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Patienten-News

KBV: Psychotherapeutisches Behandlungsangebot wird zum 1. April erweitert

06.04.2017 - Die ambulante psychotherapeutische Versorgung wird zum 1. April neu strukturiert und um Angebote wie ein Erstgespräch (Psychotherapeutische Sprechstunde) und eine Akutbehandlung erweitert. Damit sollen Patienten zeitnah einen leichteren Zugang erhalten und das Versorgungsangebot insgesamt soll flexibler werden. Das war eine Forderung des Gesetzgebers.

Erstgespräch zur diagnostischen Abklärung
Wer bislang psychotherapeutische Hilfe benötigte, erhielt in der Regel eine Kurz- oder Langzeittherapie von mehreren Stunden, vorab gegebenenfalls einige probatorische Sitzungen („zum Ausprobieren“). Ab April wird dieses Angebot erweitert. Patienten sollen dann zunächst eine Psychotherapeutische Sprechstunde aufsuchen. Ein ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut oder ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut klärt in diesem Erstgespräch ab, ob ein Verdacht auf eine psychische Krankheit vorliegt und ob der Patient eine Psychotherapie benötigt oder ihm mit anderen Unterstützungs- und Beratungsangeboten geholfen werden kann. Zum Abschluss erhält der Patient einen Befundbericht mit den Ergebnissen und einer Empfehlung für das weitere Vorgehen.

Möglich sind bei Erwachsenen bis zu sechs Gespräche à 25 Minuten innerhalb von vier Quartalen, bei Kindern und Jugendlichen bis zu zehn. Eine Genehmigung der Krankenkasse für diese Psychotherapeutische Sprechstunde ist nicht erforderlich. Ab 1. April 2018 ist das Erstgespräch Pflicht; das heißt, erst wenn ein Patient eine Sprechstunde aufgesucht hat, kann mit probatorischen Sitzungen oder einer Akutbehandlung begonnen werden. Nur Patienten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in einer stationären Krankenhausbehandlung oder rehabilitativen Behandlung waren, können weiterhin direkt mit einer Behandlung beginnen.

Akutbehandlung bietet schnelle Hilfe
Neu ist auch die Möglichkeit einer Akutbehandlung für Patienten mit einer akuten psychischen Krise. Der Therapeut muss die Krankenkasse des Versicherten lediglich darüber informieren, eine Genehmigung ist auch hierfür nicht erforderlich. Die Akutbehandlung kann als Einzeltherapie bis zu 24-mal à 25 Minuten in einem Jahr durchgeführt werden. Reicht die Therapie für eine dauerhafte Stabilisierung des Gesundheitszustands nicht aus, kann im Anschluss eine Kurz- oder Langzeittherapie erfolgen. Vorab sind dann mindestens zwei probatorische Sitzungen nötig.

Kurz- und Langzeittherapie
Änderungen gibt es darüber hinaus bei den Stundenkontingenten sowie beim Genehmigungsverfahren für eine Richtlinienpsychotherapie. So sind bei der Langzeittherapie statt drei nur noch zwei Bewilligungsschritte erforderlich. Die Beantragung einer Kurzzeittherapie erfolgt ebenfalls in zwei Schritten für jeweils ein Kontingent von zwölf Therapieeinheiten.

Rückfälle vermeiden nach einer längeren Psychotherapie
Um nach dem Ende einer Langzeittherapie einen Rückfall des Patienten zu vermeiden, können Therapeuten künftig verbliebene Stunden nutzen – in einem Zeitraum von zwei Jahren nach Therapieende. Für diese sogenannte Rezidivprophylaxe wird ein Teil der Stunden, die die Krankenkasse für eine Langzeittherapie bewilligt hat, verwendet.

Telefonische Erreichbarkeit zur Terminvermittlung
Neuerungen gibt es außerdem bei der Terminvermittlung: Psychotherapeuten müssen ab April sicherstellen, dass ihre Praxis für Patienten telefonisch erreichbar ist und zwar mindestens 200 Minuten pro Woche. Die Zeiten teilen sie ihrer Kassenärztlichen Vereinigung mit. Auch die Krankenkassen erhalten die Daten zur Information ihrer Versicherten. Darüber hinaus können sich Patienten ab April an eine Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden – dies gilt dann, wenn sie einen Termin für ein Erstgespräch im Rahmen einer Psychotherapeutischen Sprechstunde oder für eine Akutbehandlung (sofern ein Therapeut diese empfohlen hat) benötigen.

Weitere Informationen: www.kbv.de/html/26956.php

Annette Winkler
Kassenärztliche Bundesvereinigung

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