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Teriflunomid

Handelsname: Aubagio®

Anwendungsgebiet: Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS)*

Pharmazeutischer Unternehmer: Sanofi-Aventis Groupe/Genzyme GmbH

Beginn des Verfahrens: 01.10.2013

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 20.03.2014

Inhalt des Beschlusses:

Indikation

zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender MS*

Beta-Interferon (IFN-ß) 1a oder IFN-ß 1b oder Glatirameracetat unter Beachtung des jeweils zugelassenen Anwendungsgebietes

Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Teriflunomid ist der aktive Metabolit von Leflunomid (Arava®) und somit ein immunmodulatorischer Wirkstoff mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Durch Hemmung des Enzyms Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHO-DH) wird die Pyrimidinsynthese gehemmt und somit die Proliferation sich teilender Zellen. Der genaue Mechanismus, durch den Teriflunomid seine therapeutische Wirkung bei der MS entfaltet, ist nicht vollständig geklärt, könnte aber durch die reduzierte Anzahl aktivierter Lymphozyten vermittelt sein. Teriflunomid wird oral verabreicht.

Die Nutzenbewertung wurde anhand einer offenen, direkt vergleichenden Studie (TENERE) durchgeführt. Der zur Unterstützung ebenfalls vorgelegte indirekte Vergleich konnte aufgrund der Heterogenität der zugrunde liegenden Studien (u.a. Diagnosekriterien, Alter, Erkrankungsdauer) nicht berücksichtigt werden. Im Rahmen des direkten Vergleiches wurde in der Nutzenbewertung jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied bei den patientenrelevanten Endpunkten (Mortalität, Morbidität, Lebensqualität, Nebenwirkungen) zwischen den beiden Therapien festgestellt. In keiner der beiden Behandlungsgruppen traten Todesfälle auf. Weder hinsichtlich der schubbezogenen Endpunkte noch hinsichtlich der Endpunkte zur Behinderungsprogression zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Die symptomspezifische gesundheitsbezogene Lebensqualität, die mit dem Symptom Erschöpfung einhergeht, wurde mit der Fatigue Impact Scale (FIS) erhoben. Hierbei zeigte sich ebenfalls kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

Der Anteil von Patienten mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse unterschied sich zwischen den Behandlungsgruppen nicht maßgeblich und das Ergebnis war nicht statistisch signifikant. Reaktionen an der Injektionsstelle und grippeähnliche Symptome traten bei der Behandlung mit IFN β-1a häufiger auf als unter Teriflunomid. Das Ergebnis war jeweils statistisch signifikant. Die Mehrheit dieser Ereignisse war von milder bzw. moderater Intensität. Übelkeit/Erbrechen, Alopezie und Diarrhö traten bei der Behandlung mit Teriflunomid häufiger auf als unter IFN β-1a. Das Ergebnis war jeweils statistisch signifikant. Die Mehrheit dieser Ereignisse war von milder bzw. moderater Intensität. Insgesamt ergibt sich somit bei den Nebenwirkungen kein Vorteil von Teriflunomid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.

Aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses ist der Zusatznutzen von Teriflunomid daher nicht belegt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.      

Die Einleitung und leitende Therapieentscheidung der Behandlung ist von einer Fachärztin/einem Facharzt für Neurologie oder von einer Fachärztin/einem Facharzt für Nervenheilkunde mit Erfahrung in der Behandlung der MS durchzuführen. Die Behandlung ist von einer Fachärztin/einem Facharzt mit Erfahrung in der Behandlung der MS zu überwachen.

Der EPAR beschreibt, dass zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens und danach alle Ärzte/Angehörige der Gesundheitsberufe, die erwartungsgemäß Aubagio® anwenden werden, u.a. eine Patienteninformationskarte und einen Gesprächsleitfaden für Ärzte/Angehörige der Gesundheitsberufe erhalten sollen, in welchem die folgenden wichtigen Informationen enthalten sind:

  • Risiko einer Beeinträchtigung der Leberfunktion und Notwendigkeit von Leberfunktionsuntersuchungen vor und regelmäßig während der Behandlung
  • Anzeichen und Symptome einer Lebererkrankung
  • mögliches Risiko von Teratogenität, Notwendigkeit zuverlässiger Kontrazeption
  • Risiko einer Blutdruckerhöhung
  • Risiko hämatologischer Wirkungen
  • Risiko von Infektionen