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Weiterbildung auf dem Land

O-Ton Stephan Salditt: "Ich kenne die Praxis schon, seit ich ein kleiner Junge war. Jetzt sehe ich sie allerdings doch mit anderen Augen. Als Kind war das Spielbereich und Wohnbereich - und als Arzt, für mich ist das heute hier Arbeitsbereich."
Eigentlich wollte Stephan Salditt Internist werden, im Krankenhaus. Dort absolvierte er auch die ersten Jahre seiner Weiterbildung. Doch dann wurde er Vater und erinnerte sich an seine Kindheit auf dem Land. So zog es ihn und seine Familie von Berlin nach Gumtow, in Brandenburg – von der Hauptstadtklinik in die Landpraxis… In die Landpraxis seines Vaters: Ausbilder und Vorbild – mit hohen Erwartungen. Eines Tages will er seine Praxis übernehmen.
O-Ton Dr. Wolfgang Salditt: "Wir haben etwa so einen Pool von 4.000 Patienten hier; und ich übergebe diese Patienten und möchte sie in guten Händen wissen. Und da ist man vielleicht in der Ausbildung ein bisschen härter."
Seit gut anderthalb Jahren ist Stephan Salditt hier als Arzt in Weiterbildung beschäftigt.
O-Ton Stephan Salditt: "Die Arbeit macht mir noch deutlich mehr Spaß als vorher. Es ist ein flexibles Arbeiten, man kennt die Leute sehr gut. Da kommt mir natürlich zugute, dass ich hier auch aufgewachsen bin in der Region. Ruhiger kann ich nicht wirklich sagen. Die Arbeit ist nicht ruhiger, aber sie ist angenehmer."
An manchen Tagen kommen an die 80 Patienten in die Praxis. Deutlich mehr als zu seinen Klinikzeiten.
O-Ton Stephan Salditt: "Man muss sich daran gewöhnen, dass man Entscheidungen sehr schnell zu treffen hat – binnen fünf Minuten. Das bedingt doch erstmal ein Umdenken in der Arbeitsweise. Wenn natürlich schwierige Sachen sind, kleinere chirurgische Eingriffe oder wirkliche Problemfälle besprochen werden müssen, dann muss man sich eben die Zeit nehmen. Das muss man dann eben im Tag einplanen, das heißt das muss letztendlich hinten angehängt werden."
Dr. Salditt senior betreibt diese Praxis seit 32 Jahren. Nachwuchssorgen in der Region kennt er erst seit Kurzem: Vier Hausarztkollegen in der unmittelbaren Umgebung – insgesamt acht Kollegen in der Region Kyritz - sind inzwischen in den Ruhestand gegangen. Dafür gibt es in der ganzen Region nur drei Nachfolger.
O-Ton Dr. Wolfgang Salditt: "Am Schönsten ist es immer, wenn mal alte Patienten wieder zu mir kommen und sagen ,Hallo, hier bin ich'. Das ist so ein Stück Dank, der da auch mitkommt. Und ich konnte hier in der Praxis vom Kleinkind bis zum Altersrentner alles behandeln. Deswegen habe ich das nie bedauert, hier auf dem Land eine eigene Praxis so als Einzelkämpfer zu haben."
Nun kämpfen Vater und Sohn Seite an Seite; erst einmal. Nach der Sprechstunde tauschen sie sich aus; Zeit, um dem Ausbilder Fragen zu stellen. Und um die Hausbesuche zu planen. Die stehen am Nachmittag an.
O-Ton Stephan Salditt: "Wir fahren bei uns noch sehr viele Hausbesuche; das ist aber auch speziell unserem Kreis hier geschuldet: Wir sind ein wirklich ländlicher Bereich mit einem sehr großen Einzugsgebiet. Das ist ein sehr hoher Aufwand an Zeit. Aber wir versuchen immer noch, das im Sinne der Patienten aufrecht zu erhalten."
Hausbesuche, Bereitschaftsdienste, Sprechstunden... ein ganz anderer Takt als in den sechs Jahren Klinikalltag in Berlin.
O-Ton Stephan Salditt: "So dass ich jetzt sagen muss, dass ich auf dem Land erstens viel mehr Freizeit habe und auch die Freizeit viel besser nutzen kann. Das ist letztendlich von der Lebensqualität deutlich mehr als ich noch in Berlin hatte."
So hat sich der erste Schritt hin zur Niederlassung schon gelohnt.
OT Stephan Salditt: "Was ich mir wünsche, wäre finanzielle Sicherheit. Und wenn das mal nicht so bleiben sollte… also nur zum Vergnügen werde ich die Praxis definitiv nicht auf Dauer betreiben."

Autorin: Ina Mohr

Das Leben auf dem Land scheint Medizinstudenten heute wenig reizvoll zu sein. Dr. Stephan Salditt hat sich trotzdem dazu entschieden. Er hat Berlin den Rücken gekehrt und seine Facharztausbildung in einem kleinen Ort in Brandenburg absolviert - in der Praxis seines Vaters. Für KV-on gibt Salditt einen Einblick in sein Arztleben dort und erzählt, warum er sich zu diesem Schritt entschlossen hat.