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Sofosbuvir

Handelsname:

Keytruda®

Anwendungsgebiet:

Behandlung der chronischen Hepatitis C bei Jugendlichen im Alter von 12 bis < 18 Jahren*

Pharmazeutischer Unternehmer:

Gilead Sciences

Beginn des Verfahrens:

15.10.2017

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses:

05.04.2018

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
a) Therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotypen 2 oder 3
Ribavirin plus Peginterferon alfa Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen
b) Therapieerfahrene Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotypen 2 oder 3
Best-Supportive-Care** Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.  ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.

Zusammenfassung:

Sofosbuvir ist seit Februar 2014 in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (CHC) bei Erwachsenen in Verkehr. Seit Oktober 2017 ist Sofosbuvir in Kombination mit Ribavirin auch zur Behandlung von Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen.

Während für die Behandlung der CHC bei Jugendlichen mit Genotyp 1, 4, 5 und 6 die Fixkombination Ledipasvir/Sofosbuvir verfügbar ist, waren für die Behandlung von Jugendlichen mit Genotyp 2 oder 3 bislang noch keine DAA (directly acting antivirals), die eine effektive und interferonfreie CHC-Therapie ermöglichen, zugelassen. Die empfohlene Anwendungsdauer von Sofosbuvir plus Ribavirin liegt für Jugendliche mit Genotyp 2 bei 12 Wochen und für Jugendliche mit Genotyp 3 bei 24 Wochen.

Für die Nutzenbewertung reichte der pharmazeutische Unternehmer Daten der zu diesem Zeitpunkt noch laufenden einarmigen Studie G334-1112 ein, in die Patienten mit CHC vom Genotyp 2 oder 3 im Alter von 12 bis < 18 Jahren eingeschlossen wurden. Die für die Nutzenbewertung relevanten Teilpopulationen bestanden aus 41 therapienaiven (Genotyp 2 und 3) und neun therapieerfahrenen (nur Genotyp 3) Jugendlichen. Die meisten Patienten hatten sich bei Geburt oder über Bluttransfusionen infiziert. Daten für nicht adjustierte indirekte Vergleiche zu historischen Kontrollen lagen nicht vor.

Patientengruppe a

97,6 Prozent der therapienaiven Patienten mit Genotyp 2 oder 3 erreichten ein anhaltendes virologisches Ansprechen (SVR) 12 bzw. SVR24. Für Peginterferon alfa als zweckmäßige Vergleichstherapie (zVT) berichtete der pharmazeutische Unternehmer mit Verweis auf die S3-Leitlinie, dass über 90 Prozent der Jugendlichen mit Genotyp 2 oder 3 ein SVR erreicht haben.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) kam deshalb zu dem Ergebnis, dass sich für die Wirksamkeit von Sofosbuvir auf das SVR und hinsichtlich des Schadenspotentials aus der Studie G334-1112 kein Zusatznutzen ableiten lässt. Er bewertete aber die Möglichkeit einer Interferon-freien Therapie von 12 bzw. 24 Wochen Behandlungsdauer gegenüber der Interferon-haltigen zVT als relevant hinsichtlich der Vermeidung von unerwünschten Ereignissen und begründete dies mit in Studien und in den Fachinformationen beschriebenen unerwünschten Wirkungen der Behandlung mit Peginterferon alfa und Ribavirin (insbesondere Gewichtsverlust und möglicherweise irreversible Wachstumsverzögerung). Aufgrund des einarmigen Studiendesigns war eine Quantifizierung des Zusatznutzens allerdings nicht möglich, weshalb der G-BA für therapienaive Jugendliche mit Genotyp 2 oder 3 einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen konsentierte.

Patientengruppe b

Alle vorbehandelten Patienten erreichten das SVR12 bzw. SVR24. Da unter Best Supportive Care eine Viruselimination unwahrscheinlich ist, war somit auch ohne Vorliegen direkt vergleichender Studien ein Vorteil von Sofosbuvir plus Ribavirin ableitbar. Es wurden weder Todesfälle, noch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse beobachtet. Der G-BA leitete aus den Daten zum SVR einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Sofosbuvir plus Ribavirin bei vorbehandelten Jugendlichen mit Genotyp 2 oder 3 ab.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Behandlung mit Sofosbuvir soll nur von einem Arzt durchgeführt werden, der Erfahrung in der Behandlung der chronischen Hepatitis C hat.