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KBV Herbsttagung

Perspektiven des Sicherstellungsauftrages

5. Oktober 2016 in Berlin

Die KBV hat mit ihrer ersten Herbsttagung das Thema „Sicherstellung“ in den Fokus gerückt.

  • Auf dem Mittagspodium diskutierte die stellv. KBV-Vorstandsvorsitzende Dipl.-Med. Regina Feldmann mit Maria Michalk (MdB) und Franz Knieps (BKK-Dachverband). (Foto: Grüneberg - KBV)

    Auf dem Mittagspodium diskutierte die stellv. KBV-Vorstandsvorsitzende Dipl.-Med. Regina Feldmann mit Maria Michalk (MdB) und Franz Knieps (BKK-Dachverband). (Foto: Grüneberg - KBV)

  • Diskussion über die Zukunftsfähigkeit der ambulanten geriatrischen Versorgung. V.l.: Sabine Jansen, PD Dr. Mathias Pfisterer, Dr. Burkhard John, Jörg-Christian Renz (Foto: Grüneberg - KBV)

    Diskussion über die Zukunftsfähigkeit der ambulanten geriatrischen Versorgung. V.l.: Sabine Jansen, PD Dr. Mathias Pfisterer, Dr. Burkhard John, Jörg-Christian Renz (Foto: Grüneberg - KBV)

  • Diskutierten die Ambulantisierung der Weiterbildung (v.li) Prof. Dr. Martina Kadmon, Universität Oldenburg, Dr. Günther Jonitz, ÄK Berlin und Prof. Dr. Ferdinand Gerlach aus dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen (Foto: Grüneberg - KBV)

    Diskutierten die Ambulantisierung der Weiterbildung (v.li) Prof. Dr. Martina Kadmon, Universität Oldenburg, Dr. Günther Jonitz, ÄK Berlin und Prof. Dr. Ferdinand Gerlach aus dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen (Foto: Grüneberg - KBV)

  • Eröffnet wurde die Tagung durch ein Podiumsgespräch zwischen KBV-Vorstand Dr. Andreas Gassen und DKG-Präsident Thomas Reumann. Der Moderator war Dr. Robert Paquet (Foto: Grüneberg - KBV)

    Eröffnet wurde die Tagung durch ein Podiumsgespräch zwischen KBV-Vorstand Dr. Andreas Gassen und DKG-Präsident Thomas Reumann. Der Moderator war Dr. Robert Paquet (Foto: Grüneberg - KBV)

  • Stellten die neusten Modelle und Erkenntnisse zur Bedarfsplanung vor. Dr. Werner Maier, Helmholtz-Zentrum, Prof. Dr. Leonie Sundmacher, LMU München und Prof. Dr. Reinhard Busse, TU Berlin (Foto: Grüneberg - KBV)

    Stellten die neusten Modelle und Erkenntnisse zur Bedarfsplanung vor. Dr. Werner Maier, Helmholtz-Zentrum, Prof. Dr. Leonie Sundmacher, LMU München und Prof. Dr. Reinhard Busse, TU Berlin (Foto: Grüneberg - KBV)

Etwa 150 Gäste folgten der Einladung in das VKU Forum in Berlin. Zahlreiche namhafte Redner erörterten in insgesamt 14 Diskussionsrunden, Podien und Fachvorträgen die Themen:

Nachwuchssicherung

Anforderungen des demografischen Wandels

(Bedarfs) Planung

Versorgungskonzept zur spezifischen geriatrischen Versorgung

Auf der Veranstaltung ist das Versorgungskonzept der KBV zur spezifischen geriatrischen Versorgung durch ein interdisziplinäres Team in Schwerpunktpraxen vorgestellt worden. Damit verfolgt die KBV das Ziel, Strukturen zur Versorgung geriatrischer Patienten nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ zu schaffen.

Neue Modellrechnung ermöglicht Arztzahlprognose

Weiterhin präsentierte die KBV erstmals eine Arztzahlprognose, die bis in das Jahr 2030 reicht.

Die Ergebnisse der Modellrechnung zeigen einen künftig moderaten Anstieg der medizinischen Nachfrage im Vergleich zum ärztlichen Angebot. Besonders betrifft das Hausärzte und die sogenannten fachärztlichen Grundversorger.

„Mit der Arztzahlprognose können wir nun genauer argumentieren, an welchen Stellschrauben wir nachjustieren müssen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. Andreas Gassen.

Dipl.-Med. Regina Feldmann, stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende, drängte auf eine Veränderung der medizinischen Ausbildung und eine Stärkung der Weiterbildung, um diese Entwicklung zu stoppen.

Das Programm auf einen Blick

Das Programm auf einen Blick

9.30-10.00 Uhr Moderiertes Gespräch zur Eröffnung: Planung oder Management - Governance im Gesundheitswesen
Nachwuchssicherung Demografischer Wandel Bedarfsplanung
10.15-12.15 Uhr Weiterbildung - der Weg in die ambulante Versorgung Geriatrische Schwerpunktpraxen – ein Zukunftsmodell Was ist Bedarf? - Definitionen und Standpunkte
12.15-13.00 Uhr Mittagessen
13.00-14.00 Uhr Gesundheitspolitisches Podium: Versorgungsauftrag - was ist der ärztliche Anteil?
14.15-15.00 Uhr Arztzahlprognose Wohngemeinschaften und Co – Neue Formen der Häuslichkeit in der ambulanten Versorgung Sektorenüber-greifende Planung: Notfallversorgung
15.15-16.00 Uhr Berufsbildentwicklung Multiprofessionelle Teams bei der Arbeit – Von der Theorie zur Praxis Internationale Planungsansätze
16.00-17.00 Uhr Ausklang

Planung oder Management - Governance im Gesundheitswesen

Zum Auftakt der Veranstaltung diskutierte KBV-Chef Gassen mit dem Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Thomas Reumann. Beide Diskutanten waren sich einig, dass der ambulante und der stationäre Sektor die Probleme der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung nur gemeinsam lösen können.

Gassen sieht viele Berührungspunkte die eine Kooperation sinnvoll machen, sprach sich jedoch gegen eine generelle Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung aus. Vielmehr solle es neue Strukturen für die Versorgung geben. Er betonte, dass die ärztliche Selbstverwaltung mehr Spielräume und weniger staatliche Eingriffe bei der Lösung von Problemen braucht.

Versorgungsauftrag - Was ist der ärztliche Anteil?

Zur „Tagungshalbzeit“ widmet sich das Gesundheitspolitische Podium der Frage nach dem Inhalt und Umfang ärztlicher Tätigkeit und führt damit die parallelen Themenfelder zusammen. Eine Annäherung an ein hochkomplexes Thema. 

Expertenaustausch in Fachveranstaltungen

In den Fachveranstaltungen der Tagung tauschten sich Experten zu den Fragestellungen rund um die Sicherstellung aus. So wurden als Grundlage der Bedarfsplanung etwa verschiedene Ansatzpunkte, Kriterien und Modelle vorgestellt, mit denen der Bedarf an medizinischer Versorgung ermittelt werden kann.

Die Referenten zum Thema ärztliche Weiterbildung waren sich einig, dass die Weiterbildung interprofessionell, interdisziplinär und intersektoral ausgerichtet werden soll. Sie sprachen sich gemeinschaftlich für mehr ambulante Anteile in der Weiterbildung aus. Um junge Mediziner für eine ambulante Weiterbildung zu begeistern, müssen jedoch die Anreizmechanismen optimiert werden.

Auf dem Podium zur ambulanten geriatrischen Schwerpunktversorgung betonte Sabine Jansen von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.: „Wir dürfen die Hausärzte mit den komplexen Fragestellungen der geriatrischen Versorgung nicht allein lassen. Ich freue mich, dass bei der Entwicklung ärztlicher Versorgungskonzepte endlich auch das Thema Demenz eine Rolle spielt. Die Einbeziehung der Angehörigen und die Multiprofessionalität der Teams sind dabei wichtige Faktoren.“

Nachwuchssicherung

10.15-16.00 Uhr - Moderation: Dr. Matthias Wismar, European Observatory on Health Systems and Policies

Das Thema "Fachkräftemangel" ist branchenübergreifend präsent. Die Diskussion berührt dabei nicht nur die Frage der Gesamtzahl der benötigten Fachkräfte, sondern auch die der jeweiligen bedarfsorientierten Qualifikation.

In dieser Session werden verschiedene Perspektiven der Nachwuchssicherung zusammengebracht: Ansätze einer besseren Verzahnung von Studium und Weiterbildung, wie im Rahmen der gesetzlichen Weiterbildungsförderung vorgesehen, die Integration ambulanter Anteile in den Wissens- und Erfahrungshorizont künftiger Ärztinnen und Ärzte, die Nutzung innovativer didaktischer Instrumente und die Bedeutung der praktischen Umsetzung einer sektorenübergreifenden Weiterbildung in Verbünden.

Anschließend richtet sich der Blick auf die Kontexte: Wie ambulant ist die aktuelle Weiterbildungsordnung? Was sagen uns Arztzahlprognosen über den künftigen Bedarf und welche Anforderungen werden an die immer wichtiger werdende Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe gestellt?

Am Nachmittag wird dieser Blick auf den Kontext nochmals erweitert. Arztzahlprognosen geben konkretere Anhaltspunkte, in welchen Fachgebieten ein verstärktes Engagement erforderlich wird. Nachwuchssicherung wird ebenfalls mit teamorientierten Versorgungsstrukturen betrieben. Ein höheres Maß an Kooperation zwischen den Berufsgruppen kann sich mit einer entsprechend profilierte Aus- und Weiterbildung verlässlich entwickeln.

10.15-12.15 Uhr Weiterbildung – der Weg in die ambulante Versorgung

  • Prof. Dr. med. Jost Steinhäuser, Universität Lübeck, Kompetenzzentren als Link zwischen Aus- und Weiterbildung
  • Dr. med. Folkert Fehr, DGAAP, Train-the-trainer in der Pädiatrie: Didaktische Standards für Weiterbilder
  • Dr. med. Veit Wambach, Praxisnetz Q+E Nürnberg, Die Bedeutung sektorenübergreifender Weiterbildungsverbünde

11:30 – 12:15 Uhr Podium:

  • Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, Ambulantisierung der Weiterbildung: Anforderungen aus SVR-Sicht
  • Dr. med. Günther Jonitz, ÄK Berlin, Wie ambulant ist die WBO?
  • Prof. Dr. med. Martina Kadmon, MME, Universität Oldenburg, Kompetenzbasierung als Weiterbildungsstandard

14.15-15.00 Uhr Arztzahlprognose

  • Michael Kalinowski, Fraunhofer Gesellschaft / Dr. Marc Ingo Wolter, GWS - Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH
  • Dr. Lud van der Velden, Nivel Institut, Niederlande

Fachkräftemangel ist als Thema branchenübergreifend präsent. Bei der Entwicklung von Prognosemodellen für die ärztliche Versorgung ist eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen, um ein verlässliches Szenario für den künftigen Bedarf zu entwerfen.

Die KBV hat ein Konsortium, dem u.a. das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die Fraunhofer Gesellschaft sowie die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung angehören, mit der Entwicklung beauftragt. Das Modell wird erstmalig fachöffentlich präsentiert.

Im Rahmen eines europäischen Netzwerks steht die KBV in kontinuierlichem Austausch mit den jeweiligen Akteuren. Stellvertretend für die bestehenden Ansätze in anderen europäischen Ländern wird das niederländische Modell präsentiert.

15.15-16.00 Uhr Berufsbildentwicklung

Anforderungswandel in den Gesundheitsfachberufen - Statement und Diskussion:

  • Dr. med. Theodor Windhorst, Bundesärztekammer
  • Prof. Dr. Heidi Höppner, Alice Salomon Hochschule Berlin

Die Aus- und Weiterbildung von Medizinern und Gesundheitsfachberufen steht gegenwärtig im Focus der Politik: Der Masterplan Medizinstudium 2020, eine intensivierte Weiterbildungsförderung im SGB V sowie das geplante Pflegeberufegesetz verdeutlichen den Regelungsbedarf, den die Politik bei der Berufsbildentwicklung sieht.

Veränderte Rahmenbedingungen in der Gesundheitsversorgung beschleunigen faktisch jedoch schon seit einigen Jahren einen Anforderungswandel an Ärzteschaft und Gesundheitsfachberufe: Ein höheres Maß an Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Gesundheitsfachberufen ist explizit oder implizit Bestandteil einer Vielzahl von Versorgungsverträgen und die Versorgung durch multiprofessionelle Teams ist in vielen Fachgebieten längst zur Regel geworden.

Zusätzlich machen Bedarfsprognosen und veränderte Berufsvorstellungen in der Ärzteschaft sowie in Gesundheitsfachberufen den Bedarf für eine abgestimmte Konzeption zur Berufsbildentwicklung in diesen Berufen deutlich.

Demografischer Wandel

10.15-16 Uhr - Moderation: Katrin Brand, WDR

Die stetig steigende Lebenserwartung und ein wachsender Anteil von Hochbetagten mit einem hohen Grad an Gebrechlichkeit und Multimorbidität vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen stellen das deutsche Gesundheitssystem und damit auch die ambulanten Versorgungsstrukturen vor große Herausforderungen.

Verschiedene innovative Versorgungsmodelle, die sich gezielt an den individuellen Bedürfnissen chronisch kranker, multimorbider, älterer Patienten orientieren, begegnen diesen Herausforderungen. Der Themenblock „Demografischer Wandel“ widmet sich im Rahmen der Herbsttagung einen ganzen Tag diesen neuen Ansätzen.

Vorgestellt und diskutiert werden mit ausgewählten Experten und Entscheidungsträgern die geriatrische Schwerpunktpraxis, alternative Wohnformen sowie die Arbeit in multiprofessionellen Teams.

10.15-11.15 Uhr Fachsession: Geriatrische Schwerpunktpraxen – ein Zukunftsmodell

Multimorbidität und ein hohes Lebensalter erfordern einen besonderen diagnostischen und therapeutischen Ansatz, der sowohl die ärztliche Expertise, als auch andere, beispielsweise pflegerische und soziale Unterstützung beinhaltet.

Das Konzept der geriatrischen Schwerpunktpraxis ermöglicht diese notwendige umfassende Versorgung. Die Fachsession beginnt mit zwei einführenden Vorträgen. Anschließend wird im Rahmen einer 45-minütigen Podiumsdiskussion die Ausgestaltung, Rahmenbedingungen und Zukunftsfähigkeit der geriatrischen Schwerpunktpraxis diskutiert:

  • Dr. Burkhard John, KV Sachsen-Anhalt: Vortrag „Spezielle wohnortnahe geriatrische Versorgung - Eine Notwendigkeit im Rahmen des demografischen Wandels“
  • Dr. Thomas Hermens, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie: Vortrag „Geriatrie in der Hausarztpraxis“

11.30-12.15 Uhr Podiumsdiskussion „Die ambulante geriatrische Schwerpunktversorgung – Innovativ. Multiprofessionell. Zukunftsfähig?“

  • Sabine Jansen, Deutsche Alzheimer Gesellschaft
  • Dr. Burkhard John, KV Sachsen-Anhalt
  • PD Dr. Mathias Pfisterer, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V.
  • Jörg-Christian Renz, Kompetenz-Centrum Geriatrie

14.15-15.00 Uhr Wohngemeinschaften und Co – Neue Formen der Häuslichkeit in der ambulanten Versorgung

Alternativ zu den traditionellen Wohnangeboten wie dem Alten- oder Pflegeheim hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl an neuen Wohnformen entwickelt. Patienten mit chronischen Erkrankungen oder betagte Menschen mit einem steigenden Bedarf an pflegerischer Betreuung profitieren von diesen alternativen Wohnformen.

Sie ermöglichen es dem Patienten möglichst lange selbstbestimmt in vertrauter Umgebung zu leben, während gleichzeitig Pflege und medizinische Betreuung je nach individuellen Bedürfnissen verfügbar sind. Der gegenwärtige Entwicklungsstand und Möglichkeiten der Weiterentwicklung alternativer Wohnformen stehen im Mittelpunkt dieser Fachsession. Eröffnet wird mit einem Impulsvortrag, ergänzt durch Expertenstatements mit anschließender Diskussion.

  • Dr. Eckhart Schnabel, GKV-Spitzenverband: Impulsvortrag „Zwischen Pflegeheim und Häuslichkeit – neue Wohn-, Pflege- und Versorgungsformen für pflegebedürftige Menschen“
  • Expertenstatements:
    • Dr. Elisabeth Fix, Deutscher Caritasverband e.V.
    • Dr. Christian Franke, Berufsverband der Pneumologen Thüringen e.V.

15.15-16.00 Uhr Multiprofessionelle Teams bei der Arbeit – Von der Theorie zur Praxis

Multiprofessionelle Teams sind für verschiedene Versorgungsbereiche relevant. Insbesondere Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen oder Mehrfacherkrankungen profitieren von einer aufeinander abgestimmten multiprofessionellen Versorgung.

Ein Team, zusammengesetzt aus verschiedenen Berufsgruppen, versorgt Patienten nach ihren speziellen Bedürfnissen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Lebenswelten. Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren dieses Versorgungsansatzes werden durch einen Impulsvortrag mit begleitenden Expertenstatements und anschließender Diskussion dargestellt und erörtert.

  • Professor Adelheid Kuhlmey, Charité: Impulsvortrag “Multiprofessionelle Versorgung multimorbider Patienten“
  • Expertenstatements:
    • Dr. Frank Bergmann, Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)
    • Dr. Oliver Haarmann, casana GmbH & Co. KG

(Bedarfs)Planung

10.15-16.00 Uhr - Moderation: Steffen Bohm, AGENON

Die Sicherstellung eines vergleichbaren Zugangs zur Versorgung für alle Patienten in Deutschland macht eine weitergehende Planung und Steuerung der ärztlichen Versorgung erforderlich. Die demografische Entwicklung der Bevölkerung, der medizinische Fortschritt, gesellschaftliche Veränderungen und die bisherigen Trends der ärztlichen Aus- und Weiterbildung machen eine stetige Weiterentwicklung dieser Planung und Steuerung notwendig. Im Zuge des vorliegenden Programms werden drei wichtige Fragestellungen der (Bedarfs-)Planung aufgegriffen und von Experten diskutiert werden.

Zum Einstieg wird eine der zentralen Fragen der Planung, wie Bedarf eigentlich gemessen werden kann, aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Im Anschluss soll praxisorientiert über die Erfahrungen der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit im Bereich der Notfallversorgung diskutiert werden. Zum Abschluss dieser Session werden Experten gebeten, über internationale Erfahrungen bei der Planung und Steuerung der ärztlichen Versorgung zu referieren.

10.15-12.15 Uhr Was ist Bedarf? - Definitionen und Standpunkte

Jede Diskussion zur Bedarfsplanung kommt an der Frage vorbei, was eigentlich genau der Bedarf ist, der beplant werden soll. Wie viele Ärzte sind notwendig, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen? Wann sind es zu wenige, sodass die Versorgung gefährdet ist? Wann sind es zu viele, sodass eine Überversorgung droht?

Wie sind vor dem Hintergrund von Planungserfordernissen die regionalen Variationen der Inanspruchnahme von Versorgung zu bewerten? Spätestens seit dem gesetzlichen Auftrag aus dem GKV-VSG an den G-BA, bei der Bedarfsplanung auch Sozial- und Morbiditätsfaktoren zu berücksichtigen, ist ein Handlungserfordernis in diesem Bereich klar geworden.

Doch wie genau wirken sich soziökonomische Effekte auf den Versorgungsbedarf aus? Wie kann man diese bei einer Planung von Versorgungskapazitäten berücksichtigen?

Diese und weitere Fragen sollen im ersten Teil der Veranstaltung diskutiert werden. Im ersten Schritt werden hier Vertreter der Wissenschaft gebeten, Vorschläge, Ideen und den Stand der aktuellen Diskussion zu präsentieren.

Im Anschluss daran sollen diese Vorschläge politisch durch Vertreter der GKV, der KVen und der Patienten bewertet werden.

  • Prof. Dr. Reinhard Busse, TU Berlin, Über-, Unter- und Fehlversorgung
  • Prof. Dr. Leonie Sundmacher, LMU München: Bedarfsplanung und regionale Variation von Versorgung
  • Dr. Werner Maier, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Helmholtz Zentrum München: Einfluss Sozioökonomischer Faktoren

Podium:

  • Dr. Thomas Uhlemann, GKV-Spitzenverband
  • Dr. Stefan Etgeton, Bertelsmann Stiftung
  • Oliver Kahl, KV Mecklenburg-Vorpommern

14.15-15.00 Uhr Sektorenübergreifende Planung: Notfallversorgung

Beispiel Baden-Württemberg

Eine sektorenübergreifende Planung ist eine regelmäßige Forderung fast aller Vertreter des Gesundheitswesens, wenn es um die Weiterentwicklung der Planungsinstrumente geht. Jenseits aller planerischen Vorgaben und Regularien ist im Bereich der Notfallversorgung die sektorenübergreifende Versorgung bereits heute gelebte Praxis.

Ambulant wie stationär werden Patienten in Notfällen umfassend versorgt und ärztlich betreut. Gleichzeitig gibt es Friktionen, wenn zwei hochregulierte Bereiche wie die ambulante und stationäre Versorgung unmittelbar und z.T. ungesteuert aufeinandertreffen.

Wie gestaltet sich also die Zusammenarbeit in der Praxis? Gemeinsam mit Vertretern der Länder, der stationären Versorgung und der KVen soll exemplarisch am Beispiel der Notfallversorgung in Baden-Württemberg die positiven und negativen Seiten der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit und Planung diskutiert werden.

  • Dr. Johannes Fechner, KV Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Reimer Riessen, Universitätsklinkum Tübingen
  • Dr. Monika Vierheilig, Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg

15.15-16.00 Uhr Internationale Planungsansätze

Nicht nur in Deutschland unterliegen die Ärzte einer Planung, die deren fachliche und regionale Verteilung weiter steuern soll. Fast alle Länder der OECD greifen an der einen oder anderen Stelle in die Verteilung und Planung der Ärzte im Land ein.

Wie sind die Erfahrungen der anderen Länder und welche Ansätze können ggf. auch für Deutschland als Best-Practice herangezogen werden? In diesem Teil sollen Vertreter anderer Länder bzw. länderübergreifender Organisationen vorstellen und diskutieren, welche Ansätze sich bewährt haben und welche ggf. auch auf Deutschland übertragbar sind.

  • Dr. Gerhard Fülöp, Gesundheit Österreich , Wien
  • Gaetan Lafortune, The Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD)
  • Michael Schönstein, Bundesministerium für Arbeit und Soziales