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Einigung bei ePA: Krankenkassen und Ärzte ziehen an einem Strang

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV:
"Wir sind froh, dass es endlich gelungen ist, mit allen Beteiligten Einvernehmen herzustellen. Bei der ePA haben wir drei große Funktionen und auch drei große Beteiligte. Wir stellen uns vor, dass die Funktion der Technik und der Sicherheit von der Gematik umgesetzt wird. Die KBV hat die Kompetenz eingefordert, die technischen Inhalte zu übernehmen und dann darauf auch die medizinischen Inhalte aufzubauen. Das ist wichtig. Wir wollen also technische Standards übernehmen, gleichzeitig aber die medizinischen Inhalte - technisch gesprochen heißt das medizinische Informationsobjekte festlegen. Das ist uns ganz wichtig, weil jeder Arzt und jedes Krankenhaus später natürlich auch nicht nur sich technisch austauschen muss, sondern soll auch wissen, dass ein Blutdruck, dass ein Laborwert, dass ein EKG in der gleichen Art und Weise gemessen und dargestellt wird. Sonst ist ein Informationsaustausch natürlich nicht möglich. Und der dritte Bereich ist dann, auf diese beiden Definitionen aufsetzend, werden dann die Krankenkassen in einem Arbeitskreis festlegen, wie die Struktur der ePA, der elektronischen Patientenakte, aussehen soll. Da wird es drei Bereiche geben nach dem bisherigen Stand: Das eine sind die medizinischen Daten - die werden durch uns festgelegt. Dann wird es einen Bereich geben, wo die Krankenkassen ihre speziellen Angebote einstellen können, und einen dritten Bereich, wo der Patient dann seine Daten einstellen kann, wenn er es denn möchte, z.B. die von Wearables, also Blutdruckwerte, wie viele Kilometer ist er am Tag gegangen, welche Joggingdaten hat er, welchen Puls hat er bei seinen Sportangeboten gehabt. Das sind die Dinge, die jede Kasse dann individuell entscheiden wird, aber in einem einheitlichen Rahmen der ePA."

Gibt es weiteren Klärungsbedarf?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV:
"Ja, es sind natürlich noch Schritte offen. Da ist, was wir uns unter den Beteiligten geeinigt haben, bedarf teilweise noch großer gesetzlicher Änderungen und wir erwarten von der Politik, dass sie die auch schnellstmöglich umsetzt, denn nur wenn die gesetzlichen Anpassungen erfolgen, können wir auch schnell sein und die ePA in dieser Konzeption umsetzen, denn die Politik weist uns immer wieder darauf hin, dass wir zu langsam sind. Und nebenbei gesagt, wir brauchen irgendwann auch nochmal ein schnelleres Breitbandinternet, das sollte man auch nicht ganz vergessen."

Wie sieht der Zeitplan aus?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV:
"Wir haben im jetzigen Gesetz eine Frist für die Gematik. Die muss bis Ende des Jahres eine Spezifikation auf der technischen Ebene für die ePA abgemacht haben. Da werden wir als Gesellschafter mitarbeiten. Es sieht zurzeit so aus, als könnten wir auch den Termin bis Ende des Jahres halten. Und dann erwarten wir vom Gesetzgeber möglichst schnell, dass er uns auch die Kompetenzen gibt als KBV, dass wir die medizinischen Inhalte auch festlegen können. Dabei geht es darum, dass wir die medizinischen Inhalte einmal überhaupt festlegen: Was soll rein in diese ePA? Denn es ist ja durchaus vorstellbar, dass der Patient bei einem nach-/weiterbehandelnden Arzt auch seine Daten, die auf der ePA sind, auch dem Arzt zur Verfügung stellen will. Da muss natürlich klar sein, dass der nachbehandelnde Arzt das EKG, was sein zuvor behandelnder Kollege gemessen hat, auch übernehmen kann. Das heißt, die medizinischen Standards müssen festgelegt sein. Und in der Medizin gibt es verschiedene Standards in vielen Bereichen, z.B. bei Laborwerten gibt es verschiedene Möglichkeiten, Werte zu messen. Das möchten wir gerne normieren, damit auf jeden Fall ein einheitlicher Datenaustausch möglich ist und damit auch keine Missverständnisse entstehen. Der eine Wert ist in Prozent gemessen, der andere in Millimol als Beispiel, da kann es natürlich zu Missverständnissen kommen. Da sehen wir unsere Aufgabe und ich muss sagen, das ist keine kleine Aufgabe, das ist ein immenser Aufwand, der da für die Standardisierung uns erwartet, aber wir halten es für notwendig und wir werden da mit Hochdruck daran arbeiten, wenn der Gesetzgeber uns die rechtlichen Möglichkeiten dazu einräumt."

Spielt die Industrie keine Rolle mehr?

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV:
"Doch, die Industrie hat eine ganz große Rolle. Sie muss dann, auf der Basis entwickeln. So wie das Gesetz jetzt angelegt ist - das TSVG - sieht es ja vor, dass jede Krankenkasse für jeden Versicherten eine ePA anbieten muss. Für uns ist dagegen noch nicht ganz klar, ob es daneben auch private Angebote geben kann, zum Beispiel von der Industrie. Jedenfalls wird die Industrie in jedem Fall mit von den Krankenkassen beauftragt werden, ePAs zu entwickeln."

Ärzte und Krankenkassen wollen die ePA schnell in die Versorgung bringen und haben sie dazu nun auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Ganz wichtig für die Arzt- und Psychotherapeutenpraxen: Es wurde bekräftigt, dass es technisch nur ein ePA-Modell geben darf. Festgelegt wurden zudem die Zuständigkeiten. Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel erklärt, welche Aufgaben die KBV nun damit hat und wie es mit der ePA weitergeht.

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