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Dolutegravir

Handelsname: Tivicay®

Anwendungsgebiet: Behandlung von HIV bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab sechs Jahren in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln*

Pharmazeutischer Unternehmer: ViiV Healthcare

Beginn des Verfahrens: 01.04.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21.09.2017

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) nicht antiretroviral vorbehandelte HIV‐infizierte Kinder im Alter von mind. sechs bis < 12 Jahre
antiretrovirale Therapie aus zwei NRTI (Abacavir, Lamivudin, Emtricitabin oder Zidovudin) und einem NNRTI (Efavirenz oder Nevirapin) oder einem Proteaseinhibitor (Lopinavir, Atazanavir oder Darunavir, jeweils in Kombination mit Ritonavir) Zusatznutzen ist nicht belegt
b) antiretroviral vorbehandelte HIV‐infizierte Kinder im Alter von mind. sechs bis < 12 Jahre
individuelle antiretrovirale Therapie in Abhängigkeit der Vortherapie(n) und unter Berücksichtigung des Grundes für den Therapiewechsel, insbesondere Therapieversagen aufgrund eines virologischen Versagens und etwaig einhergehender Resistenzbildung oder aufgrund von Nebenwirkungen Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Dolutegravir ist in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung von HIV-Infektionen zugelassen. Zunächst beschränkte sich die Zulassung auf Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahre. Für bestimmte Patienten hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen Zusatznutzen festgestellt (Beschluss vom 07.08.2014).

Seit April 2017 kann Dolutegravir auch bei Kindern ab einem Alter von sechs Jahren angewendet werden. Bei der Nutzenbewertung wurde zwischen nicht antiretroviral vorbehandelten (therapienaiven) und antiretroviral vorbehandelten (therapieerfahrenen) Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren unterschieden. Für beide Patientengruppen hat der pharmazeutische Unternehmer keine relevanten Studien eingereicht; Daten zu therapienaiven Kindern lagen überhaupt nicht vor. Der pharmazeutische Unternehmer berief sich dabei auf das Zulassungsverfahren, in dem bei identischer Datenlage eine Extrapolation im Rahmen eines Paediatric Investigation Plan vorgenommen worden war. Er argumentierte, analog zur Zulassung sei ein Evidenztransfer aus einer Studie für Erwachsene (SAILING) auf eine kleine Open-label-Studie ohne Vergleichsarm mit vorbehandelten Kindern (IMPAACT) gerechtfertigt.

Der G-BA lehnte die Evidenzübertragung aus mehreren Gründen ab: Es handelt sich nicht um ein PUMA-Verfahren; Bewertungen für Erwachsene sind bereits vorhanden. Es liegen keine Daten zu therapienaiven Kindern in der relevanten Altersgruppe vor. Bei den untersuchten vorbehandelten Kindern (IMPAACT) ist eine deutlich höhere Ausgangsviruslast vorhanden als in der Erwachsenenstudie (SAILING). Die dokumentierte Rate an unerwünschten Ereignissen liegt in der Kinderstudie höher als in der Erwachsenenstudie. Zahlreiche Endpunkte, die potenziell für einen Vergleich geeignet wären, werden nicht dargestellt. Im Gegensatz dazu wird der geringe Zusatznutzen in der Studie der vorbehandelten Erwachsenen im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie größtenteils durch geringere unerwünschte Ereignisse, weniger schwere unerwünschte Ereignisse Grad 3-4 und weniger Erkrankungen des Nervensystems begründet. In der Studie zeigt ausschließlich die Subgruppe der über 50-Jährigen statistisch signifikante Vorteile.

Vor diesem Hintergrund kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Dolutegravir bei HIV-infizierten Kindern ab sechs Jahren nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Dolutegravir sollte nur durch in der Therapie von Patienten mit der HIV-Infektion erfahrene Fachärzte erfolgen.