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Afatinib

Dieser Beschluss ist nicht mehr gültig. Er wurde durch den Beschluss des G-BA vom 05.11.2015 ersetzt.

Handelsname: Giotrif®

Anwendungsgebiet: Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem und/oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit aktivierenden EGFR-Mutationen*

Pharmazeutischer Unternehmer: Boehringer Ingelheim Pharma

Beginn des Verfahrens: 15.11.2013

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 08.05.2014

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
Noch nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status** 0 oder 1
  • Gefitinib oder Erlotinib

oder

  • Cisplatin in Kombination mit Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin, Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel, Pemetrexed) unter Beachtung des jeweils zugelassenen Anwendungsgebiets
Patientengruppe mit EGFR-Mutation Del19:
Hinweis für einen beträchtlichen Zusatznutzen
Patientengruppe mit EGFR-Mutation L858R:
Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen
Patientengruppe mit anderen EGFR-Mutationen:
Hinweis für einen geringeren Nutzen
Noch nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status** 2
  • Gefitinib oder Erlotinib

oder

  • Gemcitabin
Zusatznutzen ist nicht belegt
Mit einer oder mehreren Chemotherapie(n) vorbehandelte Patienten
  • Gefitinib oder Erlotinib
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** ECOG-Performance-Status = Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status

Zusammenfassung:

Der pharmazeutische Unternehmer hatte unter anderem die Ergebnisse einer Zwischenanalyse der randomisierten, offenen Phase-III-Zulassungsstudie LUX-Lung 3 mit 345 Patienten vorgelegt, in der Afatinib als First-Line-Therapie gegen eine Kombination von Cisplatin + Pemetrexed verglichen wurde.

Für den Endpunkt Gesamtüberleben wurde eine Effektmodifikation durch den EGFR-Mutationsstatus festgestellt. Patienten mit einer Del19-Mutation zeigten unter Afatinib eine Verlängerung des Gesamtüberlebens von 21,13 auf 31,57 Monate. Bei Patienten mit einer L858R-Mutation konnte hingegen kein Überlebensunterschied gezeigt werden. In der heterogenen Gruppe von Patienten mit anderen Mutationen war Afatinib der Vergleichstherapie sogar unterlegen.

Hinsichtlich der Symptomatik gab es insgesamt sowohl Vorteile (Dyspnoe, Übelkeit und Erbrechen, Husten, Fatigue, Haarausfall) als auch Nachteile (Diarrhö, Mundschmerzen, Schluckbeschwerden) unter Afatinib, wobei die positiven Aspekte überwogen. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität war vergleichbar gut; bei der körperlichen Funktion zeigte sich hier für Patienten mit einer Del19-Mutation sogar ein Vorteil. Bezüglich der Nebenwirkungen zeigten sich bei unterschiedlichem Nebenwirkungsprofil (siehe oben) insgesamt keine signifikanten Unterschiede.

Die Studie LUX-Lung 3 war zum Zeitpunkt der Einreichung des Dossiers zur Nutzenbewertung noch nicht abgeschlossen. Die geplante finale Auswertung des Gesamtüberlebens liegt noch nicht vor. Auf dieser Basis ist eine höhere Aussagesicherheit für die Ergebnisse zum Gesamtüberleben zu erwarten. Auch wird erwartet, dass weitere differenzierte Ergebnisse im Hinblick auf die heterogene Gruppe der Patienten mit anderen EGFR-Mutationen vorgelegt werden.

Die Geltungsdauer des Beschlusses ist vor diesem Hintergrund auf ein Jahr befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Afatinib darf nur durch in der Therapie von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie oder Fachärzte für Lungenheilkunde und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Vor Beginn einer Behandlung mit Afatinib sollte regelhaft der EGFR-Mutationsstatus vorliegen. Die Bestimmung des EGFR-Mutationsstatus muss in einer qualitätsgesicherten Laboreinrichtung und mit einem validierten und robusten Verfahren erfolgen, um falsch negative oder falsch positive Ergebnisse zu vermeiden.