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Die Rolle der Bedarfsplanung

Ist Bedarfsplanung rein berufspolitisch ein Thema? Oder für Sie auch als Niedergelassene?
Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der KBV:
„Als niedergelassene Ärztin habe ich von Anfang an Berührung mit dem Wort Bedarfsplanung gehabt. Allerdings gehöre ich ja einer Arztgruppe an, die keine negativen Berührungspunkte hat sondern im hausärztlichen Versorgungsbereich gibt es ja in der Regel immer offene Planstellen. Deshalb habe ich eher damit zu tun gehabt oder habe als niedergelassene Ärztin eher damit zu tun, dass viele Stellen laut Stellenplan hausärztlicherseits – gerade in unserem Bereich sind es aktuell fünf offene Hausarztstellen – dass die nicht besetzt sind. Also weniger das Problem ‚zu viele da‘ als das Problem ‚Es sind zu wenige da‘.“
Wie steht es denn um das Thema „Überversorgung vs. Unterversorgung“?
Feldmann: „Die Bedarfsplanung ist eingeführt worden in einer Zeit, in der es eine sogenannte Ärzteschwemme gegeben hat. Man wollte die damals als sehr gut funktionierende und sehr gut ausgestattete medizinische Versorgung nach dem Status Quo beibehalten. Und so sind die Zahlen, nach der bei der jetzigen Bedarfsplanung gerechnet wird, entstanden. Wir haben in der Zwischenzeit – das ist ja jetzt über 20 Jahre her – natürlich enorme Veränderungen gehabt im gesamten demographischen Bild, in der gesamten Entwicklung von chronischen Krankheiten. Deshalb ist es sicherlich erforderlich, dass man sich mit diesem Gesamtkonstrukt Bedarfsplanung noch einmal beschäftigt und schaut, kann man es überhaupt dazu benutzen, jetzt zu sagen, die Versorgung ist gut oder die Versorgung ist schlecht. Und welche anderen Kriterien müssen hinzugezogen werden, um eine solche Aussage treffen zu können. Im Augenblick ist es sehr schwierig, Bedarfsplanung zu sagen. Es ist eher nur eine Arztsitzplanung in meinen Augen. Es hat nichts mit dem Bedarf an medizinischen Leistungen der Bevölkerung zu tun.“
Wie kann die Bedarfsplanung gegen Unterversorgung wirken?
Feldmann: „In unterversorgten Gebieten bietet die jetzige Bedarfsplanung heute schon die Möglichkeit, sehr viele Öffnungen vorzunehmen. Die regionalen Landesausschüsse und Zulassungsausschüsse haben dort sehr große Möglichkeiten. Ich glaube, die Bedarfsplanung alleine wird es nicht schaffen, in unterversorgte Regionen Ärzte zu bringen. Wir werden, wenn wir über unterversorgte Gebiete heute reden müssen, – das ist sehr traurig – dann müssen wir eher in einer Zeit anfangen, die weit vorher liegt, bevor die Bedarfsplanung greift, nämlich im Bereich der Aus- und Weiterbildung von jungen Medizinern, und dort schauen, ist diese Aus- und Weiterbildung so angelegt, dass sie auch für die Versorgung der Bevölkerung für die Zukunft ausreichend junge Mediziner zur Verfügung stellt.
Laut Kassen ist das KV-System für das Verteilungsproblem verantwortlich…
Feldmann: „Alle diese Gremien, die sich damit beschäftigen, sind paritätisch mit Krankenkassen und Ärzteseite besetzt. Es kann hier keiner die Verantwortung auf den anderen schieben. Sondern sie sind beide beteiligt. Es wäre schön, wenn beide gemeinsam eine Lösung finden, wie wir zukünftig auch für das Thema Aus- und Weiterbildung und praktisch Schaffung von Grundlagen, um unterversorgte Gebiete besser versorgen zu können, man gemeinsame Lösungen entwickelt.“

Die Bedarfsplanung regelt, wo sich Ärzte und Psychotherapeuten niederlassen dürfen. Das Ziel: eine gleichmäßig gute Versorgung in ganz Deutschland. Doch wie genau kann eine solche Planung aber den wirklichen Behandlungsbedarf der Bevölkerung ermitteln? Ist sie ein Instrument gegen den Ärztemangel? Und was bedeutet sie für die Niedergelassenen in der Praxis? KBV-Vorstand Regina Feldmann erklärt die Hintergründe.

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