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Stand 02.11.2015

Gesundheitsinfos

Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium

Leben mit Prostatakrebs

Die Diagnose „fortgeschrittener Prostatakrebs“ kann für Männer und ihre Angehörigen eine Belastung sein. Doch dank einer Reihe guter Behandlungsmöglichkeiten leben viele Männer heute lange mit ihrer Krebserkrankung. In der Vielzahl der Angebote den Überblick zu behalten, ist nicht leicht. Hier stellen wir Ihnen die empfohlenen Behandlungen kurz vor.

Auf einen Blick: Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium

  • Ist der Krebs über die Prostata hinaus gewachsen, spricht man von „fortgeschrittenem“ Prostatakrebs. Hat er bereits in die Knochen oder Organe gestreut, heißt er „metastasiert“.
  • Mit Operation oder Bestrahlung lässt sich fortgeschrittener Prostatakrebs manchmal heilen.
  • Ein Hormonentzug verlangsamt das Wachstum von metastasiertem Prostatakrebs. Sind die Krebszellen gegen den Hormonentzug unempfindlich
    geworden, können weitere Medikamente das Krebswachstum zeitweise aufhalten.

Die Erkrankung

Die Heilungschancen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs sind nicht so günstig, wie im frühen Stadium. Allerdings wird etwa jeder vierte Tumor vor einer Operation größer geschätzt und erweist sich im Nachhinein als gut heilbar. Hat der Krebs bereits in die Lymphknoten, Knochen oder andere Organe gestreut, kann er nicht mehr geheilt werden. Dennoch lässt sich sein Wachstum für längere Zeit bremsen.

Mehrere Untersuchungen sollen klären, wie aggressiv Ihr Krebs ist und wie weit er sich ausgebreitet hat. Danach und nach Ihren Bedürfnissen und Zielen richtet sich die passende Behandlung. Genaue Informationen über die empfohlenen Untersuchungen finden Sie in der Patientenleitlinie (siehe Kasten auf der Rückseite).

Die Behandlung

Fortgeschrittener Prostatakrebs:
Hier können Behandlungen mit dem Ziel der Heilung in Frage kommen. Sie sollen den Krebs vollständig entfernen oder zerstören. Dazu gehören:

  • Die Operation: dabei wird die Prostata operativ entfernt (radikale Prostatektomie).
  • Die Bestrahlung: dabei wird entweder von außen durch die Haut oder direkt in der Prostata bestrahlt.

Beide Eingriffe können Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten gehören Impotenz (Erektionsstörung) und Inkontinenz (Blasenschwäche).

Bei einer Operation sollte der Arzt auch die umliegenden Lymphknoten mit entfernen. Dadurch können weitere Komplikationen entstehen, zum Beispiel der Stau von Gewebeflüssigkeit in den Beinen. Ob die Entfernung der Lymphknoten das Leben verlängert, ist unklar. Sie kann aber wichtig sein, um die weitere Behandlung zu planen.

Bei einer Bestrahlung empfehlen die Experten zusätzlich eine zeitlich begrenzte Behandlung mit Medikamenten („Hormonentzug“, siehe Rückseite). Dadurch lässt sich in manchen Fällen das Leben verlängern. Ob eine zusätzliche Bestrahlung der Lymphbahnen Vorteile bringt, ist unklar.

Eine Bestrahlung „von innen“, die sogenannte Hochdosis-Brachytherapie, sollte immer in Verbindung mit einer Bestrahlung von außen erfolgen. Auch hier werden zusätzlich Medikamente empfohlen.

Metastasierter Prostatakrebs:
Hat der Krebs bereits andere Körperregionen befallen, geht es darum, den Krebs in seinem Wachstum zu bremsen oder Beschwerden zu lindern.

Prostatakrebs wird durch das körpereigene Hormon Testosteron beeinflusst. Eine sogenannte Hormonentzugsbehandlung kann den Testosteronspiegel senken. Dadurch verlangsamt sich das Krebswachstum.

Ein Hormonentzug ist mit Medikamenten oder operativ als Ausschälung der Hoden möglich. Lässt die Wirkung der Hormonentzugsbehandlung mit der Zeit
nach, so können verschiedene Hormon-Medikamente kombiniert werden.

Im Verlauf der Behandlung werden die Krebszellen gänzlich unempfindlich gegen den Hormonentzug. Solange der Krebs dann keine spürbaren  Beschwerden macht, bringt eine weitere Behandlung mit Medikamenten meist keinen Vorteil. Stellen sich aber Beschwerden ein, so stehen Medikamente zur Verfügung, die das Fortschreiten der Krankheit verzögern können:

  • Abirateron zählt zwar zur Hormontherapie, wirkt aber, wenn der Krebs gegen den Hormonentzug unempfindlich geworden ist. Es treten im Vergleich
    zu einer Chemotherapie meist weniger Nebenwirkungen auf. Abirateron ist bei Patienten mit eher geringen Beschwerden getestet worden.
  • Docetaxel ist ein Medikament der Chemotherapie, das die Zellteilung behindert. Da gerade Krebszellen sich rasch teilen, ist es hier besonders wirksam.
  • Radium 223 ist ein schwach radioaktiver Wirkstoff, der nur bei Knochenmetastasen geeignet ist.

Studien belegen, dass diese Wirkstoffe das Leben um einige Monate verlängern können. Bislang wurden sie aber noch nicht direkt miteinander verglichen. Wenn nach einer Chemotherapie der Krebs weiter fortschreitet, ist eine erneute Behandlung mit Hormonwirkstoffen oder eine Chemotherapie möglich.

Alle Medikamente sind mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden, die unter Umständen Ihren Körper stärker belasten als der Krebs. Gerade für Männer mit geschwächtem körperlichem Zustand kann es sinnvoll sein, nichts gegen den Krebs zu unternehmen und stattdessen Beschwerden wie Schmerzen gezielt und wirksam behandeln zu lassen.

Genaue Informationen über die einzelnen Behandlungsmöglichkeiten und ihre Vor- und Nachteile finden Sie in der Patientenleitlinie. 

Was Sie selbst tun können

Die Krankheit verändert Ihr Leben und das Ihrer  Angehörigen. Wenn Sie das Bedürfnis nach professioneller Hilfe haben, können Sie psychoonkologische
Betreuung in Anspruch nehmen. Auch Ihren Angehörigen steht dieses Angebot offen.

  • Haben Sie Geduld mit sich selbst. Nicht immer stellt sich sofort ein spürbarer Behandlungserfolg ein.
  • Mit einer gesunden Lebensweise können Sie die Behandlung unterstützen. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. Ein Sportprogramm sollte auf Ihre persönliche Situation abgestimmt sein und Sie nicht überfordern. Es hilft auch gegen Begleiterscheinungen der Krebserkrankung wie etwa starke Müdigkeit.
  • Tauschen Sie sich mit anderen aus. Sie sind mit Ihrem Schicksal nicht allein. In Selbsthilfegruppen erhalten Sie Unterstützung von anderen Betroffenen, die aus eigener Erfahrung wissen, wie Prostatakrebs das Leben verändert (siehe Kasten).

Mehr Informationen

Quellen, Methodik und weiterführende Links:
Diese Patienteninformation beruht auf der aktuellen ärztlichen S3-Leitlinie „Prostatakarzinom“ und deren Patientenversion des Leitlinienprogramms Onkologie. Das Programm wird getragen von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe.

Patientenleitlinie „Prostatakrebs II – Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom“

Methodik und benutzte Quellen

Weitere Kurzinformationen zum Thema „Prostatakrebs“

Kontakt zu Selbsthilfegruppen:
Wo Sie eine Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie beim Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V., Tel. 0228 33889500, gebührenfreie Beratungshotline 0800 – 7080123 (Di. bis Do. 15 bis 18 Uhr).

Infos zu Prostatakrebs

Weiterführende Informationen

Diese Patienteninformation beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und fasst wichtige Punkte der jeweiligen PatientenLeitlinie zusammen.

Patienteninformationen

PatientenLeitlinien übersetzen die Behandlungsempfehlungen ärztlicher Leitlinien in eine für Laien verständliche Sprache. Sie geben wichtige Hintergrundinformationen zu den Ursachen, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden einer Erkrankung.

PatientenLeitlinien

Die Information ist auch als fertig layoutete Version für das Wartezimmer erhältlich. Hier gelangen Sie zur Downloadseite der Wartezimmerinfos.

Kontakt zu Selbsthilfegruppen

Wo Sie eine Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen):

www.nakos.de
Tel.: 030 3101 8960

Verantwortlich für den Inhalt

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
- Gemeinsames Institut von BÄK und KBV -
Telefon: 030 4005-2500
Telefax: 030 4005-2555
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