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Dapagliflozin

Handelsname: Forxiga®

Anwendungsgebiet: Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2*

Pharmazeutischer Unternehmer: Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA/AstraZeneca GmbH

Beginn des Verfahrens: 15.12.2012

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 06.06.2013

Inhalt des Beschlusses:

Teilindikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Monotherapie, wenn Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren und die Anwendung von Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit als ungeeignet angesehen wird Sulfonylharnstoff (Glibenclamid, Glimepirid) Zusatznutzen ist nicht belegt
Add-on-Kombinationstherapie mit Metformin, wenn Metformin den Blutzucker zusammen mit einer Diät und Bewegung nicht ausreichend kontrolliert Sulfonylharnstoff (Glibenclamid, Glimepirid) + Metformin Zusatznutzen ist nicht belegt
Add-on-Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln (außer Metformin und Insulin), wenn diese den Blutzucker zusammen mit einer Diät und Bewegung nicht ausreichend kontrollieren Metformin + Sulfonylharnstoff (Glibenclamid, Glimepirid)

(Hinweis: Wenn Metformin gemäß Fachinformation nicht geeignet ist, ist Humaninsulin als Therapieoption einzusetzen.)                   
Zusatznutzen ist nicht belegt
Add-on-Kombinationstherapie mit Insulin, wenn eine Insulintherapie den Blutzucker zusammen mit einer Diät und Bewegung nicht ausreichend kontrolliert wird Metformin + Humaninsulin (ggf. Therapie nur mit Humaninsulin, wenn Metformin gemäß Fachinformation unverträglich oder nicht ausreichend wirksam ist) Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Monotherapie, bei Metformin-Unverträglichkeit
Der pharmazeutische Unternehmer hat aufgrund fehlender direkter Vergleichsstudien einen indirekten Vergleich durchgeführt. Die hierin eingeschlossenen Sulfonylharnstoff-Studien bilden jedoch nicht die Anwendungsvoraussetzungen für Dapagliflozin (Metformin-Unverträglichkeit) ab, da überwiegend therapienaive Patienten eingeschlossen wurden. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus dem indirekten Vergleich ist nicht gegeben: Patienten, die bereits eine Therapie mit Metformin durchlaufen und diese aufgrund von Nebenwirkungen abgesetzt haben, befinden sich möglicherweise in einem anderen Krankheitsstadium. Der Zusatznutzen ist daher nicht belegt.      

Add-on-Kombinationstherapie mit Metformin
Zur Bewertung des Zusatznutzens der Zweifachkombinationstherapie lag eine direkt vergleichende Studie vor, in der die Kombination Dapagliflozin/Metformin mit Glipizid/Metformin verglichen wurde. Glipizid ist in Deutschland bereits seit 2007 nicht mehr zugelassen, der Wirkstoff wird jedoch in anderen europäischen Ländern und in den USA noch eingesetzt.

Unter anderem weil im Therapiehinweis zum Wirkstoff Sitagliptin festgestellt wurde, dass Glipizid im Vergleich zu Glibenclamid als gleichermaßen geeignet zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 angesehen werden kann, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bei seiner Bewertung diese Studie berücksichtigt. Aus der vorgelegten Studie ließ sich jedoch kein Zusatznutzen ableiten. In der Studie wurde Glipizid in Abständen von 3 Wochen jeweils von 5 mg auf 10 mg und dann auf 20 mg hochtitriert, wenn die Werte für die Nüchternglukose über 110 mg/dl lagen. Die internationalen Fachinformationen für Glipizid sehen jedoch eine Titration in 5 mg-Schritten vor. Damit entspricht die Dosierungsstufe von 10 mg auf 20 mg (Dosissteigerung von 50% auf 100% der Maximaldosis) nicht der Zulassung.

Dapagliflozin wurde in der Studie in Abständen von 3 Wochen von 2,5 mg auf 5 mg und dann auf 10 mg hochtitriert, sofern die Nüchternblutglukosewerte über 110 mg/dl lagen oder die höchst verträgliche Dosis erreicht wurde. Die zugelassene Dosierung von Dapagliflozin sieht jedoch eine fixe Gabe von 10 mg vor. Der Zusatznutzen ist für dieses Anwendungsgebiet ist daher nicht belegt.

Add-on-Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenden Arzneimitteln
Für die Add-on-Therapie mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln hat der pharmazeutische Unternehmer einen indirekten Vergleich von Dapagliflozin/Sulfonylharnstoffe gegenüber Metformin/Sulfonylharnstoffe durchgeführt. Die auf der Seite der Vergleichstherapie eingeschlossenen beiden Studien sind jedoch nicht zur Bewertung des Zusatznutzens geeignet. Während die eine Studie nicht das Kriterium der Mindeststudiendauer von 24 Wochen erfüllte, lag in der anderen Studie die Dosierung von Glibenclamid deutlich über der in Deutschland zugelassenen Dosierung. Der Zusatznutzen ist nicht belegt. Für die Kombinationstherapie mit DPP-4-Inhibitoren und GLP-1-Analoga hat der pharmazeutische Unternehmer keine Daten vorgelegt, folglich ist der Zusatznutzen nicht belegt.

Add-on-Kombinationstherapie mit Insulin
Die vom pharmazeutischen Unternehmer für die Kombination mit Insulin vorgelegten drei Studien sind aus Sicht des G-BA nicht zur Bewertung des Zusatznutzens geeignet, da insbesondere in der Vergleichsgruppe eine Anpassung der Insulintherapie an individuelle Notwendigkeiten grundsätzlich untersagt war. Nur in einer Studie durfte – allerdings erst in der zweiten Studienhälfte – eine Änderung des Therapieschemas unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen. In der ersten Studienhälfte war eine Anpassung untersagt. Der Zusatznutzen ist nicht belegt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Für die Kombinationstherapie von Dapagliflozin mit GLP-1-Analoga liegen bislang keine Studien vor.