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Stand 20.05.2014

Reden

Nachwuchskampagne "Lass dich nieder"

Neue Ärzte braucht das Land - Statement des KBV-Vorstands, Dipl.-Med. Regina Feldmann

Sehr geehrte Damen und Herren,

was ist das Ziel einer medizinischen Aus- und Weiterbildung? Es ist der praktisch befähigte Arzt, der die Versorgung der Bevölkerung sicherstellt. Das klingt wie ein Allgemeinplatz, doch die Umsetzung stößt zunehmend auf Schwierigkeiten. Herr Dr. Gassen hat einige der Ursachen genannt.

Wir müssen gegensteuern, und zwar schnell. Denn selbst wenn wir jetzt damit anfangen, werden wir frühestens in zehn, zwölf Jahren erste Ergebnisse sehen können. Denn so lange dauert es mindestens, bis ein Studienanfänger im Fach Medizin als fertiger Facharzt in der Praxis ankommt.

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt sich bei einem kurzen Blick auf die neuesten Zahlen. Schon heute haben wir mehr niedergelassene Ärzte, die über 65 Jahre alt sind, als unter 40-Jährige! Und dieser Trend wird sich weiter verschärfen. 44 Prozent aller Vertragsärzte sind heute zwischen 50 und 59 Jahre alt.

Die 60- bis 65-Jährigen stellen die zweitstärkste Altersgruppe mit einem Anteil von 20 Prozent. Besonders gravierend ist die Lage bei den Hausärzten: 42 Prozent von ihnen werden in den kommenden zehn Jahren ausscheiden.

Auf der anderen Seite ist die ambulante Tätigkeit oder gar die Selbstständigkeit in eigener Praxis etwas, was unter angehenden Ärzten mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Das hat verschiedene Gründe. Dazu gehört die Sorge wegen des wirtschaftlichen Risikos der Selbstständigkeit, die Angst vor Regressen, oder die Befürchtung, zu wenig Zeit für das eigene Privatleben zu haben.

Oft ist es aber auch einfach mangelndes Wissen darüber, wie es wirklich ist, in einer Praxis zu arbeiten. Nur ein ganz geringer Teil der Medizinerausbildung sieht heutzutage das Lernen in einer ambulanten Einrichtung vor. Die angehenden Ärzte haben also kaum die Chance, die Arbeit in einer Praxis wirklich kennenzulernen.

Selbst nach der Approbation ist fast ausschließlich das Krankenhaus als Ort der Weiterbildung zum Facharzt vorgesehen. Einzige Ausnahme ist die Allgemeinmedizin. Zwar gibt es auch Niedergelassene, die Ärzte in Weiterbildung in ihren Praxen beschäftigen. Anders als im Krankenhaus gibt es hier jedoch keine verbindliche Finanzierungsregelung, was dazu führt, dass die Weiterbildung in Praxen gegenüber der an Krankenhäusern auch finanziell benachteiligt ist.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben in den letzten Jahren viel unternommen, um die flächendeckende Versorgung auch unter den sich ändernden Rahmenbedingungen sicherzustellen. So sind die Möglichkeiten, ambulant zu arbeiten, heute sehr viel flexibler als noch vor zehn Jahren:

Sei es in eigener Praxis oder angestellt, in Teilzeit oder in Kooperation mit anderen Ärzten. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat sich deutlich verbessert. Die KVen haben viele verschiedene Maßnahmen ergriffen, um jungen Ärzten den Einstieg in die Niederlassung zu erleichtern, beispielsweise indem sie das wirtschaftliche Risiko für die ersten Jahre übernehmen. Doch all das reicht nicht, wir müssen viel früher ansetzen, eben schon in der Aus- und Weiterbildung.

Es ist erwiesen, dass Studierende umso mehr Interesse und Begeisterung für die Niederlassung zeigen, wenn sie schon früh eigene Erfahrungen in einer Praxis machen können. Das bestätigen übrigens auch die Teilnehmer an unserem Kampagnen-Shooting. So berichtete einer von ihnen beispielsweise, erst durch die Arbeit in einer allgemeinmedizinischen Praxis während des Praktischen Jahres sei ihm klar geworden: „Ja, so möchte ich später auch einmal arbeiten.“

Die KBV hat zahlreiche Maßnahme in die Wege geleitet, Vorschläge gemacht und Forderungen gestellt, um der ambulanten und grundversorgenden Tätigkeit den nötigen Stellenwert einzuräumen. Dazu gehört:

1. Erweiterte Zulassungskriterien zum Studium, indem ein ernsthaftes Interesse an der Arbeit mit Patienten sowie praktische Vorerfahrungen stärker berücksichtigt werden
2. Ein früherer Kontakt mit der ambulanten Versorgung schon während des Studiums
3. Stärkung der Allgemeinmedizin und anderer grundversorgender Fächer in der Aus- und Weiterbildung
4. Eine gesicherte Finanzierung der ambulanten Weiterbildung und gleiche tarifliche Konditionen wie im Krankenhaus
5. Ausbau ambulanter Förderprogramme und einer besseren Koordinierung der Weiterbildungsstationen.

Dies sind nur einige Maßnahmen aus einem umfangreichen Katalog, an dem die KBV zurzeit arbeitet. Dabei suchen wir den Schulterschluss mit anderen ärztlichen und universitären Organisationen. Das allein wird jedoch nicht ausreichen. Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge und insofern eine staatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der alle an einem Strang ziehen müssen.

Vielen Dank.
(Es gilt das gesprochene Wort.)