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Vandetanib

Handelsname: Caprelsa®

Anwendungsgebiet: Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Erwachsenen mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung*

Pharmazeutischer Unternehmer: AstraZeneca

Beginn des Verfahrens: 15.03.2013

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 05.09.2013

Inhalt des Beschlusses:

Indikation

zweckmäßige Vergleichstherapie

Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Erwachsenen*

Best-Supportive-Care**

Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.  ** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

2012 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) festgestellt, dass der Zusatznutzen von Vandetanib aufgrund eines unvollständig vorgelegten Dossiers als nicht belegt gilt (Beschluss vom 06.09.2012).

In solchen Fällen hat der Gesetzgeber geregelt, dass pharmazeutische Unternehmen eine erneute Nutzenbewertung beantragen dürfen. Voraussetzung ist, dass das erste Verfahren bis zum 31.12.2012 abgeschlossen wurde. Einem entsprechenden Antrag für Vandetanib wurde stattgegeben.

Die europäische Zulassungsbehörde hat Vandetanib unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Vom Hersteller werden weitere Nachweise zum Rearranged during Transfection (RET)-Mutationsstatus erwartet, um eine Neubewertung zu ermöglichen. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde Best-Supportive-Care (BSC)** festgelegt, da für die Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bislang keine Wirkstoffe zugelassen sind.

Der Hersteller legte die Ergebnisse einer Zwischenanalyse der randomisierten Phase-III-Zulassungsstudie für die relevante Zulassungspopulation von 126 Patienten mit Vandetanib in Kombination mit BSC gegen 60 Patienten mit BSC vor. Nach Progression des medullären Schilddrüsenkarzinoms wurde entblindet, und Patienten hatten die Möglichkeit, in den Vandetanib-Arm zu wechseln (Cross-Over). Die abschließende Studienauswertung stand zum Zeitpunkt des Verfahrens noch aus.

Unter Vandetanib zeigte sich ein signifikanter Vorteil in der medianen Zeit bis zur Schmerzprogression: 11,1 Monate unter Vandetanib gegenüber 3,4 Monate unter Placebo. Der G-BA bewertete den Effekt zwar als patientenrelevant, allerdings standen dem statistisch signifikant häufiger schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen und fehlende Daten zur Lebensqualität gegenüber.

In der Gesamtschau bewertete der G-BA die Ergebnisse als geringen Zusatznutzen. Das Verzerrungspotential auf Studienebene wurde insbesondere aufgrund des Cross-Over als hoch bewertet, weshalb die Aussagesicherheit als Anhaltspunkt eingestuft wurde.

Die Geltungsdauer des Beschlusses zu Vandetanib war zunächst bis zum 05.09.2016 befristet. Die Zulassungsbehörde erwartet weitere Nachweise für den Nutzen, insbesondere bei Patienten ohne RET-Mutation. Zwischenzeitlich wurde die Befristung bis zum 01.10.2020 verlängert.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Vandetanib wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nutzennachweise erwartet werden, insbesondere hinsichtlich des Nutzens bei Patienten ohne RET-Mutationsstatus. Es soll eine Studie durchgeführt werden, um dies zu untersuchen. Die EMA wird neue Informationen mindestens jährlich bewerten und, falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale von Vandetanib aktualisiert.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Vandetanib soll durch einen in der Therapie von Patienten mit dieser Erkrankung erfahrenen Facharzt erfolgen (Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie, weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte aus anderen Fachgruppen), oder die Verordnung erfolgt auf Empfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz hin. Die sechs vorgenannten Ärzte müssen die Bedingungen der im EPAR geforderten Anforderungen hinsichtlich des Schulungsmaterials und der Ausstattung erfüllen.

Ganzen Text anzeigen

Das durch den Zulassungsinhaber zur Verfügung gestellte Schulungsmaterial soll folgendes enthalten:

  • Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) und Packungsbeilage
  • Schulungsmaterial für Ärzte
  • Patientenpass (Wortlaut wie mit dem CHMP vereinbart)

Das Schulungsmaterial für Ärzte soll folgende Kernbotschaften enthalten:

  • Vandetanib verlängert das QTc-Intervall und kann Torsade de pointes und plötzlichen Herztod auslösen
  • Vandetanib darf nicht bei Patienten angewendet werden:
  1. deren QTc-Intervall im EKG größer als 480 ms ist
  2. die ein kongenitales Long-QTc-Syndrom haben
  3. die Torsade de pointes in der Vergangenheit hatten, sofern nicht alle Risikofaktoren, die zu den Torsade de pointes beigetragen haben, korrigiert wurden
  • Die Notwendigkeit von EKG, Messungen des Kalium-, Kalzium- und Magnesiumspiegels sowie des thyroid-stimulierenden Hormons (TSH) sowie die Häufigkeit und Anlässe zu denen diese vorgenommen werden sollen
  • Patienten, deren korrigiertes QTc-Intervall im EKG sich einmalig auf mindestens 500 ms erhöht, sollten Vandetanib absetzen. Die Gabe kann mit reduzierter Dosierung wieder aufgenommen werden, nachdem das QTc-Intervall im EKG nachweislich wieder den gleichen Status wie vor der Behandlung erreicht hat und der Elektrolythaushalt ausgeglichen wurde
  • Wenn das QTc-Intervall erheblich ansteigt, aber unter 500 ms bleibt, sollte ein Kardiologe zu Rate gezogen werden
  • Angaben zu Arzneimitteln, bei denen die gleichzeitige Gabe von Vandetanib kontraindiziert ist oder nicht empfohlen wird
  • Dass Vandetanib ein posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES) auslösen könnte, welches auch als reversibles posteriores Leukenzephalopathie-Syndrom (RPLS) bekannt ist
  • PRES sollte bei Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen Krampfanfälle, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder eine Veränderung der mentalen Funktion auftreten. Ein MRT des Gehirns sollte bei jedem Patienten mit Krampfanfäl-len, Konfusion oder veränderter mentaler Funktion durchgeführt werden
  • Den Beratungsbedarf für Patienten über die Risiken der QTc-Intervall-Verlängerung und PRES sowie die zu beachtenden Symptome und Anzeichen und die entsprechenden Maßnahmen
  • Die Bedeutung und Benutzung des Patientenpasses