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Dolutegravir

Handelsname: Tivicay®

Anwendungsgebiet: Behandlung der antiretroviralen Infektion mit HIV*

Pharmazeutischer Unternehmer: ViiV Healthcare GmbH

Beginn des Verfahrens: 15.02.2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 07.08.2014

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
antiretrovirale Infektion mit HIV* therapienaive Erwachsene:
Efavirenz in Kombination mit zwei Nukleosid-/ Nukleotidanaloga (Tenofovir + Emtricitabin oder Abacavir + Lamivudin Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen
therapienaive Jugendliche ab 12 Jahre:
Efavirenz in Kombination mit Abacavir + Lamivudin Zusatznutzen ist nicht belegt
therapieerfahrene Erwachsene, für die eine Behandlung mit einem Integrase-Inhibitor die erste Therapieoption darstellt:
Raltegravir in Kombination mit einer individuellen Backbone-Therapie in Abhängigkeit der
Vortherapie(n) und unter Berücksichtigung des Grundes für den Therapiewechsel,
insbesondere Therapieversagen aufgrund eines virologischen Versagens und etwaig
einhergehender Resistenzbildung oder aufgrund von Nebenwirkungen.
Die jeweilige Zulassung der Präparate ist zu beachten.
Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen
therapieerfahrene Erwachsene, für die eine Behandlung mit einem Integrase-Inhibitor eine nachrangige Therapieoption darstellt, sowie therapieerfahrene Jugendliche ab 12 Jahre:
Individuelle antiretrovirale Therapie in Abhängigkeit der Vortherapie(n) und unter Berücksichtigung des Grundes für den Therapiewechsel, insbesondere Therapieversagen aufgrund eines virologischen Versagens und etwaig einhergehender Resistenzbildung oder aufgrund von Nebenwirkungen.
Die jeweilige Zulassung der Präparate ist zu beachten.
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die zweckmäßige Vergleichstherapie differenziert nach der Vortherapie, dem Alter der Patienten und dem Zulassungsstatus der in Frage kommenden Arzneimittel festgelegt.

Für therapienaive Erwachsene wurden die randomisierte, kontrollierte Phase-IIb-Studie (RCT) SPRING-1 mit 103 Patienten und die Phase-III-Studie SINGLE mit 844 Patienten vorgelegt. Nach 96 Wochen zeigte sich ein signifikanter Vorteil von Dolutegravir gegenüber Efavirenz jeweils add-on zu zwei Nukleosid-/Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren: Das virologische Ansprechen verbesserte sich um 8,2%-Punkte auf 78,3%. Hinsichtlich der Arzneimittelsicherheit zeigten sich bei unerwünschten Ereignissen, die zum Therapieabbruch führen, sowie bei Hautausschlägen und Erkrankungen des Nervensystems (hier jedoch nur bei Männern) signifikante Vorteile beträchtlichen Ausmaßes. Vor dem Hintergrund des Erkrankungsverlaufes mit der Erfordernis einer lebenslangen Therapie bewertet der G-BA die Ergebnisse als eine bisher nicht erreichte moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens bzw. als eine klinisch bedeutsame Abschwächung nicht schwerwiegender und schwerer Nebenwirkungen und somit in der Gesamtschau als beträchtlichen Zusatznutzen von Dolutegravir.

Für vorbehandelte Erwachsene wurde die randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie SAILING mit 724 vorbehandelten Patienten ohne Resistenzen gegen Integrase-Inhibitoren (INI) vorgelegt. Hier zeigte sich unter Dolutegravir gegenüber Raltegravir jeweils add-on zu einer individuellen Hintergrundtherapie nach 48 Wochen eine signifikante Verbesserung des virologischen Ansprechens um 7,2%-Punkte auf 70,9%. Hinsichtlich der Arzneimittelsicherheit zeigte sich bei Erkrankungen des Nervensystems (hier jedoch nur für Patienten ab 50 Jahren) und bei schweren unerwünschten Ereignissen Grad 3-4 ein geringer, aber signifikanter Vorteil. In der Gesamtschau bewertet der G-BA die Ergebnisse als eine bisher nicht erreichte moderate Verbesserung des therapierelevanten Nutzens sowie als eine mehr als nur geringfügige Vermeidung von Nebenwirkungen und somit als geringen Zusatznutzen von Dolutegravir.

Die Bewertungen des G-BA stützen sich für alle Subgruppen mit einen Zusatznutzen maßgeblich auf den Vorteil bei den Nebenwirkungen und auf die Senkung der Viruslast. Das Verzerrungspotenzial der vorgelegten Studien wird als niedrig eingeschätzt. Die Aussagesicherheit wird deshalb bei zwei RCTs (therapienaive Erwachsene) in die Kategorie „Beleg“ und bei einer RCT (vorbehandelte Erwachsene, sofern eine INI-Behandlung die erste Therapieoption ist) in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.

Der pharmazeutische Unternehmer hat keine Daten vorgelegt, die Aussagen zum Zusatznutzen für Jugendliche oder für vorbehandelte Erwachsene, für die eine INI-Behandlung eine nachrangige Therapieoption ist, erlauben. Für diese Patientengruppen ist ein Zusatznutzen daher nicht belegt.

Hinweise für die Praxis

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Therapie muss durch einen in der Diagnosestellung und Behandlung der HIV-Infektion erfahrenen Arzt erfolgen.