pharmazeutische Unternehmer nicht vorgelegt.

In der Gesamtschau sah der G-BA für Niraparib einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Aufgrund der ausstehenden Ergebnisse zum Gesamtüberleben aus der laufenden Studie wurde der Beschluss bis Oktober 2020 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Niraparib soll durch in der Therapie von Patienten mit Ovarialkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Gynäkologie und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.