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Patienten-News

KV Nordrhein: Menschen mit Migrationshintergrund in der Arztpraxis

30.06.2017 - Die erste Fortbildung für Medizinische Fachangestellte (MFA) rund um das Thema „Menschen mit Migrationshintergrund in der Arztpraxis“ wurde im Mai in Mönchengladbach angeboten. Die Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen, Ärzte und Psychotherapeuten (KOSA) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein hat die Veranstaltung mit der Selbsthilfekontaktstelle in Mönchengladbach geplant.

Eine Fachexpertin vermittelte in dem Seminar kultursensible Informationen, eine türkischsprachige Depressionsgruppe stellte sich vor und zahlreiche Erfahrungen wurden ausgetauscht. Weitere Veranstaltungen sind in Duisburg und Köln geplant.
Auf die Eingangsfrage, welche Erfahrungen die MFA mit Patienten aus anderen Ländern machen, ergab sich, dass Verständigungsprobleme an erster Stelle stehen. Die auftretenden Probleme sind hauptsächlich durch Sprachbarrieren sowie kulturelle und religiöse Unterschiede geprägt. Diese Herausforderung brachte die Helferin einer HNO-Praxis aus Duisburg dazu, den hilfreichen Satz „Zunge heraustrecken und bitte nicht husten“ in türkischer Sprache zu lernen.

„Der Kontakt mit diesen Patienten ist zeitintensiver, da sie oft die Spielregeln in unserer Arztpraxis nicht kennen“, berichtete eine der Teilnehmerinnen. Termine werden nicht so genau genommen, da ein anderes Zeitverständnis herrscht und auch im Rahmen der Compliance gibt es einen höheren Erklärungsbedarf. So ist es nicht immer selbstverständlich, dass Tabletten wie verordnet und bis zum Ende eingenommen werden. Hier gilt auch zu beachten, dass beispielsweise viele muslimische Patienten mit Diabetes bereits drei Monate vor dem Fastenmonat Ramadan medikamentös umgestellt werden.
Im Rahmen der Fortbildung wurden Kenntnisse über die Unterschiede im Gesundheits- /Krankheitsverständnis vermittelt. Zwei Deutschtürkinnen aus einer Selbsthilfegruppe erläuterten, wie sehr ihnen eine muttersprachliche Gruppe dabei geholfen habe, Depressionen zu überwinden.

In einem Informationsblock wurden die Angebote der KV Nordrhein für MFA und ein Pilotprojekt zum Thema „Selbsthilfe und Migration“ der Selbsthilfekontaktstelle vorgestellt. Abgerundet wurde das Seminar mit Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen und zur Verständigung ohne Sprache. Besonderen Anklang fanden illustrierte Anamnesebögen mit der jeweiligen Flagge des Herkunftslandes und Bildmaterial zum Aufbau des Körpers.
Dankbar nahmen die MFA die kultursensiblen Informationen auf. So vermeldete eine orthopädische Praxis mit vielen Patienten mit türkischem Migrationshintergrund: „Unsere Patienten haben Schmerzen und leiden unter Bewegungseinschränkungen, die Muskulatur erschlafft, sie zeigen aber wenig Eigeninitiative.“ Hier hat der Hinweis auf unterschiedliche, kulturell geprägte Gesundheitskompetenzen geholfen und der Tipp, Patienten ruhig öfters auf Gruppenangebote, bestenfalls in der Muttersprache, aufmerksam zu machen.
Formulare und Infomaterial in verschiedenen Sprachen haben wir als Service für die Betreuung von Patienten mit Migrationshintergrund zusammengestellt. Die MFA-Card „Migration“ listet alle wesentlichen Informationen auf einer Seite. Weitere Informationen gibt es auf der Website der KV Nordrhein.

Stephanie Theiß
Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen, Ärzte und Psychotherapeuten
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein

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