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Niederlassungsoptionen

Was passt zu mir? – Niederlassungsoptionen und Kooperationsmodelle

Einzel- oder Gemeinschaftspraxis? In Voll- oder Teilzeit? – In den vergangenen Jahren sind die Niederlassungsmöglichkeiten und Arbeitsmodelle in der ambulanten medizinischen Versorgung deutlich flexibler geworden.

Neben der traditionellen Einzelpraxis gibt es immer mehr Praxisformen, die eine stärkere Kooperation mit Kollegen oder eine Tätigkeit an mehreren Standorten erlauben. 

Gerade Kooperationen bieten niedergelassenen Ärzten zahlreiche Vorteile. So können Betriebskosten gesenkt,  das Leistungsangebot erweitert und spezifiziert, Vertretungen leichter sichergestellt werden.

Die wichtigsten Praxis- und Arbeitsmodelle stellen wir im Folgenden vor:

 
Einzelpraxis

Praxisgemeinschaft

Gemeinschaftspraxis

Job-Sharing

Medizinische Versorgungszentren

Teilzulassung



Einzelpraxis

Die Einzelpraxis ist ein Weg in die Selbstständigkeit. Nach wie vor entscheiden sich viele Ärzte für diese Praxisform. Ein Vorteil der Einzelpraxis liegt darin, dass man seine Praxis nach den eigenen Wünschen gestalten kann.

Das heißt, man kann seine persönlichen Vorstellungen in medizinischer Hinsicht als auch bei der Praxisorganisation verwirklichen. Sprechstundenzeiten und Urlaub zum Beispiel können alleine geplant werden, eine Abstimmung mit Kollegen ist nur im Hinblick auf die erforderliche Vertretung notwendig.

Der Praxisinhaber arbeitet wirtschaftlich eigenständig, er muss allerdings auch allein die Finanzierung sicherstellen. Auch als Einzelpraxis kann man in Kooperation mit anderen Ärzten tätig sein. Mögliche Formen sind die Praxisgemeinschaft oder Praxisnetze.

Wesentliche Merkmale:

  • hohe wirtschaftliche Eigenständigkeit
  • organisatorische Eigenständigkeit: Sprechzeiten, Urlaub etc. legt der Arzt selbst fest.
  • Der Praxisinhaber trägt die Kosten für Räume, Personal, Geräte etc. allein.



Praxisgemeinschaft

Bei einer Praxisgemeinschaft schließen sich zwei oder mehrere Vertragsärzte gleicher oder verschiedener Fachgebiete zusammen, um Räume, Geräte und Personal gemeinsam zu nutzen.

Ansonsten arbeiten sie getrennt voneinander: Sie führen jeweils eine eigene Patientenkartei und behandeln ihren eigenen Patientenstamm. Auch die Abrechnung erfolgt separat. Jeder Partner rechnet die von ihm erbrachten Leistungen selbst ab und bekommt dafür sein Honorar.

Die Praxisgemeinschaft ist eine Form der Kooperation von Ärzten. Das Ziel einer Praxisgemeinschaft ist aber nicht die gemeinsame Behandlung von Patienten, sondern die gemeinsame Nutzung sächlicher sowie personeller Mittel, um Kosten zu reduzieren.

Wesentliche Merkmale:

  • getrennte Abrechnung
  • getrennter Patientenstamm
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Personal, Geräten etc.
  • Eine Zustimmung des Zulassungsausschusses zur Gründung der Praxisgemeinschaft ist nicht erforderlich.

Praxisnetze

Losere Kooperationsformen wie die Praxisgemeinschaft sind beispielsweise Ärztenetze: Hierbei schließen sich Ärzte beziehungsweise Praxen zusammen, um in bestimmten Punkten zusammenzuarbeiten und sich gemeinsam zu organisieren. 

Beispiele hierfür sind eine gemeinschaftliche Praxis-EDV oder aufeinander abgestimmte Behandlungskonzepte. Sie bleiben dabei aber eigenständig.




Gemeinschaftspraxis

Die 20.000 Gemeinschaftspraxen in Deutschland sind die häufigste Form der sogenannten „Berufsausübungsgemeinschaften“ (BAG). In einer BAG schließen sich mehrere Ärzte und/oder Psychotherapeuten mit dem Ziel zusammen, gemeinsam Patienten zu behandeln.

Die Partner einer BAG bilden wirtschaftlich sowie organisatorisch eine Einheit. Sie führen eine gemeinsame Patientenkartei, rechnen über eine gemeinsame Abrechnungsnummer ab, haften gemeinsam und treten nach außen als eine Praxis auf. Sie arbeiten aber weiterhin eigenverantwortlich und medizinisch unabhängig.

Eine Gemeinschaftspraxis kann von fachgleichen Ärzten als auch von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gegründet werden, wenn sich die Fachgebiete in sinnvoller Weise für die gemeinsame Ausübung der vertragsärztlichen Tätigkeit eignen, zum Beispiel ein Hausarzt und ein Dermatologe oder ein Orthopäde und ein Chirurg.

Wesentliche Merkmale:

  • Zusammenschluss von Ärzten derselben oder unterschiedlicher Fachrichtungen
  • gemeinsame Abrechnung
  • gemeinsamer Patientenstamm
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Personal, Geräte etc.
  • Eine Genehmigung der Gemeinschaftspraxis durch den ist Zulassungsausschuss erforderlich.



Job-Sharing

Eine besondere Form der Gemeinschaftspraxis ist die Job-Sharing-Praxis: In einem eigentlich für Neuzulassungen gesperrten Planungsbereich können Ärzte und Psychotherapeuten nämlich eine beschränkte Zulassung erhalten, wenn sie als Job-Sharing-Partner eine Kooperation mit einem bereits zugelassenen Kollegen derselben Fachrichtung eingehen.

Diese Form der Gemeinschaftspraxis ist vor allem dann interessant, wenn beide Partner ihren Arbeitseinsatz zeitlich flexibler festlegen wollen. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass das Leistungsvolumen der bisherigen Praxis nicht wesentlich ausgeweitet werden darf.

Geht es um die Praxisnachfolge, wird bei der Auswahl der hinzugekommene Partner vorrangig berücksichtigt. Spätestens nach zehn Jahren der Zusammenarbeit – oder wenn die Zulassungsbeschränkungen enden – erhält der Partner eine Vollzulassung.

Wesentliche Merkmale:

  • Zusammenschluss von Ärzten derselben Fachrichtung
  • gemeinsame Abrechnung
  • gemeinsame Behandlung von Patienten
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Geräten, Personal etc.
  • beschränkte Zulassung, Leistungsausweitung ist begrenzt
  • Der Zulassungsausschuss muss eine beschränkte Zulassung erteilen.



Medizinische Versorgungszentren

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtungen, in denen Ärzte als freiberufliche Vertragsärzte und/oder als angestellte Ärzte fachübergreifend tätig sind.

Im Gegensatz zu einer Gemeinschaftspraxis müssen in einem MVZ Ärzte mit verschiedenen Facharzt- oder Schwerpunktbezeichnungen praktizieren. Ärzte, die zum Beispiel ausschließlich der hausärztlichen Versorgung angehören, können somit kein MVZ bilden.

Das MVZ zählt zu den Berufsausübungsgemeinschaften.

In einem Medizinischen Versorgungszentrum können sowohl freiberuflich tätige Ärzte und Psychotherapeuten als auch angestellte Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten.

Folgende Varianten sind möglich:

  • Freiberufler-Variante:
    In dem MVZ arbeiten ausschließlich selbstständig tätige Ärzte und Psychotherapeuten. Ihre persönliche Zulassung ruht und wird von der Zulassung des MVZ überlagert. Dabei können Ärzte und Psychotherapeuten auch wieder ihre Zulassung „aktivieren“ und in einer Einzelpraxis ausüben.

  • Angestellten-Variante:
    Rund zwei Drittel der derzeit 1.500 MVZ in Deutschland sind reine Angestellten-MVZ. Das MVZ ist hier als juristische Person (i. d. R. eine GmbH) Inhaber der Zulassung. Ärzte und Psychotherapeuten, die ihren Sitz einem MVZ übertragen, können ihn nicht wieder aus dem MVZ herauslösen. Angestellte werden – sofern sie mindestens eine halbe Stelle ausfüllen – Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigungen.

  • Misch-Variante:
    Ein MVZ arbeitet sowohl mit Vertragsärzten als auch mit Angestellten. Dies ist zum Beispiel eine Möglichkeit, wenn ein Arzt, der kurz vor dem Ruhestand steht, seine Zulassung an das MVZ überträgt und dort noch einige Zeit als Angestellter tätig ist, während sein Partner sich die Rückkehroption in die Niederlassung noch erhält und als Freiberufler im MVZ tätig ist.

Auch für MVZ gilt: Für jeden zusätzlichen Arzt oder Psychotherapeuten benötigt das MVZ einen freien Arztsitz.

Wesentliche Merkmale: 

  • fachübergreifend tätig
  • ärztlich geleitet
  • gemeinsame Abrechnung
  • gemeinsamer Patientenstamm
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Geräten, Personal etc.
  • Genehmigung durch den Zulassungsausschuss erforderlich



Teilzulassung

Selbstständigkeit ist seit einigen Jahren auch „in Teilzeit“ möglich – als Teilzulassung: Seit 2007 können Ärzte und Psychotherapeuten ihren Versorgungsauftrag auf die Hälfte einer hauptberuflichen Tätigkeit reduzieren. In diesem Fall halbiert sich auch die Zeit der vorgeschriebenen Präsenz in der Praxis auf zehn anstelle von 20 Sprechstunden bei einer Vollzulassung.

Überdies eröffnet die Teilzulassung die Chance, gleichzeitig als Vertragsarzt und als Angestellter tätig zu sein: So können Ärzte und Psychotherapeuten beispielsweise halbtags im Krankenhaus oder im Medizinischen Versorgungszentrum arbeiten und die übrige Zeit freiberuflich in der Praxis. Es besteht jedoch das Risiko, dass die Teilzulassung nicht mehr in einen vollen Versorgungsauftrag „zurückverwandelt“ werden kann, wenn der Planungsbereich gesperrt ist.