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KBVMesse - Versorgungsinnovation 2013

16. bis 17. April 2013 im dbb forum in Berlin

Zahlreiche Aussteller präsentierten auf der KBVMesse ihre Idee, wie die ambulante medizinsiche Versorgung in Zukunft gestaltet werden könnte. Die innovativen Vorschläge ließ sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ganz genau erklären. Er sprach mit dem KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Köhler über das Thema der Messe: Anreizmodelle für Kooperationen im Gesundheitswesen.

16. April 2013 – 1. Tag der Versorgungsmesse

Internationaler Auftakt: kooperative Versorgung

Looking abroad: Welche Anreizsysteme für verbesserte Versorgungssteuerung werden derzeit außerhalb Deutschlands diskutiert oder bereits umgesetzt? Namhafte Experten aus Europa und den USA berichteten und diskutierten über ihre Erfahrungen und ihren Forschungsstand. 

Podiumsdiskussion – „Anreiz- und Wettbewerbsmodelle in der vertragsärztlichen Versorgung“

Uwe Deh, Vorstandsmitglied des AOK-Bundesverbandes, und Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV, zeigten sich nach den Diskussionsrunden zur medizinischen Versorgung im internationalen Vergleich am ersten Tag der KBVMesse ganz beruhigt: In den Gesundheitssystemen anderer Länder gibt es ähnliche Probleme wie in Deutschland...

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Deh und Köhler waren Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema „Anreiz- und Wettbewerbsmodelle in der vertragsärztlichen Versorgung“, die am Abend unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin stattfand.

In der Diskussion ging es zunächst um Anreize, die für eine gute Versorgung erforderlich sind. Ein Anreiz sei natürlich Geld, so Busse. Deh von der AOK konnte dem nur bedingt zustimmen: Da wo es Milliarden zu verteilen gebe, habe man immer den „Dagobert-Duck-Anreiz“, aber die Ärzte hätten ja nicht alle Dollar-Zeichen in den Augen. Deshalb seien auch andere Anreize notwendig.

Unter dem Stichwort Pay-for-Performance verwies Köhler dabei auf die Möglichkeit der qualitätsorientierten Vergütung. Doch leider sei man in Deutschland noch nicht so weit. Die Einführung eines solchen Vergütungssystems würde eine Umverteilung von Geldern zur Folge haben.

Köhler hob die hohe Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland hervor: Sowohl der Zugang der Versicherten zu medizinischen Leistungen als auch die Inhalte des Leistungskataloges seien im internationalen Vergleich sehr gut. Rund 60 Prozent aller Leistungen, die die Vertragsärzte durchführen, seien zudem qualitätsgesichert. Sie unterlägen zusätzlichen Qualitätsanforderungen.

Dies werde auch in den Qualitätsberichten deutlich, die die KBV und die 17 KVen jährlich herausbrachten. Deh hatte zuvor kritisiert, dass bislang weder über Kollektivverträge noch über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) eine funktionierende Qualitätssteuerung möglich sei. Auch fehle ein System, in dem Ärzte über die Qualität, die sie erbringen, berichten können.

Beide Diskutanten sprachen sich für einen Wettbewerb im Gesundheitswesen aus. Da es für die Lösung von Problemen nicht nur eine Lösung gebe, habe man immer auch einen Wettbewerb um Fortschritt und Innovation, betonte Deh. Notwendig ist seiner Meinung nach auch ein Wettbewerb zwischen Kollektiv- und Selektivvertrag.

Innovationen und Wettbewerb fänden heute vor allem im Selektivvertrag statt, sagte Köhler. Die Kassen schafften es allerdings nicht, Versorgungsverbesserungen in den Kollektivvertrag zu überführen und flächendeckend umzusetzen. Als Beispiel nannte er die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, die nach wie vor lediglich als Insellösung, aber nicht flächendeckend zur Verfügung stünde.

Der KBV-Chef sprach sich dafür aus, dass die KVen wieder mehr kassenspezifische Verträge abschließen könnten. Ansonsten sei es kaum noch möglich, im Kollektivvertrag Wettbewerb zu betreiben.

Im Hinblick auf den Ärztemangel forderte Köhler mehr Anreize für Ärzte, damit diese sich auch in strukturschwachen Regionen niederlassen. Ein erster wichtiger Schritt war seiner Meinung nach die Aufhebung der Residenzpflicht durch das Versorgungsstrukturgesetz.

Auch die Teamarbeit zwischen Ärzten und anderen Gesundheitsberufen und die damit einhergehende Entlastung des Arztes spielen für ihn dabei eine Rolle. Hier sprach sich Köhler klar für Delegation und gegen Substitution ärztlicher Leistungen durch nichtärztliches Personal aus.

17. April 2013 – 2. Tag der Versorgungsmesse

Messeausstellung

Die KBVMesse ist insbesondere eine Plattform für Praxisnetze jeder Ausrichtung. Denn dieser Kooperationsbereich vereint ärztliche Selbstbestimmung, strukturelle und prozessuale Entwicklung sowie Erhaltung dezentraler Versorgungsstrukturen in besonderer Weise. In diesem Rahmen präsentieren sich insgesamt 40 Projekte auf der KBVMesse 2013. Das Begleitprogramm bietet Foren zu operativen und strategischen Themen.

Am zweiten Messetag besuchte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die KBVMesse

Im Anschluss sprach Bahr mit dem KBV-Vorstandsvorsitzenden, Dr. Andreas Köhler, über Anreizmodelle für Kooperationen. „Es freut mich, dass die Möglichkeiten des Versorgungsstrukturgesetzes genutzt werden“, sagte Bahr. Etwas enttäuscht zeigte er sich aber darüber, dass die spezialfachärztliche Versorgung bisher auf die Onkologie beschränkt ist...

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„Wir haben mit der spezialfachärztlichen Versorgung die Möglichkeit geschaffen, die Sektoren enger miteinander zu verbinden“, so Bahr. Werde diese Chance nicht genutzt, steige der Druck, die Krankenhäuser ambulant zu öffnen. Köhler konterte, dass hier ein völlig neuer Versorgungsbereich geschaffen wurde, was einige Zeit in Anspruch genommen habe. Er zeigte sich aber auch zuversichtlich, dass weitere Fachrichtungen folgen werden.

Den Vorstoß der KBV, die Auswahlkriterien für Medizinstudenten zu überarbeiten, um dem Ärztemangel entgegenzu-wirken, unterstützte Bahr. „Auch die Länder haben eine Aufgabe. Es kann nicht sein, dass nur die Jahrgangsbesten Medizin studieren dürfen. Wir brauchen diejenigen an den Unis, die diesen Beruf mit Begeisterung ausüben wollen.“ Köhler pflichtete ihm bei: „Die Frage ist, wie wir den Zugang zur Uni so steuern können, dass Niederlassungswillige ausgebildet werden.“

„Dokumentation vs. Bürokratie? Verwaltungsaufwand in der Praxis“

Dokumentation versus Bürokratie lautete das Thema einer Diskussion mit KBV-Vorstand Feldmann am Nachmittag. Nach einem Vortrag von Dr. Daniel Vorgrimler vom Statistischen Bundesamt diskutierte sie mit Dr. Rolf-Ulrich Schlenker von der Barmer GEK und Wolf­ Michael Catenhusen vom Nationalen Normenkontrollrat. Auch in ihrem Praxisalltag gebe es Formulare von den Krankenkassen, über die sie sich aufrege, gab Feldmann zu: „Wenn ich von einer Krankenkasse die Nachfrage bekomme, warum ein Patient arbeitsunfähig ist, dann schreibe ich nur siehe Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.“

Schlenker verteidigte das Vorgehen der Kassen: „Für Fallmanagement braucht man oft mehr, als die reine Diagnose. Die Kassen wollen den Arzt nicht ärgern, sondern den Patienten bestmöglich versorgen.“ Dass dies aber auch mit schlankeren Formularen gehen könnte, zeigte das Beispiel der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe.

Die hat zusammen mit der örtlichen Barmer GEK eine Arbeitsgruppe (AG) gegründet, die sich konkret mit der Verschlankung von Formularen auseinandersetzt. „ln der Zusammenarbeit mit den Ärzten haben wir festgestellt, dass viele Anfragen unlogisch und unstrukturiert sind“, sagte Sonja Laag von der Barmer GEK Westfalen-Lippe. So ist es der AG beispielsweise gelungen, ein vierseitiges Formular auf zwei Seiten zu verschlanken und aus einem Zweiseitigen eines im Rezeptformat zu machen.

Kriterien zur Anerkennung von Praxisnetzen

Die Rahmenvorgabe für die Anerkennung von Praxisnetzen, die zum 1. Mai in Kraft tritt, war das Thema einer weiteren Runde mit KBV-Vorstand Köhler, Dr. Veit Wambach von der Agentur deutscher Arztnetze und Dr. Manfred Partsch vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

„Es gibt inzwischen viele Arztnetze in Deutschland. Dank der Vorgabe können die Kassenärztlichen Vereinigungen die Netze nun identifizieren und akkreditieren“, so Köhler. „Die Netze leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Patienten. Es ist wichtig, dass sie nun Anerkennung finden“, fügte Partsch hinzu.

Geklärt werden muss­te die Frage, wann ein Netz ein Netz ist. So können nun 20 bis 100 Praxen ein solches Netz bilden, es müssen neben Hausärzten auch mindestens zwei Fachärzte dazugehören und es muss in einer zusammengehörenden Region arbeiten. „20 bis 100 Praxen ist eine realistische Größe“, so Wambach.

„Mit größeren Netzen ist eine Optimierung der Struktur nicht möglich“, sagte Köhler. Zudem muss ein Netz vor der Zertifizierung schon drei Jahre bestehen und eine Managementstruktur haben. „Die Netze sollen die Qualität der Versorgung verbessern und wirtschaftlich arbeiten. Ohne diese Strukturen wird das nicht funktionieren“, so Köhler weiter. Man sei hier noch ganz am Anfang. Erst einmal gehe es darum, die Netze zu identifizieren und anzuerkennen. Über Möglichkeiten der Finanzierung solle zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden, war sich die Runde einig.

„Weiterentwicklung und Finanzierung der Versorgungsstrukturen“

An der letzten Diskussionsrunde der Versorgungsmesse zum Thema „Weiterentwicklung und Finanzierung der Versorgungsstrukturen“ nahmen neben KBV-Vorstand Dr. Andreas Köhler Dr. Marlies Volkmer (SPD), Dr. Martina Bunge (Die Linke) und Dr. Rolf Koschorrek (CDU) teil. „Wir wissen, dass wir so wie bisher nicht weiterkommen. Die Frage ist, wie wir die Ärzte dorthin bringen, wo wir sie brauchen.

Viele junge Mediziner wollen heutzutage nicht alleine verantwortlich sein. Sie wollen Teamarbeit, Familie und Beruf vereinbaren können und haben Angst vor Regressen. Dabei ist nicht einmal ein Prozent der Ärzte von Regressen betrof­fen“, sagte Volkmer. Die fehlenden Privatpatienten auf dem Land seien der Grund für die mangelnde Bereitschaft junger Mediziner sich in weniger dicht besiedelten Gebieten niederzulassen, argumentierte Bunge. Beide Politikerinnen sprachen sich für die Einführung einer Bürgerversicherung aus.

„Die Kolleginnen sind auf einem drolligen Trip unterwegs. Ein Problem, das 92 Prozent der Bevölkerung betrifft, soll gelöst werden, indem man 8 Prozent dazu nimmt? Wir sind ein Rechtsstaat. Da geht es auch um das Bestandsrecht der Versicherten. Wir können die Privatversicherung nicht einfach so abschaffen“, konterte Koschorrek. „Ich möchte hier nicht über die Bürgerversicherung diskutieren. Aber Frau Bunge hat etwas Wahres gesagt. Die KV-Zulassung am Starnberger See ist nicht spannend - die Privatpatienten dort aber schon. Das ist ein Problem“, so Köhler. Er plädierte für mehr Wettbewerb in der ambulanten Versorgung: „Wenn wir im Gesundheitsfonds zwei Prozent für Innovationen reservieren, kann mehr Wettbewerb für eine bessere Versorgung entstehen.“