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Podiumsdiskussion beim Hauptstadtkongress

Die Freiberuflichkeit in Zeiten der Generation Y

„Die Wünsche und Denkweisen unterscheiden sich bei jungen Ärzten von damals und heute kaum. Wir sprechen es nur aus und werden gehört – auch aufgrund des Ärztemangels. Aber die Wünsche bleiben gleich.“

Mit diesem Statement leitete Christian Kraef, Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, die Diskussionsrunde der KBV beim Hauptstadtkongress 2014 im neu eröffneten City Cube in Berlin ein.

Seinen Worten folgte die Einleitung des Moderators Wolfgang van den Bergh (Chefredakteur der Ärzte Zeitung), der über die gesundheitspolitischen Punkte im Koalitionsvertrag sprach und passend zum Diskussionsthema „Die Freiberuflichkeit in Zeiten der Generation Y“ eine Definition der Generation Y gab. Diese besagt unter anderem, dass zur Generation meist technikaffine Menschen gehören, die um das Jahr 2000 herum Jugendliche waren.

Neben Dr. Ulrike Bös (Mitglied im Deutschen Ärztinnenbund) und Barbara Lubisch (Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung) diskutierten auch der Vorsitzende der KBV-Vertreterversammlung, Hans-Jochen Weidhaas und Dr. Georg Nüßlein (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) mit Kraef.

Die Politik kann nicht alles klären

Nüßlein erklärte zur Rolle der Politik: „Die Politik kann nicht alles klären. Wir können nicht alle Wünsche erfüllen und auch nicht alle erkennen.“ Die Generation Y sei keine einheitliche Masse mit einheitlichen Wünschen. „Aber wir haben einige Probleme erkannt und bereits gesetzlich gegengesteuert.“ Die Politik könne jedoch nicht viel gegen den Ärztemangel machen, wenn Ärzte den Beruf schlecht machten und jammerten. Man solle die Vorzüge der eigenen Hausarztpraxis auf dem Land in der Aus- und Weiterbildung stärker zeigen, erklärte er.

Auf Nüßleins Äußerungen entgegnete Weidhaas: „Die KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen haben den Ärztemangel schon vor vielen Jahren vorhergesagt. Die KBV versucht mit ihrer Kampagne „Lass Dich nieder“ Werbung bei den Nachwuchsmedizinern zu machen und sie so für den Beruf zu gewinnen.“

Die Ärzte hätten den Sicherstellungsauftrag inne, der jedoch auch an Voraussetzungen geknüpft sei. Er sei in den vergangenen Jahren immer stärker ausgehöhlt worden. Freiberufler könne man auch als Angestellter sein – das schließe sich nicht aus, so der KBV VV-Vorsitzende. Die Bedingungen für die Freiberuflichkeit würden aber von Jahr zu Jahr schlechter.

Delegation statt Substitution

Zur Frage aus dem Publikum zur Abgabe von medizinischen Verantwortlichkeiten bei bestehendem Ärztemangel, äußerte sich Nüßlein: „Wir wollen die Möglichkeiten erweitern, Leistungen an medizinisches Fachpersonal zu delegieren.“

Weidhaas erklärte: „Ärzte sagen Ja zur Delegation, jedoch Nein zur Substitution.“ Die Vernetzung sei wichtig zwischen allen Versorgungseinheiten wie Haus- und Fachärzten, Krankenhäusern sowie beispielsweise Ergo- und Physiotherapie. „Durch eine solche sektorenübergreifende Behandlung könnten wir die Versorgungsprobleme gemeinsam verbessern.“

Auch das Thema NC-Abschaffung beim Medizinstudium wurde diskutiert. Dazu erklärte Nüßlein, dass eine reine NC-Abschaffung zu Problemen wie neuen Klagewegen auf Studienplätze führen könnte. Kraef sprach sich ebenfalls gegen eine Abschaffung der Abiturnote als Auswahlkriterium aus, sagte jedoch gleichzeitig, dass das Auswahlverfahren vielfältiger werden müsse, um auf alle Talente und Interessen eingehen zu können.

Teamarbeit statt Einzelkämpfertum

Kraef betonte auch, dass viele junge Mediziner nicht mehr den Weg des klassischen Einzelkämpfers gehen wollen, sondern auf Praxisgemeinschaften und Teamarbeit Wert legen. Die Generation Y habe eher ein vernetztes Denken und sei offen für Delegation.

Ein Fazit zog Kraef am Ende der Veranstaltung: „Das Interesse für eine Niederlassung, und nicht in der Tretmühle Krankenhaus zu arbeiten, ist da.“ Man müsse sich vielleicht nur im Ausland umschauen, sehen was dort richtig und gut gemacht werde und sich die besten Elemente herausnehmen, um den ambulanten Bereich so attraktiver zu machen.“ Als Beispiel nannte er die skandinavischen Länder, in denen es auch für Ärzte möglich ist, geregelte Arbeitszeiten zu haben.

Zusätzlich zu den vielen Veranstaltungen am Eröffnungstag, konnten sich die Besucher im Kongressgebäude auch an den Ständen der verschiedenen Aussteller im Gesundheitsbereich informieren. Neben der KBV präsentierten sich auch Krankenhäuser und Krankenversicherungen sowie Hochschulen und Pharmakonzerne.