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Bosutinib

Handelsname: Bosulif®

Anwendungsgebiet: Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie*

Pharmazeutischer Unternehmer: Pfizer Pharma GmbH

Beginn des Verfahrens: 01.05.2013

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 17.10.2013

Inhalt des Beschlusses:

Indikation

zweckmäßige Vergleichstherapie

Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Philadelphia-Chromosom positive chronisch myeloische Leukämie in der chronischen Phase, akzelerierten Phase und in der Blastenkrise nach Vorbehandlung mit mindestens einem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI)*
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudie
Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Für Patienten mit Philadelphia-Chromosom positiver chronisch myeloischer Leukämie (CML) in der oben beschriebenen Therapiesituation gibt es keine empfohlene Standardtherapie. Bosutinib wurde von der europäischen Zulassungsbehörde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen: Vom pharmazeutischen Unternehmer werden weitere Nachweise erwartet, um eine Neubewertung zu ermöglichen. Der Hersteller führt eine weitere einarmige Studie zu Wirksamkeits- und Sicherheitsendpunkten an 150 Patienten durch, deren Ergebnisse in fünf Jahren erwartet werden.

Bosutinib ist zudem als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs schon durch die Zulassung als belegt; lediglich das Ausmaß des Zusatznutzens ist vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festzulegen. Die Bewertung erfolgt auf Basis der in den Zulassungsstudien vom Hersteller gewählten Vergleichstherapie. Allerdings wurde Bosutinib auf Grundlage einer unkontrollierten Studie zugelassen.

In diese einarmige Phase-I/II-Studie wurden insgesamt 546 Patienten mit CML eingeschlossen, die eine Resistenz oder Intoleranz gegen Imatinib aufwiesen. Auf Vorschlag der Zulassungsbehörde wurde im Nachgang eine Patientensubgruppe nach TKI-Vorbehandlung definiert, bei der eine sogenannte Versorgungslücke bestand. Die Ergebnisse dieser 52 Patienten wurden getrennt nach Erkrankungsphase und Therapielinie ausgewertet. In der Subgruppe Zweitlinientherapie der chronischen Phase verstarben bis März 2011 40% der Patienten, in der Dritt- und Viertlinientherapie der chronischen Phase 24%, in der akzelerierten Phase 60% und in der Blastenkrise 82%. Unter Bosutinib traten insbesondere folgende schwere unerwünschte Ereignisse auf: „Erkrankungen des Blutes und Lymphsystems“ 34,6%, „Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts“ 19,2% sowie „Erhöhte Transaminasen“ 5,8%.

Den Zusatznutzen von Bosutinib hat der G-BA aufgrund des fehlenden Vergleichsarms der Zulassungsstudie sowie der geringen Patientenzahl in der zulassungsrelevanten Subpopulation folgendermaßen bewertet: Ein Zusatznutzen liegt vor, ist jedoch aufgrund der wissenschaftlichen Datenlage nicht quantifizierbar. Die Geltungsdauer des Beschlusses ist vor dem Hintergrund der bedingten Zulassung auf fünf Jahre befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Seitens der europäischen Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) werden im EPAR Myelosuppression, hepatische, gastrointestinale, kardiale und immunologische Nebenwirkungen als unerwünschte Ereignisse von besonderer Bedeutung adressiert. Die Patienten sind über die genannten Risiken zu informieren und sorgfältig auf entsprechende Anzeichen hin zu beobachten.

Die EMA stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Bosutinib wurde von der EMA unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die EMA wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und, falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aktualisiert werden.

Die Einleitung und Überwachung der Therapie sollte durch einen in der Therapie dieser Erkrankung erfahrenen Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.