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Beruf(ung) Landarzt

Küste, Meer und frische Luft - viele Ärzte machen hier in Schleswig-Holstein Urlaub – doch arbeiten wollen nur wenige hier: Jeder fünfte schleswig-holsteinischen Haus- und Landarzt ist heute schon über 60 Jahre alt. Rund 900 Landärzte bereiten sich auf ihren Ruhestand in den nächsten Jahren vor.
Doch es geht auch anders: Lucia Kühner ist Landärztin in Grömitz, einer Kleinstadt an der schleswig-holsteinischen Küste. Seit dem Ende ihres Studiums ist die 37Jährige mit Leib und Seele dabei.
O-Ton Dr. Lucia Kühner, Fachärztin für Allgemeinmedizin: "Ich hab ein bisschen was aus der Kindheit mitbekommen, weil mein Vater auch schon Hausarzt war und ich das eben von klein auf an gesehen habe, wie das funktioniert und ich eigentlich schon immer was im sozialen Bereich, was mit Medizin machen wollte und dann habe ich mich gleich für das Medizinstudium eingeschrieben. Ich hab schon sehr viele Stammpatienten, da das ein sehr kleiner Ort ist, aber es ist auch ein touristischer Ort, und es sind gerade auch im Sommer sehr viele Touristen da,- und es ist wirklich auch im Winter sehr schön, wenn man ein bisschen mehr Zeit hat für den Patienten, wenn man einfach mal bisschen quatschen kann und dem auch Geschichten aus dem Alltag erzählen kann."“
Bedenken wegen der Einsamkeit oder Überlastung hatte sie nicht, da sie aus der Gegend kommt und schon immer Ärztin werden wollte.
O-Ton Dr. Lucia Kühner, Fachärztin für Allgemeinmedizin: "Klar ist es so, das Grömitz ein kleiner Ort ist und dass es nicht so dramatisch tolle Jobangebote für Partner oder Freunde oder den Familienkreis gibt, aber die nächste relativ große Stadt ist Lübeck, das sind 30 Minuten Fahrzeit, da kann man ganz locker hinfahren und da einen anderen Beruf ausüben und ich sag mal, der Freizeitwert, den man hat, wenn man dann nach Grömitz zurück kommt und von der Arbeit direkt an den Strand fahren kann und da noch seine vier Stunden Feierabend genießen kann, die sind auch hoch. Also mein Freund genießt es sehr, dass er in Grömitz wohnt und in Lübeck arbeitet, der empfindet das nicht als schlimm."

Häufig ist die ärztliche Tätigkeit auf dem Land interessanter als viele denken - und eröffnet so manchen Freiraum.

O-Ton Dr. Lucia Kühner, Fachärztin für Allgemeinmedizin: "Eigentlich ist der Reiz des Hausarztes auch, dass man die Familien kennenlernt, und dass man die Kinder aufwachsen sieht, und das kann ich jetzt erst richtig erleben, oder weiß ich jetzt erst richtig zu schätzen, wo ich seit sechs Jahren in der Praxis bin und wo ich gemerkt habe, dass ich die Patientengeschichten viel, viel besser aufnehmen kann.

Am Anfang war es natürlich schon viel, und da hab ich schon gefragt, wie soll ich mir das alles je merken, und ich wusste nicht, wer mit wem schon mal verheiratet war und wer wann mal ne Allergie hatte, aber jetzt merke ich, das macht total Spaß wenn man sagen kann, Mensch, das war doch vor vier Jahren schon mal, oder ja ich weiß, das kommt in ihrer Familie ja häufiger vor. Also, man wird wirklich so zum Wegbegleiter, und das ist ja auch schön, wenn die Kinder sagen, ja, da war ich schon, als ich drei war und da hat sie mir meine erste Impfung gegeben, und jetzt sind sie vielleicht schon zehn und kommen in die weiterführende Schule, und das geht immer weiter.
Ich hab halt meine Sprechzeiten, morgens von acht bis zwölf und nachmittags von vier bis sechs, das heißt ich hab ne relativ lange Mittagspause, die ich auch auf jeden Fall nutze, in der ich schon über das Handy erreichbar bin für meine Patienten in Notfällen, aber generell passiert in der Zeit nichts, ich mach dann Hausbesuche, wenn überhaupt welche anfallen, und ansonsten hab ich doch einen relativ hohen Freizeitwert mit vier Stunden Mittagspause. Ich versuch dann halt laufen zu gehen oder schwimmen zu gehen, oder wenn das Wetter passt, halt auch mal Radfahren zu gehen, ich kann mich auch mal mit ner Freundin treffen, die andere Arbeitszeiten hat, oder die gar nicht arbeitet, zum Kaffeetrinken, wie gesagt, wenn ich meine Hausbesuche habe, dann habe ich wirklich vier Stunden Zeit, um mich auszuruhen, um Mittag zu essen, um sportlich was zu machen, und dann, wenn ich viertel vor vier wieder einsatzbereit bin, reicht das völlig. Und wenn dann um sechs die Praxis zu ende ist, dann kann ich auch das Handy ausmachen, weil dann der kassenärztliche Notdienst für die Patienten verantwortlich ist."
Warum sich so wenige Kollegen für den Beruf des Landarztes entscheiden, kann sie schon auch nachvollziehen.

O-Ton Dr. Lucia Kühner, Fachärztin für Allgemeinmedizin: "Ich hab natürlich den Riesenvorteil, dass mein Vater die Praxis schon vor mir besessen hat, und dass ich natürlich ne gut gehende Praxis übernehmen konnte und mich auch nicht groß umgewöhnen musste, weil ich die eben kannte, die Praxis, und so kann man natürlich mit den finanziellen Modalitäten auch anders umgehen. Es ist natürlich so, dass der Verdienst nicht so dramatisch hoch ist, wie man das bei Ärzten manchmal vermutet, und da könnte ich mir vorstellen, dass viele auch davor zurückschrecken, sich niederzulassen, weil es am Anfang eben sehr, sehr viel Arbeit ist, am Anfang noch viel mehr, als wenn man schon ein bisschen eingearbeitet ist, und weil die Investitionen doch hoch sind, und das spiegelt sich dann in dem Verdienst, den man hat, nicht unbedingt wider.
Aber vom Beruf an sich kann ich es eigentlich nicht verstehen, weil es total viel Spaß macht. Also, man müsste als Hausarzt schon eine wirklich hohe soziale Kompetenz mitbringen, was ja eigentlich jeder Arzt sollte, aber man darf jetzt nicht so großes Interesse an einer Gerätemedizin haben oder an einer sehr materiell orientierten Medizin, weil dann, glaub ich, ist man in dem Beruf einfach nicht richtig.
Als Hausarzt muss man wirklich auch sagen, ich mach auch mal in meiner Freizeit was und sich so ne Geheimnummer zulegen, das ist eben nicht so ganz das richtige, das muss man wissen und da muss man sich drauf vorbereiten und dann kann, glaub ich, jeder machen, der sich das gut vorstellen kann.
Klar, es gibt echt Tage, da ist es so voll, dass ich einfach nicht mehr weiß, wie ich das alles machen soll, dann türmen sich die Patienten, dann sitzen 20 Leute da und das setzt einen schon ziemlich unter Druck, aber so ist es halt in der Hausarztpraxis. So ein Durchfall oder ne Erkältung kommt eben nicht auf Termin und deswegen macht es meiner Meinung nach auch keinen Sinn, Termin zu vergeben, weil man sie sowieso nicht einhalten kann. Und dann ist es vielleicht mal ne halbe Stunde später, aber viel länger arbeite ich eigentlich nie."
Einzelne Gemeinden werben mittlerweile mit günstigem Bauland um potentielle Landärzte, oder bieten Anreize wie günstige Mieten oder sogar die mietfreie Nutzung von Immobilien über einige Jahre.
Lucia Kühner jedenfalls hat ihre Wahl nie bereut und sie beweist: die Tätigkeit als Landarzt hat manchmal fast was von Urlaub.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Landärztin Dr. Lucia Kühner hat das wahr gemacht. Und sich in der Kleinstadt Grömitz, an der Küste Schleswig-Holsteins, niedergelassen. Der Beruf bietet ihr viel Patientenkontakt und trotzdem auch ausreichend Zeit für Sport und Privatleben. Dr. Kühner ist sogar davon überzeugt, dass ihr die Arbeit auf dem Land mehr Freiräume lässt als in der Stadt.

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