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Elektronischer Arztbrief

eArztbrief

Informationen schnell und sicher übermitteln

Ärzte und Psychotherapeuten können schon länger elektronische Arztbriefe (eArztbriefe) direkt aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS) heraus versenden und empfangen. Das E-Health-Gesetz sieht dafür eine besondere Förderung vor: Für das Jahr 2017 erhalten Ärzte und Psychotherapeuten für den Versand und Empfang eines eArztbriefes eine Pauschale von insgesamt 55 Cent. Voraussetzung ist, dass dessen Übertragung sicher erfolgt und der Papierversand entfällt. Ärzte und Psychotherapeuten benötigen für den Versand den elektronischen Heilberufsausweis, um damit qualifizierte elektronische Signaturen (QES) erstellen zu können. Das PVS und das eArztbrief-Modul müssen von der KBV zugelassen sein.

Übergangsregelung gilt ab 1. Januar 2018

Die Förderung lief vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017. Danach sollten eArztbriefe nur noch vergütet werden, wenn sie mit einem Kommunikationsdienst in der Telematikinfrastruktur verschickt werden. So sieht es das E-Health-Gesetz vor. Da ein solcher Dienst noch nicht zur Verfügung steht, konnte sich die KBV mit den Krankenkassen darauf einigen, übergangsweise an der bisherigen technischen Umsetzung und Vergütung festzuhalten. Eine Richtlinie regelt die Details zu Inhalt, Struktur sowie Übermittlung der Briefe, eine Vergütungsvereinbarung die Abrechnung. 

Technische Anforderungen

Für den Versand und Empfang der eArztbriefe muss ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) verwendet werden. Ein solches Netzwerk ist zum Beispiel das Sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen. Zudem ist ein Praxisverwaltungssystem notwendig, das durch die KBV für den eArztbrief zertifiziert ist.

Besondere Sicherheitsanforderungen werden auch an den Kommunikationsdienst zur Übermittlung der Briefe gestellt. Er muss unter anderem eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachricht sowie die eindeutige Identifizierung von Absender und Empfänger gewährleisten. Diese Voraussetzungen erfüllen beispielsweise der Kommunikationsdienst KV-Connect oder der in Schleswig-Holstein zur Verfügung stehende E-Mail-Dienst KV-SafeMail.

Vergütung des elektronischen Arztbriefes

Da sowohl Sender als auch Empfänger in die technische Infrastruktur investieren müssen, um Arztbriefe elektronisch übermitteln zu können, wird die Förderung von 55 Cent pro Brief zwischen beiden aufgeteilt.

Gebührenordnungspositionen

GOP Bezeichnung Vergütung
86900 Versenden eines elektronischen Briefes je Empfänger-Praxis 28 Cent
86901 Empfangen eines elektronischen Briefes 27 Cent

Der elektronische Versand von Arztbriefen ersetzt den Versand mit Post- und Kurierdiensten. Das heißt: Werden die oben aufgeführten Abrechnungspositionen berechnet, können für denselben Brief an denselben Adressaten nicht die Kostenpauschalen für Portokosten GOP 40120 bis 40126 abgerechnet werden.

Obergrenze beim Versand

Die Vergütung erfolgt dabei nicht aus der begrenzten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV), sondern extrabudgetär. Beim Versand gibt es allerdings eine Obergrenze, die abhängig von der Fachgruppe ist und sich an der Anzahl der Behandlungsfälle in dem jeweiligen Quartal orientiert. Dabei können für einen Patienten auch mehrere Briefe verschickt werden.

Diese Obergrenzen werden wie folgt berechnet:

  • Für Fachärzte für Strahlentherapie:
    Die Anzahl der Behandlungsfälle in dem jeweiligen Quartal, multipliziert mit dem Faktor 3.
    Ein Beispiel: Ein Strahlenmediziner mit 1.120 Behandlungsfällen im Quartal darf die GOP 86900 in diesem Zeitraum maximal 3.360 Mal abrechnen.
  • Für Labormediziner, Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie, Kardiologie, Nephrologie sowie schwerpunktübergreifend und Fachärzte für Radiologie und Nuklearmedizin:
    Die Anzahl der Behandlungsfälle in dem jeweiligen Quartal, multipliziert mit dem Faktor 2.
    Ein Beispiel: Ein Kardiologe mit 1.120 Behandlungsfällen im Quartal darf die GOP 86900 in diesem Zeitraum maximal 2.240 Mal abrechnen.
  • Für alle anderen Fachgruppen mit dem Faktor 1.
    Ein Beispiel: Eine Hausarztpraxis mit 1.120 Behandlungsfällen im Quartal darf die GOP 86900 in diesem Zeitraum maximal 1.120 Mal abrechnen.

Aktuelle Regelung ist zeitlich begrenzt

Die Vergütungsvereinbarung endet spätestens am 30. Juni 2019 bzw. sobald ein Kommunikationsdienst in der Telematikinfrastruktur (TI) zur Verfügung steht. In der Richtlinie wurde eine Übergangsfrist von 6 Monaten ab Verfügbarkeit des ersten Dienstes in der TI vereinbart. Nach Ende der Übergangsfrist dürfen Ärzte und Psychotherapeuten den eArztbrief nur noch dann abrechnen, wenn sie einen Kommunikationsdienst in der TI nutzen. Wenn diese Dienste verfügbar sind, wird auch die Richtlinie entsprechend angepasst.

Das benötigen Ärzte, um den eArztbrief nutzen zu können

Das benötigen Ärzte, um den eArztbrief nutzen zu können:

 

  1. PVS-Softwaremodul eArztbrief:
    Übersicht darüber, welche Zertifizierungen die einzelne Software abgeschlossen hat
  2. Zugang zum Sicheren Netz der KVen:
    Anbieter-Übersicht
  3. Registrierung für KV-Connect (Kommunikationsdienst im SNK):
    Zugangsdaten sowie eine persönliche E-Mail-Adresse erhalten Ärzte und Psychotherapeuten kostenfrei bei ihrer KV.
  4. eHBA
    Antrag bei der Landesärztekammer oder Landespsychotherapeutenkammer
  5. Kartenlesegerät mit QES-Funktion
  6. Signiersoftware:
    Spezielle Signiersoftware bieten zum Beispiel die Trustcenter an, die auch den eHBA ausgeben.

Versand nur mit elektronischem Heilberufsausweis

Zum Versenden von eArztbriefen benötigen Ärzte und Psychotherapeuten einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA). Der Ausweis wird für die Identifizierung des Inhabers im elektronischen Netz benötigt. Mit ihm kann auch eine rechtssichere elektronische Unterschrift erstellt werden: die qualifizierte elektronische Signatur (QES).

Der eHBA für Ärzte wird über die Landesärztekammern ausgegeben, für Psychotherapeuten ist die Landespsychotherapeutenkammer zuständig. Dort erhalten Interessenten auch alle weiteren Informationen, zum Beispiel zur Antragstellung und zu den Kosten.

Im Rahmen der Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur werden die monatlichen Kosten für den eHBA zur Hälfte übernommen.

 

 

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