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Werbefreie Praxis

Dass Ärzte eben KEINE Marionetten der Pharmaindustrie sind, darauf hinzuweisen wird Thomas Lindner nicht müde. Der Facharzt für Innere Medizin empfängt und behandelt seine Patienten in werbefreien Praxisräumen; nicht einmal seine Kugelschreiber sind mit Pharmalogos bedruckt. Lindner ist Mitglied bei MEZIS einer Initiative von Ärztinnen und Ärzten, die sich gegen Arzneimittelwerbung in Arztpraxen einsetzt.
O-Ton Thomas Lindner, Facharzt für Innere Medizin: "Mezis steht für die Zusammenfassung von Mein Essen Zahle Ich Selbst. Die Industrie lädt ja Ärzte gern zum Essen ein, nach Fortbildungen, im Rahmen von Kongressen und wir denken, dass das nicht in Ordnung ist, dass Ärzte in der Lage sein sollten, ihr Essen selbst zu bezahlen und dass Ärzte eigentlich auch wissen sollten, dass das kein Geschenk der Industrie ist, sondern dass die Industrie da natürlich auch ihre eigenen Interessen verfolgt, wenn sie Geld dafür ausgibt."
Lindner ist seit 1997 niedergelassen.
O-Ton Thomas Lindner: "Es war dann so, dass also am Tage mehrere Pharmareferenten bei mir in der Praxis waren. Mein erster Schritt war zu sagen, also maximal einer pro Tag. Und dann wurde MEZIS gegründet 2007 und da hatte ich den Eindruck, also das ist genau mein Thema. Ich will mich eigentlich da nicht mehr beeinflussen lassen und will da für diese Werbegespräche nicht mehr zur Verfügung stehen. Selbst die vorsichtigen Schätzungen gehen ja so weit, dass der Werbemitteletat größer ist als der Forschungsetat der Industrie."
Lindner macht sich daher auch bereits bei Studenten für die Idee stark, die hinter MEZIS steckt:
O-Ton Thomas Lindner: "Es muss im Grunde in die Ausbildung rein. Die Studenten erfahren viel über Pharmakologie, über die verschiedenen Substanzen, aber wie das dann so wirklich läuft und wie man dann in der Sprechstunde sitzt und nicht alle Medikamente gut gleich parat hat und dann kommt jemand und stellt einem neue Medikamente vor, dann muss man wissen, was der für ein Interessengebiet hat, was der eigentlich will und wie der das versucht umzusetzen bei mir."
Die Zahl unabhängiger Fortbildungen wächst - auch im Onlinebereich. Lindner hofft, dass das Angebot noch viel größer wird.
O-Ton Thomas Lindner: "Es gilt im Grunde für die Ärzte, dass sie im Grunde Geld zusammenlegen müssen. Das muss schon das Geld der Ärzte sein und die müssen das dann für Fortbildung ausgeben, für unabhängige Fortbildung. Ich denke, auch andere Berufe sorgen für ihre Fortbildung selber. Da steht nicht die Industrie da und bietet ihnen die Dinge so mundgerecht. Wenn Patienten in die Praxis kommen, sollte das nicht eine Reklameveranstaltung werden, sondern man sollte da doch irgendwie sicher sein, dass der Arzt nach bestem Wissen das macht ud nicht nach den werbeträgern, die da in seinr Praxis zu finden sind."

Täglich besuchen mehr als 15.000 Pharmareferenten Arztpraxen und Krankenhäuser. MEZIS kritisiert das.
Die fünf Buchstaben stehen für "Mein Essen zahl´ ich selbst" - einer Initiative von Medizinern, die Werbegeschenke und Pharmareferenten aus ihren Praxen verbannt haben. Auch nehmen sie nur an unabhängigen Fortbildungsveranstaltungen teil und schlagen Einladungen in Fünf-Sterne-Hotels aus.